Was geschah mit Gloria?

Podcast: Krone Verbrechen

(03.06.2021) Willkommen zum Crime Podcast der Kronen Zeitung ‚Krone Verbrechen‘. Das ist die erste Folge der zweiten Staffel. Hier geht es um wahre Verbrechen, hier geht es um teilweise ungelöste Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte. Es geht um wahre Verbrechen, Morde und andere spannende Fälle. Die angesehene und erfahrene Kriminalreporterin Martina Prewein berichtet alle zwei Wochen über die spektakulärsten Kriminalfälle Österreichs im True Crime Podcast Krone Verbrechen. Spannung ist garantiert.

Hier geht es zu allen Podcastfolgen des True Crime Podcasts 'KRONE Verbrechen'. Natürlich ist der Podcast auf allen Plattformen erhältlich. Sowohl auf Apple Podcasts, als auch auf Spotify und über all da, wo man Podcasts hören kann.

Hier ein Transkript der Folge 'Was geschah mit Gloria?'

Mischa Kronenfels: Liebe Podcast Hörerinnen, liebe Podcast Hörer, wir sind zurück mit einer neuen Ausgabe von Krone Verbrechen. Wir werden auch diesmal über spektakuläre Kriminalfälle in und aus Österreich sprechen. Natürlich mit der wunderbaren Martina Prewein von der Kronenzeitung. Hallo Martina, schön, dass du wieder da bist. Mein Name ist Mischa Kronenfels und wir reden über das aktuelle Krone Verbrechen Heft aus dem Jahre 2020. Martina, hier hast du einen Schwerpunkt zum Thema ‚vermisste Menschen gesetzt‘ Und wir beginnen mit der 26 jährigen Gloria aus Vorarlberg. Wir sind im Jahre 2018. Wir sind im März dieses Jahres. Martina - Gloria ist ein Mädchen, das in Wien und Baden studiert hat und jetzt nach Absolvierung ihres Studiums zurück nach Lustenau in Vorarlberg kommt. Was passiert in diesem März?

Martina Prewein: Vorweg nochmal gesagt. Sie hat in Wien und Baden Sozialpädagogik studiert und auch Praktika gemacht und ist dann zurückgekehrt in ihren Heimatort nach Lustenau in Vorarlberg. Sie hat dann dort bei ihrer Mutter gewohnt, hat ihr ehemaliges Zimmer bezogen und hat dann relativ rasch eine neue Stelle gefunden und hat in einem Frauen Beratungszentrum gearbeitet. Aber jetzt zurückzukommen auf die Ereignisse im März, weil sie hat ja schon ein paar Monate davor hier gewohnt und diese Stelle gehabt. Seit kurzem eben. Sie ist am Wochenende davor mit Freunden unterwegs gewesen, in einem Lokal, also dieser 5. März, der dann wirklich dramatisch enden wird, war ein Montag. Sie hatte an diesem Tag auch frei, weil sie immer an diesem Tag frei hat, weil da dieses Frauen Beratungszentrum geschlossen ist. Und am Wochenende davor war sie mit Freunden unterwegs, wie schon so oft davor. Also die hat sie ja alle schon aus ihrer Kindheit und Jugend gekannt. Sie sind dort zur Schule gegangen, haben dort maturiert. Sie war in einem Lokal unterwegs und hat dann beim Gehen gedacht, dass ihre Jacke gestohlen wurde, weil sie ja ihre Jacke nicht mehr gefunden hat.

