Olympia: ICE-Beamte in Mailand
In US-Konsulat stationiert
(28.01.2026) Sicherheitskräfte der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE werden bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina aus einer speziell eingerichteten Zentrale im US-Konsulat in Mailand ihre Einsätze in Italien koordinieren. Zudem werden rund 6.000 "Kräfte des nationalen Sicherheitssystems Italiens" eingesetzt, teilte das italienische Innenministerium am Dienstagabend mit.
Die ICE-Beamten werden sich ausschließlich mit dem Schutz der US-Athleten und -Delegationen in Italien befassen und den italienischen Sicherheitskräften Unterstützung leisten. ICE werde auch auf italienische Datenbanken zugreifen, um potenzielle Risiken zu überprüfen, verlautete aus dem Innenministerium in Rom.
Italienischer Innenminister wird berichten
Die Präsenz der ICE-Behörde auf italienischem Boden hat politische Kontroversen ausgelöst. Die oppositionellen Parteien riefen die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf, dem Parlament über die Anwesenheit von ICE-Beamten in Italien zu berichten. Innenminister Matteo Piantedosi wird sich am 4. Februar dazu vor der Abgeordnetenkammer äußern.
Vizepremier und Außenminister Antonio Tajani versuchte, die Debatte zu entschärfen, indem er betonte, dass ICE keine paramilitärische Einheit sei und keine bewaffneten Polizisten mit Masken nach Italien kämen, sondern dass es sich um spezialisierte Anti-Terror-Beamte handle. Tajani bezeichnete die Diskussion um die ICE-Beamten als "Sturm im Wasserglas".
ICE selbst bestätigte die Beteiligung an den Sicherheitsvorkehrungen in Italien. In einer Erklärung hieß es, dass die Behörde Homeland Security Investigations (HSI), der investigative Zweig von ICE, während der Spiele mit der Diplomatischen Sicherheitsabteilung des US-Außenministeriums sowie mit den italienischen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten werde, um Bedrohungen durch transnationale kriminelle Organisationen zu minimieren. Innenminister Piantedosi besprach bei einem Treffen mit dem US-Botschafter in Italien, Tilman J. Fertitta, Details der Zusammenarbeit. Dabei wurde noch einmal betont, dass ICE keine Aufgabe im Bereich der öffentlichen Ordnung übernehmen werde.
Drohnen werden zum Einsatz kommen
Die italienischen Behörden haben außerdem angekündigt, dass neben den 6.000 Sicherheitskräften auch Drohnen und Luftüberwachung zum Einsatz kommen werden. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die öffentliche Ordnung gelegt, weil mit Protesten gegen die Präsenz der US-Behörden während der Olympischen Winterspiele gerechnet wird.
Eine Online-Petition, die mehr als 15.000 Unterschriften gesammelt hat, fordert die Regierung Meloni auf, den ICE-Beamten die Einreise nach Italien zu verwehren. Die Initiatoren der Petition argumentieren, dass die Präsenz von ICE die universellen Werte der Olympischen Spiele gefährden könnte.
Die Kritik aus der italienischen Politik an diesem Einsatz fiel scharf aus. Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala bezeichnete ICE im Sender RTL 102.5 als eine "Miliz, die tötet". Es sei klar, dass diese Einheiten in Mailand nicht willkommen seien. Maurizio Lupi, ein Koalitionspartner Melonis, nannte das Vorhaben im Gespräch mit der Zeitung "La Repubblica" "reine Idiotie".
Die HSI war bereits bei großen Sportereignissen im In- und Ausland im Einsatz, darunter auch bei früheren Olympischen Spielen. Ihre Aufgabe besteht meist darin, bei der Bekämpfung von Menschen- und Drogenhandel mitzuwirken. Die Mutterbehörde ICE und der Grenzschutz werden in den USA jedoch wegen der harten Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump heftig kritisiert. Die Spannungen hatten sich zuletzt verschärft, nachdem in diesem Monat im US-Staat Minnesota zwei US-Bürger von ICE-Beamten erschossen worden waren.
(apa/mc)