Bluttest auf Krebs

Forschung vor Durchbruch

(12.09.2022) Die Wissenschaft ist offenbar einen Schritt näher an Screening-Bluttests auf verschiedene Krebsarten gekommen. Eine Studie von Deb Schrag vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center (New York), die am Sonntag beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in Paris vorgestellt wurde, zeigte eine relativ hohe Sensitivität eines solchen Bluttests auf ctDNA-Bruchstücke von bösartigen Zellen im Blut.

"Diese Ergebnisse sind ein wichtiger erster Schritt für Tests, welche sehr früh Krebserkrankungen aufzeigen können. Sie zeigten eine gute Erkennungsrate bei Personen, die wirklich eine Krebserkrankung (Sensitivität) hatten und eine exzellente Spezifität (negativer Test - gesichert keine Krebserkrankung; Anm.) für Personen ohne bösartige Erkrankung. Bei Menschen mit einem positiven Test dauerte es weniger als zwei Monate, um die Diagnose zu bestätigen und etwas länger, um eine Krebserkrankung auszuschließen (...)", stellte die Wissenschafterin fest.

In die Untersuchung ("Pathfinder") waren 6.621 Probanden im Alter von 50 Jahren und darüber aufgenommen worden, die zuvor keine Krebsdiagnose erhalten hatten. Das Testkit zielte darauf ab, im Blut zirkulierendes Genmaterial (ctDNA) von bösartigen Zellen von 50 verschiedenen Tumorerkrankungen aufzufinden. Einen positiven Tests und somit einen Verdacht auf Krebs stellten die Wissenschafter bei 1,4 Prozent fest. Dieser Verdacht bestätigte sich bei 38 Prozent der Probanden mit einem positiven Bluttest nach der Durchführung weiterer herkömmlicher Untersuchungen, zum Beispiel Bildgebung (CT-, MR-Untersuchungen), endoskopische Untersuchungen etc.

Die Spezifitätsrate aber war extrem hoch. Von 6.290 Probanden, die keine Krebserkrankung aufwiesen, erhielten 99,1 Prozent einen negativen Test auf ctDNA von bösartigen Zellen. Deb Schrag: "Ein wichtiges Ergebnis war, dass nur wenige Teilnehmer mit einem falsch positiven Test zusätzlich wiederholte invasive Untersuchungen benötigten wie Endoskopien oder Gewebebiopsien. Das sollte Befürchtungen besänftigen, wonach solche Tests Schaden hervorrufen, indem sie unnötige weitere diagnostische Schritte bei Gesunden auslösen."

Speziell wichtig könnten solche Bluttests, die einer Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) entsprechen, beim Screening nach Krebserkrankungen werden, die sonst oft viel zu spät mit anderen Methoden (Bildgebung, Gewebebiopsien, Endoskopieuntersuchungen) entdeckt werden und für die es noch keine Screeningverfahren bei symptomlosen Personen gibt: zum Beispiel Bauspeicheldrüsenkarzinome, Dünndarm- und Magenkarzinome.

(APA/CD)

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