Österreicher sind Impfmuffel

Neue Impf-Strategie gefordert

(21.12.2022) Die meisten Impfprogramme fokussieren sich auf Kinder, kritisiert der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Dabei habe gerade die Corona-Pandemie "drastisch vor Augen geführt, wie wichtig Impfungen nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene sind". Der ÖVIH setzt sich deshalb gemeinsam mit dem europäischen Dachverband Vaccines Europe für eine Ausweitung der derzeit bestehenden nationalen Impfstrategien ein.

Das Thema Erwachsenenimpfungen werde in den nächsten Jahren sogar noch mehr in den Fokus rücken, denn die pharmazeutischen Unternehmen forschen und entwickeln viele neue Impfstoffe, von denen die meisten für Erwachsene bestimmt seien, betonte der ÖVIH. Viele davon sollen zukünftig auch gegen Krankheiten schützen, gegen die es bisher keine Impfstoffe gab. In vielen Fällen ist die Forschung und Entwicklung bereits sehr weit fortgeschritten. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo weitergehe, werden diese Impfstoffe in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen, so der Verband.

ÖsterreicherInnen sind Impfmuffel

Gerade vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung und den zunehmenden Antibiotika-Resistenzen sollte daher über Erweiterungen der Impfkonzepte nachgedacht werden. Der österreichische und europäische Verband stellte dazu ein eigenes Strategiepapier vor. Hintergrund ist auch, dass die Österreicher im Vergleich zu anderen europäischen Ländern regelrechte Impfmuffel sind. Vergleicht man die Ergebnisse der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten, so landet Österreich bei der Befragung in der österreichischen Allgemeinbevölkerung auf dem 19. Rang (von 27) und die Beschäftigten im Gesundheitsbereich sogar auf dem vorletzten Platz (26 von 27). "Das ist ein Ergebnis, das uns auf jeden Fall zum Denken geben muss", so ÖVIH-Präsidentin Renée Gallo-Daniel. "Ganz besonders jenes beim Gesundheitspersonal."

Covid-19-Pandemie

Bei der Covid-19-Pandemie habe man gesehen, dass Infektionskrankheiten desaströse Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität und Mortalität von Erwachsenen haben, sowie die Funktionsfähigkeit von Gesundheitssystemen und der Wirtschaft negativ beeinflussen können. "In Österreich haben wir ein hervorragendes Kinderimpfprogramm, aber es fehlt ein Konzept für die Erwachsenenimpfungen, die im Nationalen Impfplan empfohlen sind. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf", sagte Gallo-Daniel.

Menschen werden älter und gefährdeter

Einer der Gründe ist die alternde Bevölkerung. Bis zum Jahr 2025 wird die Gruppe der Über-50-Jährigen einen Anteil von 50 Prozent an der Bevölkerung der Europäischen Union erreichen. Das ist genau jene Gruppe, in der sich die Leistung des Immunsystems zu verschlechtern beginnt und damit anfälliger für Infektionskrankheiten macht. Mit zunehmendem Alter erhöht sich auch die Prävalenz von chronischen Krankheiten, was zu einem höheren Risiko für Komplikationen und durch Impfung vermeidbaren Erkrankungen mit weitergehenden Folgen für Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen führt, betonte der ÖVIH.

700.000 Tote jährlich

Zudem sterben pro Jahr weltweit etwa 700.000 Menschen aufgrund einer Antibiotikaresistenz gegen Bakterien und andere Pathogene. Ohne entsprechende Maßnahmen könnte diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf bis zu zehn Millionen Menschen pro Jahr steigen. Impfstoffe können hier das Auftreten von Infektionen verhindern. "Außerdem können sie dafür sorgen, dass Bakterien, die bereits gegen aktuelle Therapien resistent sind, nicht weiter übertragen werden", erklärte Christoph Jandl, Generalsekretär des ÖVIH.

(fd/apa)

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