Angeklagt: "Beauty-Ärztin"

schwere Körperverletzung

(15.02.2022) Autsch! Das ist ins Auge gegangen. Stell dir vor du legst dich unters Messer um schöner zu werden und danach bist du entstellt! Einer falschen Beauty-Ärztin, die zwischen November 2020 und April 2021 in Wien fast zwei Dutzend Kundinnen laut Anklage "auf schmerzhafte und technisch gröblich unsachgemäße sowie nicht sorgfältige Weise" behandelt haben soll, ist heute am Wiener Landesgericht der Prozess gemacht worden. Vorgeworfen wird der 25-Jährigen gewerbsmäßiger Betrug, 15-fache fahrlässige Körperverletzung und - bezogen auf zwei Fälle - schwere Körperverletzung.

2 Tages Kurs in Polen abgelegt

Die Angeklagte hatte auf Instagram kosmetische Eingriffe an Lippen, Wangen und Nasen angeboten. Von Richterin Julia Matiasch zu ihrer Qualifikation befragt, erwiderte die 25-Jährige: "Ich wollte immer Heilpraktikerin werden. Das hat mich immer fasziniert." Als Mindestalter für ein Studium sei aber die Vollendung des 25. Lebensjahres gewesen. Daher habe sie auf Basis von bereits vorhandenem Wissen "im ästhetischen Bereich"und bei einer Ärztin eingeholten Informationen in Polen einen Kurs absolviert und sich zur "Kosmetologin" ausbilden lassen: "So ein Kurs dauert zwei, drei Tage, wo man probt und übt." Materialkunde, hygienische und anatomische Aspekte und der Umgang mit Allergien - all das habe man ihr in Polen vermittelt. Im Anschluss habe sie noch einen Online-Kurz belegt und ein Zertifikat erworben. "Man muss sich da eingehend damit beschäftigen. Sonst wird das nix", verriet die Angeklagte. Nach ihrem 25. Geburtstag - im März 2021 - habe sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin begonnen, aber nach einem Monat abgebrochen.

Keine echte Ärztin

Ärztin war und ist die Frau somit keine, womit sie zur Vornahme kosmetischer Eingriffe nicht berechtigt gewesen wäre. Insofern war die 25-Jährige auch geständig. "Es reicht nicht, diese Ausbildung in Polen", schluchzte sie. Zugleich betonte sie: "Ich hab' angenommen, dass man es darf. Ich hab' nicht gewusst, dass es Ärzten vorbehalten ist." Auf die Frage der Richterin, weshalb sie sich als "Frau Doktor" ausgegeben habe, antwortete die 25-Jährige: "Ich hab' Idole gehabt." Sie habe das getan, "wie die es in Russland auch gemacht haben". Später habe sie sich auf ihrer Website Frau Doktor genannt, "weil ich angefangen habe, bei einer Ärztin zu arbeiten".

Schwere Komplikationen

Pro Termin soll die Angeklagte bis zu 750 Euro kassiert haben. Obwohl es negative Rückmeldungen einzelner Kundinnen gab, setzte die mutmaßliche Schwindlerin - für die 25-Jährige gilt die Unschuldsvermutung - fort. Besonders hart traf es eine junge Frau, die sich am 14. Februar um 350 Euro die Lippen und die Nase aufspritzen ließ. Laut Anklage kam es nach der Behandlung zu "auffallenden Veränderungen und schweren Komplikationen", in ihrem Gesicht sollen "erhebliche Vernarbungen und Veränderungen des Gewebes deutlich sichtbar" sein. Die entstandenen Verunstaltungen sollen laut Anklage "psychisch belastend und entstellend" und "irreversibel" ein.

Zu diesem Fall bemerkte die Angeklagte: "Es kann jedem passieren. Ich war im Schock. Weil es mein Fehler war." Sie habe die Frau per Instagram nach vier oder fünf Tagen aufgefordert, "in die Notaufnahme zu fahren". Das habe diese nicht gemacht, sondern darauf bestanden, zu ihr in die Praxis zu fahren: "Als sie gekommen ist, war die Nasenspitze schon schwarz. Wenn sie früher gekommen wäre, wäre das niemals schwarz geworden."

Unzufriedene erhielten gefährliche Drohungen

Der falschen Ärztin werden neben dieser Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen zwei weitere Fälle von schwerer Körperverletzung angelastet. Daneben sind auch eine gefährliche Drohung und eine Nötigung inkriminiert. Als eine Frau auf Instagram ein Posting absetzte, mit dem sie vor der 25-Jährigen warnte, konterte diese mit einer WhatsApp-Nachricht: "Aber der Tag kommt, meine schwarzhaarige Barbie, und du wirst sehen wie Knochen brechen. [...]Ich werde deine schirchen Zähne raushauen und die an dich verfüttern." Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt. Das Urteil soll am 23. März fallen.

(fd/apa)

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