Digitale Boardkarte wird Pflicht

Ryanair: kein Papier mehr

(06.11.2025) Ab Mittwoch, dem 12. Dezember, stellt Ryanair auf ausschließlich digitale Bordkarten um. Gedruckte Bordkarten werden abgeschafft. Ab nächster Woche müssen alle Passagiere ihre Tickets in elektronischer Form vorzeigen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die App myRyanair, die ein wichtiger Bestandteil der neuen Digitalstrategie der Billigfluggesellschaft aus Dublin ist. Nur über diese Anwendung können Kundinnen und Kunden künftig den Check-in-Prozess abschließen und ihre Bordkarte erhalten.

Mit diesem Schritt möchte Ryanair die erste vollständig papierlose Fluglinie der Welt werden. Das Konzept des sogenannten „Paperless Boarding“ wurde vor rund zwei Wochen in den sozialen Medien angekündigt – und nun steht die Umsetzung kurz bevor.

Nach der Ankündigung folgt Kritik und Protest

Kaum war die neue Regelung bekannt, gibt es Kritik und Proteste. Viele fragen sich: Was sollen Menschen tun, die technisch weniger versiert sind – etwa ältere Reisende oder Personen ohne Smartphone? Wie können sie künftig noch ins Flugzeug steigen?

Für viele Passagiere bedeutet ein ausgedrucktes Stück Papier mit Name, Sitzplatz und QR-Code ein Gefühl von Sicherheit: ein sichtbarer Beweis, dass beim Boarding alles reibungslos funktioniert.

Deutschland fordert eine analoge Alternative

Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, dass es für alle Reisenden eine Alternative geben muss, um Mobilität weiterhin für alle zugänglich zu halten. Die Technik darf niemanden ausschließen oder Reisechancen einschränken, betont André Duderstaedt, Referent für Fluggastrechte. Sonst könne die Regelung sogar rechtliche Probleme aufwerfen.

Wer keine digitale Bordkarte hat, muss zahlen

Ryanair setzt schon seit Jahren auf den Online-Check-in. Wer diesen nicht rechtzeitig erledigt, muss am Flughafen eine Gebühr zahlen. Dasselbe Prinzip gilt nun auch für die Bordkarte: Wer keine digitale Variante vorweisen kann, muss am Schalter eine Check-in-Gebühr entrichten.

Die Kosten variieren je nach Abflugort zwischen 30 und 55 Euro pro Person und Strecke. In anderen Worten: „Nicht digital bedeutet teurer.“ Genau das sehen viele als sozial problematisch.

Die App wird unverzichtbar

Wie bereits angekündigt, spielt die App myRyanair künftig eine zentrale Rolle. Kundinnen und Kunden werden kaum eine Möglichkeit haben, sie zu umgehen: Check-in, Bordkarte und Fluginformationen sind ausschließlich in der App verfügbar. Ohne die digitale Bordkarte auf dem Smartphone gelangt man weder durch die Sicherheitskontrolle noch an Bord.

Positive Auswirkungen auf die Umwelt

Mit der vollständigen Umstellung auf elektronische Bordkarten will Ryanair jährlich rund 300 Tonnen Papierabfall vermeiden. Bislang konnten Fluggäste selbst wählen, ob sie eine Papier- oder Digitalbordkarte nutzen möchten – diese Option entfällt künftig vollständig. Bei Unternehmen wie Lufthansa, Austrian Airlines und weiteren gibt es diese Option weiterhin.

Start wurde bereits einmal verschoben

Ursprünglich war der Start der Umstellung bereits im Mai geplant. Aufgrund erwarteter Bedenken wurde sie jedoch in den ruhigeren Flugmonat November verschoben. Während im Mai etwa 20 Millionen Menschen mit Ryanair gereist sind, sind es im November nur rund 13 Millionen. Im laufenden Geschäftsjahr will Ryanair außerdem einen neuen Rekord von 207 Millionen Passagieren erreichen.

Hilfe am Flughafen versprochen

Ryanair-Chef Michael O’Leary betont in einem Interview, dass allen Passagieren am Flughafen selbstverständlich kostenlose Unterstützung zur Verfügung stehen werde. Wenn etwa der Handy-Akku leer ist, sollen Betroffene dennoch an Bord gehen können. Passagieren ohne Smartphone rät das Unternehmen, sich beim Check-in und Erhalten der Boardkarte von Freunden oder Angehörigen helfen zu lassen.

(AVL)

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