In der Jacke waren ihr Handy und ihre Brieftasche. Daraufhin hat sie natürlich gedacht, das alles ist wirklich verschwunden. Die Jacke wurde – das kann man jetzt schon sagen - dann doch noch in dem Lokal gefunden und alle Gegenstände waren noch da. Das konnte sie aber am 5. März nicht wissen, an ihrem freien Tag. Sie hat da, eben weil es ihr freier Tag war, ein bisschen länger geschlafen, hatte aber vor, sich eine neue Bankomatkarte zu beschaffen, sich eine neue SIM-Karte zu beschaffen. Ihr Vater hatte ihr - die Eltern sind geschieden - versprochen, ihr sein altes Handy zu geben. Das heißt, sie brauchte nur eine SIM-Karte. Die Mutter, eine Verwaltungs Bedienstete, ist in der Früh ganz normal aufgestanden, zur Arbeit gegangen. Der Kontakt mit ihrer Tochter, also mit der Gloria, war nur sehr kurz, weil die junge Frau noch sehr verschlafen war. Aber sie haben sich trotzdem nett. Sie haben trotzdem ein paar nette Worte miteinander gewechselt. Es gab noch einen Abschiedskuss und es wurde auch gesagt: ‚Ja, wir sehen uns dann am Abend‘.

Mischa Kronenfels: Dieser 5. März ist also ein ganz, ganz wichtiger Tag in diesem Kriminalfall. Ein Fall, den wir heute hier besprechen. Aber sprechen wir noch über die 26-jährige Gloria. Was ist das für ein Mädchen? Sie zieht aus Wien nach Vorarlberg zu ihrer Mutter zurück. Das heißt, das Verhältnis zu ihrer Mutter dürfte ein sehr, sehr gutes sein. Sonst würde man nicht gerne in diesem Alter mit einer Mutter zusammenleben. Ist Gloria lebensbejahendes Mädchen, ein fröhliches Mädchen? Ist sie ein Mädchen, das auffällig war, dass möglicherweise auch Bekanntenkreise hatte, die nicht ganz so okay waren?

Martina Prewein: Die Gloria hat hauptsächlich völlig normal gelebt. Ein völlig normales Leben einer 26- Jährigen, die sozusagen am Start ihrer beruflichen Laufbahn steht. Das war auch der Grund dafür, warum sie bei der Mutter gewohnt hat, weil sie sich natürlich noch keine eigene Wohnung leisten hat können. Es war aber auch kein Problem, bei der Mutter zu wohnen, weil die beiden sich immer gut vertragen haben. Da Gloria sämtliche Freiheiten genossen hat, so wie sie halt eine Frau in dem Alter haben will. Ja, also sie hat sie nicht kontrolliert, nicht 100 mal gefragt ‚mit wem gehst du weg‘ oder so. Aber natürlich kannte sie ihren Freundeskreis. Ja, wie gesagt, der war ja schon von Kindheit an ihr Freundeskreis. Gloria hatte sehr viel Energie in ihre Arbeit gesteckt. Wollte da auch weiterkommen. Ihre Pläne waren laut Aussage der Mutter, dass sie dann irgendwann mal einen netten Mann kennenlernt, eine Familie gründet. Der Kinderwunsch war da. Davor wollte sie aber noch ein bisschen die Welt sehen, ein bisschen herumreisen. Ja, und so ist sie halt mit Freundinnen shoppen gegangen, mit Freundinnen ausgegangen. In Lokale, wie die Mutter dann später erfahren hat. Ihre Freundinnen haben erst später dann sehr zögerlich erzählt, dass die Gloria mitunter eine Hasch-Zigarette geraucht hat. Aber sie war jetzt nicht wirklich in schlechten Kreisen, aber hatte dadurch auch Kontakt mit Dealern,

Mischa Kronenfels: Die Gloria ist also ein ganz normales Mädchen, ein natürliches Mädchen. Es gibt nichts Außergewöhnliches. Dieser 5. März ist ein Tag, an dem Gloria losgeht, um Sachen zu organisieren, weil sie war ja der Meinung, dass sie beim Fortgehen in einem Lokal ihre Jacke verloren hat, liegen gelassen hat. Und deswegen muss sie jetzt unter anderem eine SIM-Karten organisieren, Bankomatkarte neu organisieren.

