Mariupol schwer umkämpft

Cherson eingenommen

(03.03.2022) Die Hafenstadt Cherson dürfte von der russischen Armee als erste ukrainische Großstadt seit ihrem Einmarsch vor einer Woche erobert worden sein. Zumindest bestätigte die Regionalverwaltung in der Nacht zum Donnerstag eine entsprechende russische Meldung. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes ist die militärische Lage in der Stadt noch unklar. Unterdessen meldete Russland die Einkesselung der Stadt Mariupol. Die Angriffe auf Kiew wurden fortgesetzt.

Unterdessen sollen prorussische Separatisten nach russischen Angaben weiter vorgestoßen sein. Die strategisch wichtige südukrainische Hafenstadt Mariupol sei nun eingeschlossen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, russischen Agenturen zufolge heute Donnerstag. Der Gouverneur der Region Donezk teilte unterdessen mit, dass es in der Hafenstadt Mariupol keinen Strom und keine Wasserversorgung mehr gibt. Mariupol war eines der ersten Ziele des russischen Angriffs auf die Ukraine. Mariupol am Asowschen Meer hat fast 450.000 Einwohner.

Zivilisten beschossen

Im Osten hätten Separatisten mit Unterstützung der russischen Armee die Stadt Balaklija südostlich der Millionenstadt Charkiw sowie mehrere Siedlungen erobert, sagte Konaschenkow. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen. In der Region Charkiw sind nach ukrainischen Rettungsdienst-Angaben zwischen Mittwoch und Donnerstag innerhalb von 24 Stunden 34 Zivilisten getötet worden.

Beschuss von Wohngebieten?

Russland bestreitet, Zivilisten ins Visier zu nehmen, obwohl es zahlreiche Berichte über zivile Opfer und den Beschuss von Wohngebieten gibt. Die russische Bombardierung von Charkiw, einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern, hat das Stadtzentrum laut Augenzeugen bereits in eine Trümmerwüste verwandelt. Die Ukraine fordert Korridore, durch die die Menschen mit Hilfsgütern versorgt werden können. Kinder müssten in Sicherheit gebracht werden, Lebensmittel, Medikamente und Rettungswagen seien dringend nötig, sagte ein Berater des ukrainischen Präsidenten.

Kampf um Kiew

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew kam es in der Nacht auf Donnerstag zu mehreren schweren Explosionen. Auf Videos, die in sozialen Netzwerken geteilt wurden, waren mächtige Detonationen zu sehen. Zunächst war unklar, ob es sich etwa um einen Luftangriff handelt und was die Ziele gewesen sein könnten. Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb im Nachrichtenkanal Telegram: "Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen." Bereits zuvor war beim Einschlag eines Geschoßes südlich des Hauptbahnhofs von Kiew mindestens ein Mensch verletzt worden. Ukrainische Medien berichteten zudem über Kämpfe in Vororten der Millionenstadt. Dabei soll ein russisches Flugzeug abgeschossen worden sein.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte den Gegnern seines Landes einen harten Kampf an. "Sie werden hier keinen Frieden haben, sie werden hier kein Essen haben, sie werden hier keine ruhige Minute haben", so der 44-Jährige in der Nacht auf Donnerstag in einer Videobotschaft. Besetzer würden von den Ukrainern nur eine Sache bekommen: "Eine solch heftige Gegenwehr, dass sie sich für immer daran erinnern, dass wir das Unsere nicht hergeben." Innerhalb einer Woche seit dem Einmarsch Russlands habe die Ukraine Pläne durchkreuzt, die der "Feind" seit Jahren vorbereitet habe.

(fd/apa)

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