Rückkehr zur Normalität?
So leicht ist das nicht!
(23.06.2025) Zwei Wochen nach dem tragischen Amoklauf in der Grazer Dreierschützengasse beginnt am BORG heute ein neues Kapitel – geprägt von Trauer, Vorsicht und leisen Schritten zurück in den Schulalltag, wie die "Krone" berichtet.
Ein Ort des Schmerzes, ein Zeichen der Stärke
Es ist kein gewöhnlicher Montag für die Schülerinnen und Schüler des BORG Dreierschützengasse. Der Weg zurück ins Schulgebäude ist für viele mit starken Emotionen verbunden. Genau hier, an diesem Ort, geschah vor zwei Wochen das Unvorstellbare. Umso bemerkenswerter ist das stille Zeichen des Zusammenhalts: Bevor das Schulareal betreten wurde, formierten sich die Jugendlichen zu einer Menschenkette – als Symbol für Gemeinschaft, Liebe und Solidarität.
Die steirische Bildungsdirektion und die Schulleitung haben in enger Abstimmung ein Konzept für eine möglichst behutsame Wiederaufnahme des Schulbetriebs erstellt. Wichtigster Grundsatz: Freiwilligkeit. Niemand muss das Schulgebäude betreten, der sich noch nicht dazu bereit fühlt. Für unterschiedliche Bedürfnisse gibt es flexible Angebote:
- Betreuung durch Psychologen direkt vor Ort
- Mobile Klassenzimmer in Containern auf dem Schulgelände
- Rückzugs- und Lernräume in der nahegelegenen List-Halle
- Adaptiertes Schulhaus: Der erste Stock des Gymnasiums wurde eigens umgestaltet
Die Schule schafft damit eine geschützte Atmosphäre, in der das emotionale Wohlbefinden klar vor dem Lernstoff steht.
Auch strukturell ist ein Wandel im Gespräch: Eine mögliche Umbenennung der Schule wird diskutiert – als symbolischer Schritt, um ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zudem ist ein Gedenkraum geplant, der den Opfern gewidmet ist. Der direkt betroffene Gebäudetrakt bleibt vorerst gesperrt, soll aber im Sommer umgestaltet werden.
Zeichen der Anteilnahme
Die Anteilnahme in Graz ist weiterhin groß. Vor dem Erzherzog-Johann-Brunnen am Hauptplatz leuchten hunderte Kerzen. Blumen, Teddybären und handgeschriebene Karten erinnern an das Geschehene – sie zeigen, wie tief der Schmerz sitzt, aber auch, wie sehr die Gemeinschaft zusammensteht.
(fd)