Burka Statt Rechte

Afghanistan im Mittelalter?

(17.08.2021) Nachdem die Taliban nach Kabul vorgedrungen sind, droht eine weitere Unterdrückungszeit für Frauen wie bereits in der letzten Regierungszeit von 1996-2001.

Reformen werden bereits zurückgenommen

Die zuletzt hart erkämpften Frauenrechte sind nun wieder in weite Ferne gerückt. Frauen trauen sich auch ohne Burka erst gar nicht mehr auf die Straße. Eine afghanische Studentin wollte gerade eine Vorlesung besuchen, als eine Gruppe von Frauen auf sie zustürmt und sie warnte, dass die Taliban Kabul eingenommen haben und jede Frau schlagen würden die keine Burka trägt.

Wie alles begann

In Afghanistan haben die militant-islamistischen Taliban ab Mitte der 1990er einen islamischen Gottesstaat errichtet. Mit ihrer Schreckensherrschaft kehrten in dem Land mittelalterliche Zustände ein, bis zum Einmarsch der westlichen Truppen 2001. Frauen durften nicht mehr arbeiten und nur noch verschleiert mit einer Burka und in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds das Haus verlassen. In der Öffentlichkeit war für sie lautes Sprechen oder Lachen verboten. Das Fotografieren und Filmen von Frauen war untersagt. Mädchen wurden vom Schulunterricht ausgeschlossen. Männer mussten Turban und langen Bart tragen. Die Sittenpolizei verprügelte diejenigen auf offener Straße, die gegen diese Regeln verstießen.

Willkürherrschaft in Afghanistan

Die Willkürherrschaft in Afghanistan kannte keine klaren Gesetze und einklagbaren Rechte. Vergehen wurden mit Auspeitschungen geahndet, Dieben die Hand abgehackt. Homosexuelle wurden gesteinigt. Mörder wurden von den Verwandten ihrer Opfer exekutiert. Afghanen, die zu einer anderen Religion wechselten oder diese propagierten, konnten hingerichtet werden. Die Taliban untersagten den Gebrauch des Internets - etwa weil dort Obszönitäten, Unmoral und Propaganda gegen den Islam verbreitet würden, wie es hieß. Auch Fernsehen, Musik und Tanzen waren verboten.

Barbarische Methoden

Die Milizen verfolgten ihre Gegner rigoros. Der frühere Präsident Mohammed Najibullah etwa wurde nach der Eroberung Kabuls aus einem UN-Gebäude verschleppt und öffentlich hingerichtet. Andere Religionen und Kulturen hatten für die Taliban keinen Wert: Ein UN-Report von 1998 berichtete etwa von Massenhinrichtungen von schiitischen Hasara, einer ethnischen Minderheit, dazu brutale Folterungen und Vergewaltigungen. Die Hindu-Minderheit im Land wurde zum Beispiel gezwungen, ein gelbes Kennzeichen auf der Brust zu tragen - angeblich um nicht mehr von der Sittenpolizei wegen zu kurzer Bärte und fehlender Turbane belästigt zu werden.

Kein Respekt vor Welterbe

In Erinnerung bleibt auch die Zerstörung zweier berühmter, in den Fels gehauener Buddha-Statuen im März 2001. Die 55 und 38 Meter hohen Bildnisse aus vor-islamischer Zeit in der Bamian-Provinz hatte die UNESCO als einzigartiges Gut des Welterbes eingeschätzt. Für den Obersten Rat der Taliban waren sie unislamisch.

Bisher geben sich die Taliban in Kabul zivilisiert

Es ist unklar, ob die Taliban heute gleich regieren werden, wie damals. Sie besprechen derzeit, wie ihre Regierung aussehen wird, welchen Namen und Struktur sie haben und wer sie führen wird. Bisher unterließen es ihre Offiziellen, konkrete Aussagen zu machen. Insgesamt geben sie sich jüngst sehr versöhnlich. Frauen sind auch nach ihrer faktischen Machtübernahme in der Hauptstadt in den Straßen unterwegs, sie sind auch weiter in Fernsehsendungen zu sehen. Taliban-Offizielle riefen auch explizit Frauen dazu auf, ihre Arbeit in den Regierungsstellen wieder aufzunehmen. Beobachter zweifeln, ob diese weiche Linie bleibt.

(dm/fd/apa)

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