Massaker in Butscha

Satellitenbilder zu Gräueltaten

(05.04.2022) Die Bilder erinnern an den Zweiten Weltkrieg, dass so etwas im Jahr 2022 noch immer möglich ist? Die Gesamtzahl der Toten ist unklar. Bereits seit dem Wochenende sorgen Bilder aus dem Kiewer Vorort Butscha mit Leichen auf den Straßen für weltweites Entsetzen. Ganze Familien sind scheinbar massakriert worden. Die Ukraine zählte im Gebiet rund um die Hauptstadt Kiew über 400 tote Zivilisten und macht dafür die vor kurzem abgezogenen russischen Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von einer "Fälschung". Mehrere internationale Medien widerlegten indes in Faktenchecks die Fälschungsvorwürfe Moskaus. Am Montag veröffentlichte US-Satellitenbilder zeigen, dass einige der in Butscha gefundenen Leichen bereits vor dem Abzug der russischen Truppen dort gelegen haben.

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Die "hochauflösenden" Bilder "bestätigen die jüngsten Videos und Fotos in den sozialen Medien, auf denen Leichen zu sehen sind, die seit Wochen auf der Straße liegen", erklärte ein Sprecher der US-Satellitenbildfirma Maxar Technologies. AFP-Fotografen hatten bei einem Besuch am vergangenen Samstag rund 20 Leichen in Zivilkleidung gesehen - einige davon mit gefesselten Händen. Die "New York Times" berichtete in der Nacht auf Dienstag, dass auf einem der Bilder, das mit dem Datum vom 19. März datiert ist, sieben Körper zu sehen gewesen sein. Die Analyse weiterer Aufnahmen habe gezeigt, dass die Körper später nicht bewegt worden seien. Die Todesursache der Menschen sei daraus nicht klar ersichtlich, hieß es weiter. Auf Videos war zu sehen, dass drei der Menschen neben Fahrrädern lagen. Bei einigen waren die Hände zusammengebunden.

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Der britische Sender BBC verifizierte die Satellitenaufnahmen und widerlegte Behauptungen auf pro-russischen Social-Media-Accounts, wonach auf Videoaufnahmen der ukrainischen Armee nach der Rückeroberung Butschas nicht alle auf der Straße liegenden Körper tot seien. So habe sich ein Arm eines vermeintlich Toten bewegt, hieß es auf russischen Propaganda-Accounts. Die BBC verwies jedoch darauf, dass das Video auf den pro-russischen Accounts verlangsamt abgespielt worden sei und es sich bei dem vermeintlichen Arm lediglich um einen Regentropfen oder Dreck in der Windschutzscheibe im Fahrzeug gehandelt habe.

Russische Behauptungen widerlegt

Auch die US-Zeitung "Newsweek" bestätigte dies unter Berufung auf unabhängige Analysten. Zudem sei die russische Verlautbarung zur Situation in Butscha im Gegensatz zu den ukrainischen Schilderungen "nicht überzeugend und verlässt sich auf sich ständig weiterentwickelnde, unbewiesene und manchmal widersprüchliche Erzählungen", so die Zeitung. So sei auch die Behauptung Moskaus, wonach die Aufnahmen der Gräueltaten gefälscht seien, höchst unglaubwürdig, da dazu Hunderte Soldaten, Zivilisten und Journalisten beteiligt hätten sein müssen.

Telegram wieder vorn dabei mit Fakenews

Ebenso wurde der Verweis des russischen Verteidigungsministeriums beim Chatdienst Telegram, wonach die russischen Truppen Butscha schon am 30. März verlassen hätten und auf Fotos vom 3. März die Leichen beim Abtransport nicht starr gewesen seien, zurückgewiesen. Ein Experte, der an der Aufklärung von Kriegsverbrechen unter anderem im Kosovo und in Ruanda gearbeitet hatte, sagte der BBC, dass die Leichenstarre nach vier Tagen meist bereits nachlasse.

"Human Rights Watch"

Auch seien Behauptungen des russischen Verteidigungsministeriums falsch, wonach während der russischen Besatzung, "nicht ein einziger Bewohner unter einer gewalttätigen Aktion" gelitten hätte. So erzählte ein Lehrer aus Butscha der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch", dass er gesehen habe, wie russische Truppen am 4. März fünf Männer exekutiert hätten.

Berichte von Massenexekutionen

Weitere Bewohner der Stadt berichteten laut der investigativen Website "The Inside" und der Rechercheplattform "Bellingcat" von Massenexekutionen durch die russische Armee. Während der russischen Besatzung sei es verboten gewesen, das Haus zu verlassen, ansonsten sei man erschossen wurden, berichtet etwa Kristina, eine Frau aus Butscha der BBC. Zudem berichteten zahlreiche Einwohner dem britischen Sender von Plünderungen durch russische Soldaten.

(fd/apa)

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