"The Voice of B": Star getötet
Todesfalle Scam-Zentrum!
(20.10.2025) Was als Traumkarriere beginnt, endet in einem Albtraum: Das belarussische Model und Ex-„The Voice of Belarus“, -Teilnehmerin, ein an die bekannte Show angelehntes Pendant, Vera Kravtsova (26) wurde in Südostasien Opfer eines internationalen Menschenhändler-Netzwerks. Laut Ermittlern und Menschenrechtsorganisationen wurde sie in Myanmar in einer sogenannten Scam-Fabrik gefangen gehalten – einem Ort, an dem Menschen zur Cyber-Kriminalität gezwungen werden.
Vom Model-Job in Thailand in die Zwangsarbeit
Im September 2025 folgte Kravtsova einem Online-Jobangebot für ein Model-Shooting in Bangkok. Doch am Ziel warteten keine Kameras, sondern Schleuser. Wie hunderte andere junge Menschen wurde sie über die thailändische Grenze nach Myanmar gebracht – in eines der abgeschotteten Betrugszentren bei Myawaddy, bewacht von Milizen und privaten Sicherheitskräften.
In diesen Anlagen arbeiten laut den Vereinten Nationen über 120.000 Menschen unter Zwang. Sie müssen über Dating-Apps und soziale Netzwerke Opfer in aller Welt zu betrügerischen Krypto-Investments überreden – eine Methode, die zynisch „Pig Butchering“ genannt wird: das „Mästen“ des Opfers, bevor es finanziell ausgeblutet wird.
Wer nicht genug Geld einbringt, wird laut Zeugenaussagen geschlagen, gefoltert oder verkauft. Einige Überlebende berichten von Elektroschocks, Essensentzug und 17-Stunden-Tagen.
Veras Spur verliert sich in Myanmar
Ende September brach der Kontakt zu Vera ab. Anfang Oktober erhielt ihre Familie eine verstörende Nachricht: Sie sei tot – die Rückgabe ihres Leichnams koste 500.000 Dollar. Kurz darauf hieß es, sie sei bereits eingeäschert worden, ihre Organe seien verkauft worden. Eine Bestätigung dafür gibt es bisher nicht. Die Behörden in Belarus und Thailand ermitteln.
Freunde beschreiben Vera als lebensfrohe, kreative Frau. „Sie glaubte an das Gute, an Chancen, an Musik und Kunst“, sagt eine Bekannte aus Minsk. „Sie wusste nicht, dass sie in die Hölle geschickt wird.“
Starlink unter Druck: Internet für die Scam-Fabriken?
Recherchen der Nachrichtenagentur AFP zeigen, dass die Cyber-Betrugszentren in Myanmar trotz internationaler Razzien weiter wachsen – und offenbar über das Satellitennetzwerk Starlink von Elon Musk mit Internet versorgt werden. Auf Drohnen- und Satellitenbildern sind dutzende der typischen weißen Schüsseln auf den Dächern der Lager zu erkennen. Zwischen Juli und Oktober 2025 war Starlink laut Daten der asiatischen Internetregistrierungsstelle Apnic der meistgenutzte Provider in Myanmar. Das System ermöglicht schnelle Verbindungen selbst in abgelegenen Regionen, in denen herkömmliche Leitungen fehlen – und wird so offenbar von den Betreibern der Scam-Zentren missbraucht.
Ein US-Kongressausschuss hat deshalb eine Untersuchung eingeleitet. Im Raum steht der Verdacht, dass Starlink indirekt die Infrastruktur für Milliardenbetrug, Menschenhandel und Zwangsarbeit bereitstellt. Staatsanwältin Erin West, Leiterin der US-Operation Shamrock gegen Online-Betrug, nannte den möglichen Missbrauch „abscheulich“. Elon Musks Unternehmen SpaceX hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Milliardenbetrug mit High-Tech und Menschenhandel
Laut dem US-Finanzministerium verloren Amerikaner im Vorjahr rund 10 Milliarden US-Dollar durch solche Online-Betrügereien – 66 Prozent mehr als 2023. Die UN sprechen von einem „perfekten Sturm aus Technologie, Korruption und Menschenhandel“. Myanmar, Kambodscha und Laos gelten inzwischen als Hotspots dieser Cyber-Sklaverei.
- Laut UN-Bericht 2023 arbeiten über 120.000 Menschen in Myanmars Scam-Zentren unter Zwang.
- Nach Razzien Anfang 2025 begannen die Betreiber trotz internationaler Proteste mit Neubauten.
- Die Region KK Park in Myawaddy gilt als eines der gefährlichsten Scam-Gebiete Südostasiens.
- Der US-Kongress untersucht derzeit, ob Starlink wissentlich Internetzugänge für die Betrugszentren bereitstellt.
Was mit Vera Kravtsova geschah, steht symbolisch für tausende andere Schicksale. Ihr Traum von Ruhm und Freiheit wurde von einem globalen System aus Ausbeutung, Gewalt und Gier zerstört.
(fd/apa)