Gletschersterben in Österreich

Kampf um Gletscher "schon verloren"

(13.05.2022) Der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation (WMO), Petteri Taalas, hat keine Hoffnung mehr für die österreichischen Gletscher. "Dieses Spiel ist schon verloren", sagte Taalas im APA-Interview. Selbst bei einem beherzten Kampf gegen den Klimawandel werde das Schmelzen von Polareis und Gletschern "noch für Jahrhunderte weitergehen", und damit auch der Meeresspiegel steigen. Städten wie London droht die Verlegung, den Niederlanden sogar die Evakuierung.

"Es könnten ein paar gute Leute aus den Niederlanden hierher nach Österreich kommen", veranschaulichte Taalas die möglichen Folgen. Das schon jetzt teilweise unter dem Meeresspiegel liegende dicht besiedelte EU-Land werde ähnlich "verzweifelt" gegen den steigenden Meeresspiegel kämpfen wie etwa Bangladesch oder Inselstaaten im Pazifik. Doch auch eine Reihe von Megastädten sei gefährdet, insbesondere in Asien, aber etwa auch die kalifornische Metropole Los Angeles, London oder Kopenhagen. Sie alle würden nämlich unter dem Meeresspiegel liegen, der um zehn bis 30 Meter steigen dürfte. "Es wird größere Anpassungen brauchen, um diese Städte auf weiter im Land liegenden Orten wiederzuerrichten."

Die Gletscher werden in Österreich bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden. In der Schweiz werde dann gerade noch fünf Prozent der aktuellen Gletschermasse vorhanden sein, sagte Taalas. Die Auswirkungen auf den Sommerskilauf sind dabei noch die geringsten. Ohne Gletscher würden die Flüsse nämlich weniger Wasser führen, was sich auf die Trinkwasserversorgung und die Stromproduktion auswirke. So speisen sich die großen Flüsse Indiens und Chinas aus dem Himalaya-Eis. Ähnliches gilt für die Andengletscher in Peru oder die Rocky Mountains in den USA. "Die Wasserfrage ist die größte Frage, also ob wir genug Wasser für die Landwirtschaft und die Menschen haben werden", betonte Taalas.

Stoppen lasse sich diese Entwicklung nur, wenn Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entfernt werde. "Dafür haben wir keine guten technologischen Mittel", sagte Taalas. Nicht gangbar sei, Kohlendioxid in den Meeren zu versenken, weil dies zu einer Übersäuerung führen würde. Theoretisch machbar wäre eine Abkühlung des Planeten durch Beschattung, indem man Asche in der Stratosphäre ausbringe. "Das wäre möglich. Wir bräuchten dafür rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr", sagte Taalas. Allerdings wäre eine solche Lösung "sehr riskant". Es würde nicht nur auf der ganzen Welt "ein bisschen dunkler" werden, sondern man würde auch überall sauren Regen haben.

(apa/makl)

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