Feiertag in Paraguay
Sieg gegen Deutschland
(01.07.2026) Nach ihrem historischen Sieg gegen Deutschland erklärt Paraguay den 30. Juni zum Feiertag. "Heute feiert ein ganzes Land. Es feiert den Sieg einer Nationalmannschaft, die das Wesentliche unserer Identität verkörpert: den Kampfgeist, den Glauben und die Stärke eines Volkes, das niemals aufgibt", sagt Präsident Santiago Peña. Zehntausende feierten in der Hauptstadt Asuncion das 4:3 im Elfmeterschießen gegen den vierfachen Weltmeister.
"Heldentat"
Die Tageszeitung „La Nación“ sprach von einer „Heldentat“, während „ABC“ den Erfolg als „weltweite Überraschung“ bezeichnete. Trainer Gustavo Alfaro fand ebenfalls deutliche Worte: „Für mich sind 26 Kämpfer angetreten und als Legenden hervorgegangen. Es war ein episches Spiel – einfach episch“, sagte der Argentinier, der wegen seiner detaillierten Spielanalysen auch den Spitznamen „Professor“ trägt. Sowohl Alfaro als auch Kapitän Gustavo Gómez hoben die entscheidenden Eigenschaften der Mannschaft hervor: Kampfgeist, unermüdlicher Wille und bedingungslose Einsatzbereitschaft.
Qualifikation alleine schon historisch
„Diese Mischung aus Leidenschaft und idealistischen Träumen hat uns ermöglicht, das scheinbar Unmögliche Realität werden zu lassen“, sagte Alfaro.
Für Paraguay ist es die erste WM-Teilnahme seit 2010. Die Zeit der großen Namen rund um Ex-Bayern-Profi Roque Santa Cruz liegt bereits länger zurück und einen internationalen Superstar haben sie derzeit nicht in ihren Reihen. Entsprechend galt bereits die Qualifikation als großer Erfolg: In der Südamerika-Qualifikation sicherte sich das Team als Sechster das letzte direkte Ticket für die Reise nach Nordamerika.
„Es ist der schönste Tag meines Lebens“, sagte Torschütze Julio Enciso nach dem 1:1 nach Verlängerung und sprach von einer „übermenschlichen“ Leistung. Der 22-Jährige von RC Straßburg blickte dabei immer wieder emotional nach oben und dachte an seinen verstorbenen Großvater. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie er mir gezeigt hat, dass ich eines Tages hier stehen würde. Jetzt schicke ich ihm einen Kuss in den Himmel“, so der Stürmer, der sichtlich bewegt war.
Bereit für weitere Prüfungen
Im Achtelfinale trifft Paraguay am Samstag voraussichtlich auf Topfavorit Frankreich – vorausgesetzt, Schweden sorgt nicht noch für eine weitere Überraschung. Doch der mögliche Gegner scheint für die Südamerikaner mittlerweile beinahe nebensächlich. Der historische Erfolg gegen Deutschland hat in der Mannschaft das Gefühl verstärkt, bei dieser Weltmeisterschaft jeden schlagen zu können.
„Wir haben vor niemandem Angst. Wir wissen, was wir können und werden jedem, der auf uns trifft, Probleme bereiten“, kündigte Julio Enciso an.
Auch Torhüter Orlando Gill, der als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde, sorgte mit einer persönlichen Botschaft für Aufmerksamkeit. Er berichtete von einem Familienversprechen, das ihn begleitet habe und das er symbolisch in seinem linken Handschuh bei sich trug. „Diese Auszeichnung ist für meinen Neffen, der schwer krank im Krankenhaus liegt. Wir hoffen sehr, dass es ihm bald besser geht. Ich habe ihm versprochen, dass ich den Preis ihm widme, falls ich zum Spieler des Spiels gewählt werde“, sagte Gill, ohne nähere Angaben zur Erkrankung zu machen.
Auch Deutschland sorgte während dieser WM unfreiwillig bereits zum zweiten Mal für einen ungeplanten Feiertag in Südamerika: Nach dem 2:1-Sieg Ecuadors gegen die DFB-Elf und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug wurde dort ebenfalls ein nationaler Feiertag ausgerufen.
(APA/SR)