"Steffel" erstmals Gerüstfrei!
Fahndung nach "Rooftopper!
(21.10.2025) Ein gefährlicher Stunt sorgt in Österreich für Aufregung: Zwei maskierte Männer sollen ungesichert auf den frisch sanierten Südturm des Wiener Stephansdoms geklettert sein – genau in jenem Moment, in dem das Wahrzeichen zum ersten Mal seit fast 30 Jahren ohne Gerüst dasteht. Das Video der Aktion, ursprünglich auf dem YouTube-Kanal „freeflow.nation“ veröffentlicht, ist inzwischen nicht mehr online auffindbar. Laut Polizei und Erzdiözese Wien wurde der Vorfall bereits angezeigt und wird derzeit geprüft.
Nur wenige Tage zuvor hatte dieselbe Gruppe ein weiteres Video veröffentlicht, das sie auf dem Dach des NH Hotel Danube City in der Wiener Donaustadt zeigt. Auch dort balancierten die Männer ohne Sicherung über das Hochhaus, posierten in luftiger Höhe und veröffentlichten die Aufnahmen unter ihrem Markennamen „freeflow.nation“. Beide Aktionen werden inzwischen von den Behörden untersucht – wegen Hausfriedensbruchs und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.
Die Aufnahmen vom Stephansdom zeigten, wie die Kletterer über ein Außengerüst und schmale Simse bis zur Turmspitze balancieren. Einer der Männer berichtete in dem Clip, ein Stein habe sich gelöst und sei in die Tiefe gefallen – dennoch setzten sie ihre riskante Aktion fort. Wie sie in den Turm gelangten, ist unklar. Ermittler prüfen nun, ob das Video tatsächlich neu ist oder ob es sich um einen Reupload älterer Aufnahmen handelt.
Polizei ermittelt
Die Landespolizeidirektion Wien bestätigte, dass der Fall zunächst nicht bekannt war, aber mittlerweile dem Stadtpolizeikommando übergeben wurde. Die Staatsanwaltschaft Wien soll klären, ob Tatbestände wie Sachbeschädigung oder Eingriff in den Denkmalschutz vorliegen. Auch die Erzdiözese Wien reagierte empört und sprach von einem „respektlosen Eingriff in ein einzigartiges Kulturerbe“. Die Gruppe „freeflow.nation“ ist international für waghalsige Kletteraktionen bekannt. In Deutschland stiegen sie bereits auf den Kölner Dom und den Lamberti-Turm in Münster – auch dort leitete die Polizei Ermittlungen ein.
Steffel endlich nach 30 Jahren Gerüst frei!
Ironischerweise fällt der waghalsige Stunt genau in eine historische Phase für das Wiener Wahrzeichen: Der Südturm des Stephansdoms ist erst seit wenigen Tagen wieder komplett ohne Gerüst – nach fast drei Jahrzehnten Restaurierungsarbeiten. Dombaumeister Wolfgang Zehetner sprach in der Kronen Zeitung von einem „gewachsenen, aber verletzlichen Kunstwerk“. Durch Witterung, Abgase und sauren Regen sei der Kalksandstein stark beschädigt gewesen. Nun erstrahlt der 137 Meter hohe Turm wieder in seiner ganzen Pracht. Die Skulpturen wurden gereinigt, beschädigte Steine ersetzt, mittelalterliche Farbschichten freigelegt. Trotzdem bleibt der Dom ein sensibles Bauwerk, an dem weiterhin kleinere Restaurierungen laufen. Aktionen wie die der „Roofing“-Gruppe zeigen, wie schnell leichtsinnige Stunts jahrzehntelange Arbeit gefährden – und welche Verantwortung jeder tragen sollte, der sich einem Monument wie dem Stephansdom nähert.
(fd)