Martina Prewein: Sie zieht sich an mit Röhrenjeans, also das hat man nachher rekonstruiert. Einen Pulli. Welchen genau, konnte die Mutter nicht sagen, weil sie hatte relativ viele. Dann hat sie einen wattierten, grünen Parka angehabt, hellgrau und Sneakers. Und auf jeden Fall hatte sie ihren geliebten roten Rucksack dabei, den sie immer dabei gehabt hat. Sie ist dann offenkundig zur Busstation in Lustenau gegangen und ist mit einem Bus nach Dornbirn gefahren, soweit ist das dokumentiert. Weil nämlich in Dornbirn gibt es ein Einkaufszentrum und dort einen A3 Shop. Sie war auch wirklich nachweislich in diesem A3 Shop, hat sich dort eine neue SIM-Karte beschafft. Das muss ungefähr so um 11 Uhr 30 gewesen sein und war jedenfalls ungefähr um 12 Uhr schon wieder zurück in Lustenau und ist dort in eine Bankfiliale gegangen, also in ihre Bankfiliale und hat dort eine neue Bankomatkarte beantragt und hat gleichzeitig 40 Euro von ihrem Konto behoben. Was auffällig schon war, sie hatte ja davor den roten Rucksack dabei. Bilder aus Überwachungskameras aus dieser Bank zeigen aber, dass sie in diese Bankfiliale gekommen ist und diesen roten Rucksack nicht dabei hatte. Darum besteht irgendwie der Verdacht, dass sie möglicherweise in Dornbirn, vielleicht doch in dem Einkaufszentrum irgendeinen Bekannten oder irgendjemandem, vielleicht sogar einen Freund aus Jugendtagen getroffen hat, der mit einem Auto unterwegs war und ‚Ja‘ gesagt hat, Ja, ich nehme dich jetzt mit, weil es wäre halt das normale Verhalten, wenn ich einen großen Rucksack dabei habe und nur kurz in die Bank will, um meine neue Bankomatkarte zu beantragen, dass ich den Rucksack zurück lasse in einem Auto

Mischa Kronenfels: Ist das Bild aus der Überwachungskamera das letzte Bild von Gloria?

Martina Prewein: Nein, das ist es nicht. Kurz danach wurde sie noch in einem Supermarkt auch in ihrem Heimatort gesehen und da hat sie ein paar Lebensmittel eingekauft und da war der rote Rucksack wieder dabei.

Mischa Kronenfels: Es ist immer noch der fünfte März. Die Mutter von Gloria macht sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen wegen ihrer Tochter. Es sind Stunden vergangen. Wann beginnt sich die Mutter Sorgen zu machen?

Martina Prewein: Es war so. Zuerst hatte es ja geheißen, die Gloria kommt an diesem Tag noch nach Hause und man sieht sich dann am Abend. Das war dann aber nicht so. Die Mutter hat sich anfangs dabei nichts gedacht. Sie dachte: ‚Ja, das ist ihr freier Tag. Sie hat sich wahrscheinlich mit einer Freundin getroffen und bei dieser Freundin geschlafen.‘ Das kam auch öfters vor, dass sie unangekündigt dann bei einer Freundin geschlafen hat. Also hat sich die Mutter keine großen Sorgen gemacht. Besser gesagt überhaupt keine Sorgen gemacht und hat sich einfach zu Bett gelegt. Sie war dann auch nicht alarmiert, als Gloria am nächsten Tag in der Früh noch immer nicht da war. Sie in ihr Zimmer geschaut, hat gesehen, dass das Bett unberührt war, hat sich eben noch mehr bestätigt gefühlt, in der Annahme, dass sie bei einer Freundin geschlafen hat. Sie ist dann wieder zur Arbeit gegangen und kam dann am Nachmittag so gegen 5 Uhr nach Hause von der Arbeit. Und da war Gloria noch immer nicht zu Hause. Und das kam ihr dann wirklich komisch vor. Weil wenn Gloria so lange weggeblieben ist, hat sie immer ihre Mutter angerufen und hat gesagt Ja, ich bin jetzt dort und dort und ich bin doch mit Freunden unterwegs und mach dir keine Sorgen. Das hat aber nicht stattgefunden.

