Totes Baby in Graz

Einvernahmen und Obduktion

(01.10.2025) Nach dem Fund eines toten Neugeborenen in Graz-Wetzelsdorf am Dienstag laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Eine 20-jährige Frau steht im Verdacht, ihren Sohn nach der Geburt aus dem Fenster auf das Dach eines Carports geworfen zu haben. Sie wurde festgenommen und befindet sich derzeit im Landeskrankenhaus Graz in Behandlung.

Die Staatsanwaltschaft Graz hat eine Obduktion des Babys angeordnet, die heute durchgeführt werden soll. Dabei soll geklärt werden, ob der Bub tot zur Welt gekommen ist, lebensfähig war oder durch Gewalteinwirkung starb. Parallel dazu ist die Einvernahme der jungen Mutter geplant. Die Frau hatte gegenüber der Polizei angegeben, von ihrer Schwangerschaft nichts bemerkt zu haben und völlig überrascht gewesen zu sein.

Die 20-Jährige, eine kroatische Staatsangehörige, lebte mit ihrer Familie in dem Haus, in dem sie das Baby am Montagabend alleine zur Welt gebracht haben soll. Der mutmaßliche Vater war nicht dort wohnhaft. Nach der Geburt dürfte die Frau den Säugling aus dem Dachfenster geworfen haben, wo er schließlich auf dem Carportdach eines Mehrparteienhauses gefunden wurde. Ein Nachbar entdeckte den leblosen Säugling und alarmierte die Polizei. Die Frau wurde nach der Festnahme ins LKH Graz eingeliefert und medizinisch versorgt. Auch ein Kriseninterventionsteam stand zur Betreuung der Angehörigen im Einsatz.

Schwangerschaften können verdrängt werden

Der Fall wirft viele Fragen auf – insbesondere, wie es möglich ist, eine Schwangerschaft nicht zu bemerken. Die Grazer Psychologin und Kinderwunschberaterin Verena Reis erklärt, dass solche Fälle häufiger vorkommen, als man annehmen würde. Statistisch merke jede 500. Frau erst um die 20. Schwangerschaftswoche, dass sie schwanger ist, jede 2.000. sogar erst bei der Geburt. Gründe dafür seien unter anderem psychische Belastungen oder Traumata. Manche Frauen verdrängten die körperlichen Signale so stark, dass sich selbst die Bauchmuskulatur unbewusst anspanne und kein sichtbarer Bauch entstehe.

Hilfsangebote für Schwangere in Not

Der Fall rückt auch die vorhandenen Unterstützungsangebote für Frauen in schwierigen Situationen in den Fokus:

  • Anonyme Geburt: Ermöglicht es, ein Kind unter medizinischer Betreuung auf die Welt zu bringen, ohne die eigene Identität preiszugeben.
  • Babyklappe: Im LKH Graz und weiteren Spitälern können Neugeborene anonym und straffrei abgegeben werden, wo sie sofort medizinisch versorgt werden.
  • Psychologische Hilfe: Beratungsstellen wie die Caritas, psychiatrische Krisentelefone und Ambulanzen der Spitäler bieten Betreuung für Frauen in akuten Notsituationen.

(fd)

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