Keine Böller zu Silvester?

Tierschützer fordern verbot

(21.12.2021) Vor Silvester fordert die Tierschutzorganisation Vier Pfoten ein österreichweites permanentes Böllerverbot. "Es ist jedes Jahr ein schrecklicher Stress für ganz viele Haustiere, aber natürlich auch für Vögel und andere Wildtiere", begründete Veronika Weissenböck den Appell. Einige Supermarktketten verkündeten indes, keine Feuerwerkskörper verkaufen zu wollen.

In der Stadt Salzburg werden wie beim vorigen Jahreswechsel auch heuer zu Silvester keine privaten Feuerwerke erlaubt sein. Auch in allen Gemeinden des Bezirkes Pongau und in anderen Gemeinden des Landes wie zum Beispiel Zell am See wird das Feuerwerksverbot für Private nicht aufgehoben. Begründet wird das Verbot mit der Luftverschmutzung, dem entstehenden Müll, dem Lärm, der Unfallhäufung und dem erhöhten Stresslevel bei Wildtieren. Das große, quasi "offizielle" Feuerwerk über der Festung in der Stadt Salzburg soll es aber wie gewohnt geben. Es habe zwar Überlegungen gegeben, wegen der Coronapandemie das Festungsfeuerwerk abzusagen, vorerst bleibe man aber dabei, hieß es heute aus dem Büro von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP).

Was verboten ist

Verboten bleiben in der Stadt Salzburg somit alle Kleinfeuerwerke der Kategorie F2, das sind Raketen, Fontänen, Feuerräder und Feuertöpfe. Erlaubt sind nur Feuerwerkskörper der Kategorie F1 (z. B. Wunderkerzen, Knallbonbons, Knallerbsen, Tischfeuerwerk etc.). Außerdem wird die Stadt auf öffentlichem Grund keine Verkaufsstände für Feuerwerkskörper genehmigen. In Zell am See gibt es heuer zu Silvester zum ersten Mal keine Ausnahme für private Feuerwerke. Ausgenommen sind durch die Bezirkshauptmannschaft genehmigte Feuerwerke der Kategorie F3 oder F4. Bei der Bürgermeisterkonferenz im Pongau ist beschlossen worden, dass heuer erstmals im gesamten Bezirk private Feuerwerke auch zu Silvester verboten sind.

Unterschiede in den Bundesländern

In Vorarlberg liegt die Kompetenz in Sachen Silvesterfeuerwerk bei den Gemeinden bzw. den Bürgermeistern. Feuerwerke sind in Österreich grundsätzlich ganzjährig verboten, über Jahrzehnte hinweg war es in Vorarlberg jedoch üblich, dass die Bürgermeister für den Silvesterabend eine Ausnahme erlassen. Vor dem Hintergrund der Corona-Problematik bzw. des Klimawechsels ist das aber keine Selbstverständlichkeit mehr. In Vorarlbergs zweitgrößter Stadt Feldkirch etwa wird es diese Ausnahmegenehmigung heuer nicht geben, Feuerwerk also untersagt bleiben. Die Gemeindechefs im Bezirk Dornbirn - Dornbirn, Lustenau, Hohenems - haben sich auf eine gemeinsame Vorgangsweise geeinigt: Dort wird Feuerwerk am Silvesterabend nur zwischen 23.00 Uhr und 1.00 Uhr erlaubt sein. Das Land bat in einem Schreiben an alle Kommunen um Zurückhaltung und auch darum, auf die Durchführung von Feuerwerken in Gemeindeverantwortung zu verzichten.

Unterschiede in Villach und Klagenfurt

Unterschiedliche Herangehensweisen haben in Kärnten die beiden größten Städte, Villach und Klagenfurt, gewählt. In Villach ist jedes Feuerwerk heuer verboten, wie auch schon im vergangenen Jahr, teilte Pressesprecher Wolfgang Kofler auf APA-Anfrage mit. Anders in Klagenfurt: "Wir wollen nicht alles verbieten, aber trotzdem eine Limitierung. Deshalb werden Feuerwerke in der Silvesternacht in der Zeit von 23.30 bis 0.30 erlaubt", erklärte Patrick Jonke, der Büroleiter von Bürgermeister Christian Scheider (Team Kärnten) auf APA-Anfrage. Eine entsprechende Verordnung sei gerade in Ausarbeitung. Das Land Kärnten appellierte unterdessen an die eigene Verantwortung "im Hinblick auf die eigene und die Gesundheit der Mitmenschen, sowie auch aus Rücksicht vor unseren Haustieren und natürlich der Umwelt". Es gelte auch in der Silvesternacht, die gültigen Verordnungen zum Schutz vor Corona genauestens einzuhalten "und darüber hinaus sorgsam mit den eingeräumten Freiheiten umzugehen".

Tierwelt und Umwelt leiden

"Raketen und Böller lassen Tiere leiden, belasten durch Feinstaub unsere gute Luft, verunreinigen unsere Böden und verletzen zahlreiche Menschen", sagte Spar-Vorstand Markus Kaser. Die Supermarktkette verkündete, in allen Spar-Filialen, Interspar-Hypermärkten, Maximärkten sowie bei den meisten selbstständigen Spar-Einzelhändlern ab heuer keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen. Und auch die Händler Lidl und Penny ziehen mit und bieten keine Feuerwerkskörper feil. Der Diskonter Hofer kündigte schon im April an, den Verkauf von Pyrotechnik nach Ende der vertraglichen Abnahmeverpflichtungen ab 2022 komplett einzustellen. Aufgrund dessen könne es vorkommen, dass heuer in einigen Filialen noch eine gewisse Menge an Feuerwerk erhältlich sein werde.

Böller, Partys und Corona

Im Ortsgebiet gilt in Österreich grundsätzlich ein Verbot von Raketen und Böllern, Bürgermeister können dieses aber mit einer Ausnahmeregelung aufheben. Im Vorjahr fiel Silvester in einen Lockdown inklusive Ausgangsbeschränkungen. Verletzungen durch Böller sind auch für die wegen Corona bereits überlasteten Krankenhäuser gefährlich. Vor der "wohl unvermeidlichen fünften Corona-Welle" sollten Menschenansammlungen außerdem nicht zusätzlich gefördert werden, sagte Weissenböck. Vier Pfoten appellierte, das Verbot sofort zu erlassen, um unnötige Böller-Käufe zu vermeiden. "Wir brauchen keinen Fleckerlteppich von unterschiedlichen Bestimmungen. Wir fordern stattdessen von der Regierung ein klares Bekenntnis zu Tier- und Umweltschutz", sagte Weissenböck.

(fd/apa)

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