Mischa Kronenfels: Bevor sie jetzt aber zur Polizei geht, versucht die Mutter auf Eigeninitiative herauszufinden, was mit Gloria passiert, passiert ist und sie kontaktiert Freundinnen, nehme ich an?

Martina Prewein: Sie kannte ja alle ihre Freundinnen und hat sie dann der Reihe nach durchgerufen und hat alle gefragt, ob die Gloria vielleicht bei ihnen ist. Ja, diese Freundinnen haben dann natürlich auch aus dem erweiterten Freundeskreis Menschen durchgerufen und gefragt, ob die Gloria vielleicht bei irgendjemand von diesen Personen wäre. Tatsache ist, dass keiner von ihnen seit dem Vortag, also seit dem Morgen des Vortages, etwas von ihr gehört hatte, was sehr ungewöhnlich war, weil sie ja regelmäßig mit ihren Freundinnen kommuniziert hat

Mischa Kronenfels: Die Mutter geht jetzt aber zur Polizei.

Martina Prewein: Und macht dort eine Vermisstenanzeige. Es war dann so, dass die Polizisten zunächst einmal gesagt haben, dass es sich um eine junge Frau handelt, die 26 Jahre alt ist, die vielleicht bei einem Freund ist, von dem sie nichts wissen. Und sie verbringt mit dem jetzt nochmal zwei, drei Tage, ohne halt eben bei der Mutter anzurufen. Darum ist zunächst einmal relativ wenig passiert. Die Vermisstenanzeige wurde zwar aufgenommen, aber es haben jetzt noch keine Suchaktionen stattgefunden. Nachdem die Gloria dann aber ein paar Tage verschwunden war, hat es dann sehr wohl Vermissten-Aufrufe gegeben. Es wurde dann doch etwas mysteriös. Alle Menschen, die sie gut kannten, haben gesagt, es hätte überhaupt nicht zu ihr gepasst, sich einfach abzusetzen, einfach zu verschwinden. Ja, sie hätte auch keinen Grund dazu gehabt, weil sie hätte ja jederzeit überallhin fahren können und das einfach sagen können. Außerdem hatte sie ja überhaupt kein Geld bei sich außer diesen vierzig Euro, die sie da abgehoben hat

Mischa Kronenfels: Jetzt beginnt natürlich ein richtiges Martyrium für die Mutter. Zumal ja auch klar ist, dass die Gloria keine Sorgen hatte, nicht in den falschen Kreisen unterwegs war, keinen Grund gehabt haben könnte, sich abzusetzen oder ein neues Leben zu beginnen. Für die Mutter muss es jetzt eine furchtbare Tatsache sein, dass das Kind einfach nicht da ist und dass es keine Ermittlungsergebnisse gibt. Und die Zeit vergeht und vergeht. Und jetzt wendet sie sich auch an Vereine.

Martina Prewein: Ja, also die Mutter hat dann gemeinsam auch mit dem Vater und mit den Schwestern und mit Freundinnen immer wieder Suchaktionen in dem ganzen Gebiet dort unternommen. Sie hat eben Recherchen im Freundeskreis unternommen. Da hat sie dann eben zum Beispiel erfahren, dass sie ab und zu einen Joint geraucht hat. Aber es haben sich keine Ansatzpunkte ergeben, dass sie wirklich in Drogenkreisen oder sonst etwas verkehrt hätte. Die Mutter hat dann auch wirklich Medien um Unterstützung gebeten, also durch Veröffentlichung von Bildern von Gloria. Also wie lang sie verschwunden ist, was mit ihr geschehen sein konnte. Und sie hat auch eingeschaltet den Verein ‚Österreich findet euch‘. Die haben dann auch wirklich Medienkampagnen gestartet, haben über Facebook hunderte Aufrufe veröffentlicht, aber nie kamen wirkliche Hinweise, schon gar nicht irgendwelche ernstzunehmenden. Es war einfach so, als wäre die Gloria von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden.

