Problemknast Münnichplatz
Volksanwaltschaft zeigt auf
(20.08.2025) Die Volksanwaltschaft hatte es bereits mehrfach kritisiert, nun liegt die Bestätigung aus dem Justizministerium vor: Im neu errichteten Jugendgefängnis Münnichplatz kam es seit der Eröffnung zu massiven Problemen – von Personalmangel über Sicherheitsmängel bis hin zu skurrilen Party-Exzessen.
„Logistischer Bauchfleck“ seit Baubeginn
Volksanwältin Gaby Schwarz bezeichnete das Projekt schon früh als „logistischen Bauchfleck“. Eigentlich sollte das neue Jugendgefängnis nach der Schließung der Anstalt in Gerasdorf für eine moderne Resozialisierung junger Straftäter sorgen. Doch seit Inbetriebnahme im Jänner 2025 reißen die Probleme nicht ab.
Statt sicherer und betreuter Unterbringung herrschen Mängel:
- Radios in den Zellen funktionieren nicht,
- Wandtelefone auf den Gängen sind außer Betrieb,
- Zimmertüren bleiben am Nachmittag verschlossen, da Betreuungspersonal fehlt,
- Besuche sind nur einmal pro Woche erlaubt.
Im März war die Zahl der Insassen bereits von anfänglich 11 auf 21 erhöht worden – ohne dass ausreichend Justizwachebeamte zur Verfügung standen.
Besonders brisant: Rund um die Anstalt kam es schon kurz nach der Eröffnung zu Party-ähnlichen Szenen. Freunde oder Sympathisanten der Häftlinge versammelten sich am Gefängniszaun, feierten, und zwei kletterten sogar darüber. Dort plauderten sie mit Insassen, die angeblich ihre Beine aus den Fenstern baumeln ließen. Es gibt Berichte, wonach sogar Drogen in die Zellen geschleudert worden seien. Schlägereien unter fünf sogenannten „Störern“ innerhalb der Anstalt verschärften die Lage zusätzlich. Schon seit Mai brodelt es dort immer wieder.
Reaktionen und geplante Maßnahmen
Um weitere Vorfälle zu verhindern, sind nun mehrere Schritte geplant:
- verstärkte Polizeikontrollen rund um die Anstalt,
- Fenstersperren in den Hafträumen,
- höherer Zaun und zusätzliche Bepflanzung, um Zutritt von außen zu erschweren,
- Verlegung von „lautstarken“ Insassen in Hafträume zum Innenhof.
Volksanwältin Schwarz betont: „Dass es zu derartigen Vorfällen kommt, war leider absehbar. Diese Nachrüstungen hätten längst vor der Inbetriebnahme umgesetzt werden müssen.“
Offizielle Bestätigung fehlt
Während das Justizministerium die Missstände bestätigt, gibt es zu den Party-Exzessen und Drogenwürfen bislang noch keine offizielle Stellungnahme. Klar ist jedoch: Das Projekt Münnichplatz, das als Vorzeigeanstalt geplant war, entwickelt sich mehr und mehr zum Symbol für die Krise im österreichischen Jugendstrafvollzug.
(fd)