Digitale Identität im Netz
Italien will Regeln
(08.09.2025) Erst vor kurzem gab es in Italien einen Skandal um eine Erotik-Plattform. Dort wurden manipulierte Fotos von führenden italienischen Politikerinnen in Sex-Posen veröffentlicht, darunter Regierungschefin Giorgia Meloni, deren Schwester Arianna und Oppositionschefin Elly Schlein. Jetzt wächst in Rom der Druck zur Einführung von Regeln bezüglich digitaler Identität. Durch User-Registrierungen soll verhindert werden, dass Internetnutzer anonym im Netz surfen.
"Wer Inhalte im Internet veröffentlicht, muss ebenso dafür gerade stehen wie jemand, der einen Leserbrief in einer Zeitung veröffentlicht. Es gibt keine Freiheit ohne Verantwortung." Mit diesen Worten spricht Senatorin und Ex-Bildungsministerin Maria Stella Gelmini das aus, was sich womöglich viele denken. Sie war es, die dem Parlament einen Gesetzesentwurf vorgelegt hat, mit dem der Anonymität im Internet ein Ende gesetzt werden soll.
Vielseitige Unterstützung des Vorschlags
Andrea Riffeser Monti, Präsident des Zeitungsverlegerverbands FIEG, unterstützt Gelminis Vorschlag: "Anonymität im Netz stellt keinen echten Schutz der Privatsphäre dar. Vielmehr ist sie ein Mittel, um sich der rechtlichen Verantwortung zu entziehen und Verhaltensweisen zu begünstigen, die im realen Leben verurteilt und strafrechtlich verfolgt würden - weil sie eindeutig einer Person zugeordnet werden könnten."
Die Staatsanwaltschaft Rom erwartet in Kürze einen ersten Bericht der Polizei. Darin soll es um gestohlene Fotos gehen, die Frauen zeigen und ohne deren Einverständnis auf sexistischen Internetseiten veröffentlicht wurden. Auch landesweit gab es schon eine Vielzahl an Anzeigen von Frauen, deren Fotos ohne ihre Genehmigung veröffentlicht wurden. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass auch andere Staatsanwaltschaften des ganzen Landes in die Ermittlungen einbezogen werden.
Außerdem arbeitet die Polizei gerade daran, die Betreiber der Plattformen zu identifizieren und die Verfasser sexistischer und beleidigender Kommentare ausfindig zu machen.
(bg/apa)