Mischa Kronenfels: Das Ganze ist am 5. März 2018 passiert und die Monate ziehen ins Land. Martina, das muss natürlich für jeden Elternteil, für die Mutter, für den Vater furchtbar sein. Nicht zu wissen, was mit dem eigenen Kind ist. Du beschäftigst dich in der letzten Ausgabe des Magazins Krone Verbrechen ja intensiv mit Vermisstenfällen. Wie ergeht es Angehörigen? Wie geht's Müttern, Vätern in so einer Situation? Das muss zermürbend sein.

Martina Prewein: Ja, Ihnen geht's natürlich fürchterlich, weil ständig dieses Gefühl, dieses Gefühl der Ungewissheit da ist. Also Glorias Mutter zum Beispiel hat auch erzählt, dass sie nicht mehr schlafen konnte. Sie hat Tag und Nacht darüber nachgedacht, was mit ihrer Tochter passiert sein könnte. Da kommen ja die wildesten Gedanken. Wurde sie entführt? Wird sie gerade gequält von irgendjemandem? Ist sie irgendwie zu Tode gekommen? Wurde sie ermordet? Es kommen wirklich die schlimmsten Gedanken und die quälen tagein, tagaus. Und es gibt daraus eigentlich wirklich kein Entkommen. Außer durch irgendwelche Aktionen, die man selber setzt. Also Glorias Mutter hat auch erzählt. Also es ging ja dann z.B. besser, wenn sie wieder eine Suchaktion gestartet hat. Ja, weil sie da das Gefühl gehabt hat, etwas zu tun. Selbst vielleicht irgendwie beitragen zu können, sie zu finden. Auch wenn sie natürlich im Innersten gewusst hat, dass es fast sinnlos ist, weil sie ja Wege abgegangen ist, die sie schon hunderte Male davor abgegangen ist.. Sie hat natürlich alle Polizei Nachrichten extrem verfolgt. Also wann immer irgendwo in Österreich unbekannte Tote und noch mehr wenn unbekannte Tote irgendwo in Vorarlberg gefunden wurden, ist sie in Panik, in Hysterie verfallen, in der Angst, dass es sich um ihre Tochter handeln könnte.

Mischa Kronenfels: Wir spulen jetzt ein halbes Jahr vor, und es ist der zweite September 2018. Martina, Wanderer auf einer Alm machen eine furchtbare Entdeckung.

Martina Prewein: Ja, diese Wanderer haben bei Lustenau relativ hoher Höhe auf einer Ebene einen skelettierten Schädel gefunden, haben dann natürlich die Polizei alarmiert, woraufhin dort dann auf dieser Alpe natürlich umfangreichste Suchaktionen stattgefunden haben. Es wurde dann auch noch ein Oberschenkelknochen gefunden und dann kamen diese beiden Skelett Teile in die Gerichtsmedizin

Mischa Kronenfels: Und die traurige Gewissheit war da. Es handelte sich um Gloria.

Martina Prewein: Was aber das Schlimme daran war, dass eben so wenige Teile dieses Skeletts gefunden wurden. Also wie gesagt, nur der Schädel und ein Oberschenkelknochen. So konnten ja nicht viele weitere Untersuchungen stattfinden. Somit konnte man auch kaum Untersuchungen zur Todesursache machen. Ja, weil werden ja jetzt nicht zum Beispiel mit einer Pistole in den Kopf geschossen worden wäre. Dann hätte man ein Einschussloch gesehen oder wenn mit einem Messer in ihren Kopf eingestochen worden wäre. Doch dadurch, dass der ganze restliche Körper gefehlt hat und damit auch alle Knochen, konnte man keine Spuren sehen. Und es sind keine Einwirkungen von Fremdverschulden erkennbar. Was jetzt aber nicht besonders viel bedeutet, weil eben nur diese beiden Teile vorhanden waren.

