Erde wird immer dunkler
Reflektiert weniger Sonnenlicht
(30.09.2025) Es wird finsterer auf der Erde. Auch wortwörtlich, denn sie reflektiert weniger Sonnenlicht und ist von 2001 bis 2024 dunkler geworden. Das berichtet nun ein Forschungsteam im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Außerdem ist diese Entwicklung auf der Nordhalbkugel stärker ausgeprägt als auf der südlichen Hälfte des Planeten. Diese Ungleichheit wurde von einem Team im US-Bundesstaat Virginia entdeckt.
Mehr Strahlung im Süden als im Norden
Es ist schon länger bekannt, dass die Südhalbkugel im Durchschnitt generell mehr Strahlungsenergie an der Obergrenze der Atmosphäre hinzugewinnt und die Nordhalbkugel einen Verlust verzeichnet, schreibt die Gruppe nach Analysen von Satellitendaten. Früher zeigten Untersuchungen jedoch, dass dieses Ungleichgewicht wieder ausgeglichen wurde. Durch atmosphärische und ozeanische Zirkulation, also durch Winde und Meeresströme, wurde Energie über den Äquator von der Süd- zur Nordhalbkugel transportiert. Der Wärmeunterschied hat sich also von selbst wieder reguliert.
Neue Veränderung
Die aktuelle Studie zeigt nun, dass das in den letzten beiden Jahrzehnten nicht mehr passiert ist. Der Unterschied konnte also nicht ausgeglichen werden und das Ungleichgewicht blieb bestehen. Bei einer durchschnittlichen Energieaufnahme durch die Sonneneinstrahlung von 240 bis 243 Watt pro Quadratmeter ist ein Auseinanderdriften um 0,34 Watt pro Quadratmeter und Jahrzehnt zwar nicht sehr viel. Dennoch sei der Wert statistisch bedeutsam, schreibt das Team.
Was sind die Gründe dafür?
Verantwortlich für die unterschiedliche Entwicklung auf der Nord- sowie der Südhalbkugel sind laut der Studie unter anderem Entwicklungen von Wasserdampf und Wolken in der Atmosphäre. Auch Veränderungen im Rückstrahlvermögen von Oberflächen (der Albedo) spielen eine Rolle. Eis und Schnee reflektieren beispielsweise mehr Sonnenstrahlen als Gestein oder Wasser. Das bedeutet, dass die Abnahme der Meereiskonzentration und der Schneebedeckung zur Verdunkelung beitragen.
Weniger Teilchenbelastung auf Nordhalbkugel
Neben diesen Faktoren leistet auch die Wechselwirkung zwischen Strahlung und Aerosolen (also winzigen Schwebeteilchen) einen beträchtlichen Teil zur Differenz bei. Denn diese Teilchen tragen zur Wolkenbildung bei, was wiederum die Reflexion der Sonnenstrahlung fördert. Ausschlaggebend dafür ist laut Forschern, dass auf der Nordhalbkugel die Feinstaubbelastung aufgrund von Umweltschutzmaßnahmen – wie etwas in Europa, den USA und China – deutlich gesunken ist.
Dafür mehr auf Südhalbkugel
Im Gegensatz dazu haben auf der Südhalbkugel unter anderem die Buschbrände in Australien und der Ausbruch des Vulkans Huga Tonga im südlichen Pazifik in den Jahren 2021 und 2022 zu einer größeren Menge von Teilchen in der Luft geführt.
Das Verständnis dieser Zusammenhänge ist ein guter Schritt in die Zukunft. Laut den Forschern ist es nämlich wichtig dafür, Klimamodelle zu verbessern.
(bg/apa)