Covid-Impfstofftest in Afrika?

Alaba prangert Rassismus an

(06.04.2020) Zwei französische Wissenschaftler haben vorgeschlagen, einen möglichen Impfstoff gegen den Coronavirus zunächst in Afrika zu testen. Dafür haben sie jetzt Kritik geerntet und zwar von FC-Bayern-Spieler David Alaba."Sind diese Typen Ärzte oder Clowns? Diese Art von Rassismus hätte ich mir nie vorstellen können. Schändlich und inakzeptabel", schrieb Alaba, dessen Vater aus Nigeria stammt, am Sonntagabend auf Twitter. Der Fußballspieler ist jedoch nicht der einzige der die Wissenschaftler kritisiert. Er hat sich damit einer mittlerweile langen Liste prominenter Persönlichkeiten angeschlossen, zu der auch die früheren Weltklasse-Fußballer Didier Drogba und Samuel Eto'o gehören.

Die Wissenschafter hatten zuvor im französischen TV-Sender LCI darüber gesprochen, einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus in Afrika zu testen. Jean-Paul Mira, Chefarzt am Pariser Cochin Krankenhaus, hat daraufhin in die Runde gefragt: "Sollten wir diese Studie nicht in Afrika machen, wo es keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen gibt, ein bisschen so wie es bei bestimmten Aids-Studien gemacht wurde? Wo sie an Prostituierten experimentieren, weil man weiß, dass sie besonders exponiert sind und sich nicht schützen." Camille Locht, Direktor der staatlichen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Inserm, hat daraufhin geantwortet: "Sie haben recht. Wir überlegen eine parallele Studie in Afrika mit einem ähnlichen Ansatz durchzuführen." Gleichzeitig denke man auch über Studien in Europa oder Australien nach, meinte Locht.

Die Aussagen lösten einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus. In den Reaktionen zeigt sich Wut, die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent haben. Denn: Während Afrika lange Zeit vom Coronavirus verschont geblieben war, häufen sich seit Mitte März auch dort die Fälle. Häufig führt die Spur nach Europa. Vom "Virus der Weißen" ist in Afrika die Rede. Dass nun ausgerechnet Forscher einer ehemaligen Kolonialmacht solche Pläne vorschlagen, rief zusätzliche Empörung hervor. "Wir wissen doch alle, wie uns Europäer und Amerikaner sehen. Überrascht es euch wirklich, dass sie Afrika als Testlabor sehen?", fragte eine Userin.

Ein Anwalts-Kollektiv aus Marokko kündigte eine Klage gegen Mira wegen rassistischer Beleidigung an. Der Forscher entschuldigte sich später in einer Aussendung seines Arbeitgebers: "Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, die verletzt und schockiert sind und die sich von meinen ungeschickten Äußerungen auf LCI beleidigt fühlen." Das Inserm meinte, die Aussage ihres Mitarbeiters sei aus dem Kontext gerissen und falsch interpretiert worden.

(APA/ap)

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