Mischa Kronenfels: Das heißt, die einzige Gewissheit, die Glorias Mutter hat, ist, dass ihr Kind tot ist. Keine Gewissheit darüber, wie es zu diesem Tod kam.

Martina Prewein: Das stimmt. Es ist die einzige Gewissheit und es gibt sehr, sehr viele Rätsel für die Mutter bis heute. Sie versteht z.B. nicht, wie die Gloria auf diese Alpe gekommen ist. Die Gloria war zwar eine sportliche junge Frau und sie ist gerne spazieren gegangen, aber ausschließlich in der Ebene. Also sie hat Wanderungen gehasst, noch dazu: Sie war ja nicht im Besitz eines Autos. Das heißt, sie hätte jetzt auch nicht bis zu einem ziemlich weiten Punkt hier hinauf kommen können, wo man dann nur noch eine halbe Stunde ungefähr zu Fuß braucht, um zu diesem Ort zu gelangen. Anja, die Mutter, kann sich überhaupt nicht erklären, warum Gloria auf eine Alpe gegangen ist, was sie noch nie im Leben zuvor getan hat.

Mischa Kronenfels: Es gibt momentan keine Indizien dafür, dass es sich um ein Gewaltverbrechen gehandelt hat. Der Fall ist aber natürlich nicht geschlossen. Wir haben nur zwei Teile eines Skeletts.. Worüber wird noch spekuliert?

Martina Prewein: Also man muss schon sagen, dass die Polizei dann auch natürlich in Richtung einer Gewalttat recherchiert hat. Es haben dann Umfelderhebungen stattgefunden. Es wurde der Freundeskreis der jungen Frau befragt. Es hat sich dann aber kein Anhaltspunkt ergeben, der irgendwo hin wirklich geführt hätte, also zu einem Täter. Das Problem war auch noch, dass die wirkliche ernsthafte Ermittlungen erst zu einem sehr späten Zeitpunkt stattgefunden haben, eben nach Auffinden des Schädels und dieses Oberschenkelknochens. Im Einkaufszentrum, in dem Gloria war, gibt's natürlich Überwachungskameras, aber diese Videos waren zu diesem Zeitpunkt schon gelöscht. Also das heißt, man kann nichts nachvollziehen. Hat sie dort vielleicht in diesem Einkaufszentrum jemanden getroffen? Ist sie mit jemandem dort rausgegangen? Ist sie mit dem in die Garage gegangen? In welches Auto hat sie dort eingestiegen? All diese Dinge sind vollkommen unbekannt. Dieser Fall ist nach wie vor ein offener Fall. Es finden jetzt keine großen Erhebungen mehr dazu statt.

Mischa Kronenfels: Die Todesursache ist somit unbestimmt. Es ist noch nicht klar, ob es sich um ein Gewaltverbrechen gehandelt hat oder nicht. Könnte es sein, dass die Gloria, du hast ja gesagt, dass sie nicht gern wandern ging, vielleicht doch dort wandern war und einfach nur ausgerutscht und runter gestürzt ist?

Martina Prewein: Eigentlich auszuschließen, weil wie ja auf einer Ebene gefunden wurde, also dort, wo ihre Knochen lagen, ist es sehr eben. Dort gibt's jetzt keine Abhänge oder irgendwelche komplizierten Wege oder so. Also wo sie runter gestürzt sein könnte. Darum ist sozusagen dieses Sturzgeschehen auszuschließen.

Mischa Kronenfels: Ja, besonders mysteriös ist ja auch Du schreibst in deinem Artikel, dass es dort keinerlei Kleidungsstücke, Accessoires oder sonstige Sachen gibt. Wie ist das zu erklären aus deiner Sicht?

