Privatkonkurse steigen

Inflation ist schuld

(13.07.2022) 2021 war schon übel und 2022 wird wohl noch schlimmer werden. Im abgelaufenen Jahr sind über 7.000 Privatpersonen in Österreich in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert. Zu fast einem Drittel war die Insolvenz selbst verschuldet, wie aus einer Analyse des Kreditschutzverbands KSV1870 hervorgeht. Konkret wurden 7.227 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet (minus 1 Prozent). Heuer wird die hochfliegende Inflation die Zahl der Konkurse spürbar nach oben treiben, so die Erwartung der Gläubigerschützer.

"Insbesondere was den Konsum betrifft, raten wir aufgrund der aktuellen Teuerungswelle zur Vorsicht - dies sind keine Zeiten für unbedachte Handlungen, die schnell zum Zünglein an der Waage werden können", betonte KSV1870-Insolvenz-Leiter Karl-Heinz Götze. Das gelte vor allem für jene, die bereits in den vergangenen Jahren "den finanziellen Spielraum ausgeschöpft haben".

Eigene Mittel sorgsam einsetzen

"Eine solche Kostenexplosion verlangt einen noch sorgsameren Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln", mahnte Götze. "Aufgrund der jüngsten Entwicklungen rechnen wir bei der nächstjährigen Ursachenstatistik durchaus mit Verschiebungen." 2021 galt nach wie vor persönliches Verschulden als die häufigste Ursache für den Privatkonkurs (30,2 Prozent). Insbesondere die "Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit" führe häufig in die finanzielle Sackgasse - sie sei Ursache für jede fünfte Pleite (19,1 Prozent) von Privatpersonen in Österreich, teilten die Kreditschützer am Mittwoch mit.

Zweithäufigste Ursache Selbstständigkeit

Die zweithäufigste Ursache für die Zahlungsunfähigkeit war eine ehemalige Selbstständigkeit (25,4 Prozent). Allerdings gab es im abgelaufenen Jahr um drei Prozentpunkte weniger private Pleiten infolge einer früheren selbstständigen Tätigkeit als 2020. Am höchsten war der Anteil an Personen, die aufgrund einer ehemaligen Selbstständigkeit in den Privatkonkurs abgerutscht sind, im Burgenland (33,9 Prozent). Häufig war das auch in Salzburg (31,5 Prozent) und in Tirol (29,2 Prozent) der Fall und eher seltener in Vorarlberg (16 Prozent).

Die weiteren Ursachen

Eine Reduktion des Einkommens war 2021 in fast einem Fünftel der Fälle (18,6 Prozent) der Auslöser für die Privatinsolvenz. Hier spielte laut KSV vor allem das Thema Arbeitslosigkeit (15,2 Prozent) eine zentrale Rolle. Lebenskrisen wie Scheidung (5,4 Prozent) und Schicksalsschläge (5,1 Prozent), etwa chronische Erkrankungen, führten in einem wesentlich geringeren Ausmaß in die Insolvenz. Zu dieser Kategorie zählt laut KSV auch die Coronakrise.

Pandemie kein Treiber von Privatkonkursen

Die Pandemie sei jedoch auch in ihrem zweiten Jahr 2021 "kein Treiber von Privatkonkursen" gewesen - lediglich 1,5 Prozent der Konkurse waren darauf zurückzuführen. "Die Coronakrise hat bei Herrn und Frau Österreicher bis dato zu keiner massiven Steigerung von Privatkonkursen geführt - aus heutiger Sicht scheint die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die finanziellen Auswirkungen der Pandemie gut abzufedern", resümierte Götze.

Inflation wird Spuren hinterlassen

Doch nun hat sich das Umfeld nochmals deutlich verändert. Im laufenden Jahr wird voraussichtlich der externe Faktor Inflation auf die privaten Haushaltskassen durchschlagen. Die aktuellen Preisentwicklungen würden die Menschen stärker treffen, insbesondere Personen mit niedrigeren Einkommen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler privater Haushalte habe sich zuletzt aufgrund von Preissteigerungen und der Inflation massiv verändert.

(fd/apa)

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