22 Jahre unschuldig in Haft
Leben zerstört
(12.03.2026) Ein dramatischer Justizirrtum in den USA ist nach mehr als zwei Jahrzehnten korrigiert worden: Eine Frau, die wegen der angeblichen Tötung eines Babys verurteilt worden war, ist nach 22 Jahren unschuldig im Gefängnis freigesprochen und freigelassen worden. Ein Richter im US-Bundesstaat Texas erklärte die heute 52-jährige Carmen Mejía am Mittwoch (Ortszeit) offiziell für unschuldig. Die aus Honduras stammende Frau war 2003 verurteilt worden, nachdem ihr vorgeworfen worden war, als Babysitterin einen zehn Monate alten Jungen in heißes Wasser getaucht zu haben. Das Baby erlitt schwere Verbrennungen und starb später im Krankenhaus. Damals hatten ein Arzt und ein Gutachter ausgesagt, die Verletzungen seien absichtlich zugefügt worden.
Gericht erkennt schweren Justizirrtum
Mehr als zwei Jahrzehnte später kam die Justiz zu einem völlig anderen Ergebnis. Bereits im Jänner hatte ein Gericht festgestellt, dass Carmen Mejía zu Unrecht verurteilt worden war. Ausschlaggebend waren laut Gericht fehlerhafte Zeugenaussagen und unvollständige Beweise, die im ursprünglichen Prozess zu einem falschen Urteil geführt hatten. Die Anwältin der Frau konnte schließlich nachweisen, dass es sich bei dem Vorfall nicht um ein Verbrechen, sondern um einen tragischen Haushaltsunfall gehandelt hatte.
Demnach hatte ein defekter Wasserboiler dazu geführt, dass sich das Wasser im Bad des Kindes innerhalb weniger Sekunden auf über 60 Grad Celsius erhitzte. Dadurch erlitt der Säugling die tödlichen Verbrühungen.
„Ich dachte, ich würde im Gefängnis sterben“
Nach ihrer Freilassung sprach Mejía vor Journalisten vor der Haftanstalt über ihre Zeit im Gefängnis. Sie habe lange geglaubt, dass sie ihr Leben hinter Gittern beenden müsse, sagte die 52-Jährige. Unterstützt wurde ihr Fall von der Organisation Innocence Project, die sich für die Aufklärung von Fehlurteilen einsetzt. Anwältin Vanessa Potkin erklärte:
„Obwohl wir uns sehr darüber freuen, dass das Gericht die Unschuld von Frau Mejía festgestellt hat, hätte es nie zu so einer gravierenden Ungerechtigkeit kommen dürfen.“
Familie zerstört: Kinder zur Adoption freigegeben
Das Fehlurteil hatte dramatische Folgen für das Leben der Frau. Nach ihrer Verurteilung verlor Mejía das Sorgerecht für ihre vier Kinder, die anschließend zur Adoption freigegeben wurden. Zudem war nach dem Urteil ihre Abschiebung angeordnet worden. Diese Maßnahme wurde von den Behörden nun aufgehoben. Der Fall gilt als weiteres Beispiel für einen schweren Justizirrtum in den USA, bei dem eine unschuldige Person über Jahrzehnte in Haft saß. Organisationen wie das Innocence Project kämpfen seit Jahren dafür, solche Fälle mithilfe neuer Beweise und moderner Ermittlungsverfahren neu aufzurollen.
(fd/apa)