Ganz Tirol isoliert

279 Gemeinden betroffen

(19.03.2020) Tirol greift aufgrund der stetig steigenden Anzahl an Corona-Infizierten zu noch drastischeren Maßnahmen und isoliert sich selbst. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stellte Mittwochabend in einer Erklärung alle 279 Gemeinden unter Quarantäne. Fahrten sind damit höchstens noch in die nächste Ortschaft erlaubt, ausgenommen bleibt die Fahrt in die Arbeit. Die Maßnahme gilt bis zum 5. April.

Kontrolliert werden soll das Ganze stichprobenartig von der Polizei. Die eigene Gemeinde darf laut der neuen Verordnung nur mehr dann verlassen werden, wenn es um die Deckung der Grundversorgung geht, um die Daseinsvorsorge oder um zur Arbeit zu kommen. Sofern es einen Arzt, eine Apotheke, einen Lebensmittelhandel und eine Bank im Ort gibt, darf die Gemeinde für diese Zwecke nicht mehr verlassen werden. Damit wird das Einkaufen von Lebensmitteln in einem anderen Ort verboten, wenn es im eigenen Dorf einen Lebensmittelhändler gibt. Für Arbeitszwecke darf jedoch auch über mehrere Gemeindegrenzen hinweg gependelt werden.

Tirol grenzt sich aber nicht nur innerhalb des Landes ab, sondern auch nach außen. Das heißt, dass nur noch jene nach Tirol einreisen können, die dort zu Hause sind oder in der kritischen Infrastruktur oder Versorgung arbeiten. Der Warenverkehr bleibt laut der Erklärung "unter bestimmten Voraussetzungen gestattet" - praktisch ändert sich für den Warenverkehr jedoch nichts, wie der APA auf Nachfrage mitgeteilt wurde.

Der öffentliche Verkehr soll trotzdem weiterhin bestehen bleiben. In den öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Fahrgäste jedoch einen Mindestabstand von einem Meter einhalten. Sollte dies nicht mehr möglich sein, dürfe nicht mehr zugestiegen werden. Das Spazierengehen bleibt auch weiterhin erlaubt, jedoch nicht mehr über die eigene Gemeindegrenze hinaus.

Tirol war in den vergangen Tagen durch teils heftige Kritik aus dem In- und Ausland stark unter Druck geraten. Mehrere hundert Personen in Skandinavien sollen sich bei Apres-Ski-Partys in Tirol, vor allem in Ischgl und St. Anton, infiziert haben. Die Sperre der Skigebiete sei auf wirtschaftlichen Druck hin viel zu spät erfolgt, wurde dem Land vorgeworfen. Die Vorgangsweise war bis zuletzt verteidigt worden, bis Platter am Dienstag schließlich meinte, dass die Abläufe nach der Krise "auf den Prüfstand" gestellt werden müssten.

Auch in der nunmehrigen Erklärung an die Bevölkerung nahm der Landeshauptmann erneut Stellung dazu: "Wenn nun Kritik aufkommt, kann ich Ihnen versichern, dass wir in der jeweiligen Situation das Menschenmögliche getan haben, um die Gesundheit der Tirolerinnen und Tiroler und auch unserer Gäste zu schützen. Das Buch jetzt von hinten zu lesen, ist leicht. Mit dem Virus haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das weltweit einzigartig ist. Es ist auch keine Schande zu sagen, dass man mit den Erkenntnissen von heute durchaus noch früher Entscheidungen getroffen hätte".

(APA)

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