Experten: 2G nicht genug

Wien verschärft ab Freitag

(17.11.2021) Zehn Tage nach Inkrafttreten der 2G-Regelung, die den Zutritt zur Gastronomie, zu Konzerten, Sportveranstaltungen oder zum Friseur nur noch Geimpften oder Genesenen gestattet, ist vor allem in den am stärksten betroffenen Bundesländern keine ausreichende Bremswirkung auf das epidemiologische Geschehen in der vierten Corona-Welle belegt. Diesen Schluss lässt das heute erstellte Update des Covid-Prognosekonsortiums zu.

Maßnahmen unzureichend

"In den letzten Tagen wurde eine Reduktion der Wachstumsrate der täglichen Neuinfektionen auf hohem Niveau beobachtet, die möglicherweise auf durchgeführte Boosterimpfungen und die strengeren Zugangsregimes im Dienstleistungsbereich zurückgeführt werden können. Das Bremspotenzial dieser Maßnahmen ist aber aktuell unzureichend, um kurzfristig eine nachhaltige Senkung der Inzidenzen herbeizuführen", heißt es der Prognose-Vorschau. Dass die intensivmedizinischen Kapazitäten (ICU) für Covid-19-Patientinnen und -Patienten in naher Zukunft nicht mehr reichen, muss demnach in sämtlichen Bundesländern befürchtet werden.

Prognose: systemkritische in zwei Wochen überschritten

Konkret beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent im ICU-Bereich in zwei Wochen überschritten wird, in Oberösterreich 97,5 Prozent - und ist damit gegenüber der Vorwoche um weitere 2,5 Prozentpunkte gestiegen. In Salzburg und Vorarlberg beträgt sie 84 Prozent - ein Plus von jeweils 19 Prozent gegenüber der letztwöchigen Einschätzung. Alarmierend sieht es dem Covid-Prognosekonsortium zufolge mittlerweile auch in Tirol aus, wo am 1. Dezember mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit die 33-prozentige Auslastungsgrenze nicht mehr reicht. Bezogen auf ganz Österreich beträgt die Wahrscheinlichkeit 65 Prozent und ist damit gleich hoch wie am vergangenen Mittwoch - nicht unbedingt ein Indiz, das für die Wirksamkeit der 2G-Regel spricht.

Wien und Burgenland stehen am besten da

Mit Abstand am besten stehen in dieser Hinsicht Wien und das Burgenland da, wo jeweils mit einer 15-prozentigen Wahrscheinlichkeit die ICU-Kapazitäten für schwer an Covid-19 Erkrankte nicht mehr genügen. In Kärnten sind es 30 Prozent, in der Steiermark 35 Prozent und in Niederösterreich 65 Prozent.

Prognose: Anstieg in der Spitalsbetteninanspruchnahme

Bezüglich der Belagprognose in den Spitälern halten die Experten fest: "Aufgrund des Zeitverzugs, mit dem inzidente Fälle medizinische Behandlung in Spitälern benötigen, ist selbst dann mit weiteren schweren Verläufen in den Spitälern zu rechnen, wenn die Dynamik des Fallgeschehens zurückgehen sollte." Ein prognostizierter Fallanstieg bedeute daher in weiterer Folge "prognostizierte Anstiege in der Betteninanspruchnahme".

Verschärfungen ab Freitag in Wien

Die neue Wiener Verordnung - mit einmal mehr verschärften Coronaregeln - wird am Freitag in Kraft treten. Das teilte das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) der APA am Mittwoch mit. Kern der neuen Maßnahmen sind unter anderem die sogenannte 2Gplus-Regel, die in bestimmten Bereichen kommt, und eine restriktivere Maskenpflicht.

Details

In der Bundeshauptstadt dürfen künftig etwa Lokale der Nachtgastronomie und Events ab 25 Personen nur mehr besucht werden, wenn geimpfte oder genesene Personen auch ein PCR-Testergebnis vorweisen. 2Gplus gilt künftig also etwa bei größeren Veranstaltungen im Sport- und Kulturbereich. Auch die FFP2-Maskenpflicht wird ausgeweitet, nämlich auf alle nicht privaten Innenräume. In der Gastronomie müssen Gäste wieder zur Maske greifen, wenn sie zum Platz oder auf die Toilette gehen. Für das Personal gilt dies generell - und zwar auch für jenes im Handel und bei körpernahen Dienstleistern.

Noch liegt die Verordnung nicht vor, auch der Zeitpunkt der Kundmachung ist noch offen. Diese könnte dem Vernehmen nach aber noch heute, Mittwoch, Abend erfolgen.

(fd/apa)

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