Martina Prewein: Das sorgt natürlich für weitere Spekulationen. Nehmen wir mal an, die Gloria wäre voll bekleidet mit ihrem Rucksack dort hingegangen. Ja, und es wäre ihr irgendetwas dort zugestoßen. Vielleicht doch wirklich unglücklich gestürzt, dann hätte doch etwas gefunden werden müssen. Fragment., Teile, Fragmente ihrer Kleidung. Diese Dinge verrotten nämlich nicht so schnell, werden auch von Tieren nicht so leicht verschleppt. Und darum ist das eigentlich auszuschließen. Da gibt's dann jetzt schon sogar diese Spekulationen, dass die Gloria an einem anderen Ort ermordet wurde. Also nicht auf dieser Alpe und dann von irgendjemandem dorthin transportiert wurde, möglicherweise ausgezogen.

Mischa Kronenfels: Was in solchen Fällen natürlich dann auch immer in Erwägung gezogen wird, ist, dass eventuell Suizid begangen wurde. Warum kann man das in diesem Fall ausschließen?

Martina Prewein: Auszuschließen ist nichts. Aber nach allem, was Familie und Freunde gesagt haben und was Ermittlungen ergeben haben, ist nicht davon auszugehen, dass sie Suizidgedanken hatte. Sie hatte ja irrsinnig viele Pläne. Sie wollte, wie gesagt, bald in eine eigene Wohnung ziehen. Das war ihr Traum. Sie wollte reisen. Das wäre ja lebensfremd, wenn jemand noch Dinge besorgt, die er jetzt braucht. Also zum Beispiel eine Simkarte oder eine Bankomatkarte bestellt, 40 Euro von der Bank noch abholt, Nahrungsmittel kauft, in einem Supermarkt und sich danach umbringt. Und es ist auch nicht anzunehmen, dass in diesem Moment jetzt plötzlich, nachdem sie vielleicht in dem Supermarkt war, irgendeine fürchterliche Nachricht auf sie eingetroffen ist, weil man weiß ja, dass in ihrem Freundes- und Familienkreis alles in Ordnung war. Sie wurde auch nicht gekündigt, überhaupt nichts. Und sie hat halt auch niemals depressiv gewirkt.

Mischa Kronenfels: Die traurige Gewissheit für die Mutter ist halt jene, dass sie ein totes Kind hat und nicht weiß, wie es dazu kam. Du hast natürlich für das Magazin und für diese Geschichte in deinem Magazin mit der Mutter ein Interview geführt. Wie geht's der Mutter mit dieser Gewissheit, jetzt bei diesem offenen Fall nicht zu wissen, was der Grund für den Tod ihres Kindes ist?

Martina Prewein: Der Mutter geht's nicht viel besser als davor. Weil sie nicht weiß, wie sie zu Tode gekommen ist. Also wüsste sie, es wäre ein Unfall gewesen, dann könnte sie sich damit abfinden. Sie weiß nicht, was Gloria in den letzten Stunden vor ihrem Tod erleben musste. Das ist ein irrsinnig quälendes Gefühl für sie. Sie denkt natürlich dauernd darüber nach, ob sie da wirklich irgendeinem Gewalttäter in die Hände gefallen ist und, dass er ihr noch fürchterliches Leid angetan haben könnte, bevor er sie umgebracht hat. Und diese Gedanken sind für die Mutter entsetzlich. Die ganze Familie ist natürlich von all dem fürchterlich betroffen. Der Vater, zu dem die Gloria auch weiterhin auch nach der Scheidung der Eltern ein gutes Verhältnis hatte, ist mittlerweile verstorben an einem Herzinfarkt. Menschen aus seinem Umfeld sagen an gebrochenem Herzen.

Mischa Kronenfels: Martina Prewein, danke für das Gespräch. Danke für diese erste Folge unserer neuen Ausgabe von ‚Krone Verbrechen‘. Wir werden einen Schwerpunkt auf das Thema Vermisste setzen und hören uns in der nächsten Folge wieder.

Auf Wiederhören. Danke. Auf Wiederhören.

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