Wolf wandert 500 Kilometer
Überlebt er das Zillertal?
(09.06.2026) Ein junger Wolf sorgt derzeit in Italien und Österreich für Aufmerksamkeit. Das rund zwei Jahre alte Tier namens Mirco hat innerhalb weniger Wochen eine beeindruckende Reise durch die Alpen zurückgelegt. Vom Nationalpark der Belluneser Dolomiten in Norditalien führte ihn sein Weg über Südtirol bis nach Österreich. Aktuell halten sich seine Spuren im Tiroler Zillertal.
Die außergewöhnliche Wanderung wird von Forschern genau verfolgt. Mirco trägt ein GPS-Halsband und liefert damit wertvolle Daten über das Verhalten von Wölfen im Alpenraum.
Auf der Suche nach einem eigenen Revier
Anfang Mai verließ Mirco sein Rudel im Nationalpark Belluneser Dolomiten in der italienischen Provinz Belluno. Solche Wanderungen sind bei jungen Wölfen nichts Ungewöhnliches. Experten sprechen von der sogenannten Abwanderungsphase. Dabei verlassen junge Tiere ihre Familie, um ein eigenes Territorium und später möglicherweise einen Partner zu finden. In Österreich allerdings muss er besonders aufpassen. Wenn er jagt, wird er vielleicht erlegt.
Die GPS-Daten zeigen, wie weit der Wolf dabei unterwegs war. Zunächst wurde er in der Region Cadore registriert, später in der Nähe von Innichen in Südtirol. Danach überquerte Mirco die Grenze nach Österreich und bewegte sich mehrere Wochen durch Tirol. Zwischenzeitlich kehrte er kurz nach Südtirol zurück, bevor er erneut österreichisches Gebiet erreichte.
Forscher beobachten jede Bewegung
Mirco wird im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts überwacht, an dem der Nationalpark Belluneser Dolomiten, die Universität Sassari und die Provinz Belluno beteiligt sind.
Die Forscher wollen besser verstehen, wie sich Wölfe im Alpenraum ausbreiten und welche Routen sie nutzen. Die Daten helfen dabei, die Entwicklung der Wolfspopulation genauer zu analysieren.
Für Ennio Vigne, Kommissar des Nationalparks Belluneser Dolomiten, liefert die Reise von Mirco wichtige Erkenntnisse.
Nur wer die Bewegungsmuster und das Verhalten der Tiere kenne, könne die Präsenz von Wölfen in den Alpen langfristig steuern und Konflikte mit menschlichen Aktivitäten möglichst gering halten.
Wölfe breiten sich in den Alpen weiter aus
Die Wanderung von Mirco zeigt, wie mobil junge Wölfe sein können. Experten betonen, dass einzelne Tiere problemlos mehrere hundert Kilometer zurücklegen können. Dadurch entstehen neue Rudel, und die Wolfspopulation breitet sich zunehmend über Ländergrenzen hinweg aus.
Auch Marco Staunovo Polacco, Präsident der Provinz Belluno, verweist auf die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Wölfe würden sich nicht an Verwaltungsgrenzen halten, weshalb ein Austausch von Daten und Informationen zwischen Regionen und Staaten immer wichtiger werde.
Wolf sorgt in Österreich weiter für Diskussionen
Während Naturschützer die Rückkehr des Wolfs als Erfolg für die Artenvielfalt sehen, bleibt das Raubtier in Österreich umstritten.
Vor allem in Tirol sorgt die wachsende Zahl von Wolfsnachweisen regelmäßig für politische Diskussionen. Landwirtschaftliche Betriebe beklagen immer wieder gerissene Schafe und andere Nutztiere auf Almen. In den vergangenen Jahren wurden deshalb mehrfach Abschussverordnungen erlassen.
Die Tiroler Landespolitik argumentiert, dass der Schutz der Almwirtschaft und der Nutztiere oberste Priorität habe. Naturschutzorganisationen hingegen verweisen auf den europaweiten Schutzstatus des Wolfs und die ökologische Bedeutung des Beutegreifers.
Mircos Reise liefert wichtige Erkenntnisse
Für die Wissenschaft steht jedoch vor allem die außergewöhnliche Wanderung des jungen Wolfs im Mittelpunkt. Seine Reise von den Dolomiten bis ins Zillertal zeigt eindrucksvoll, wie groß die Aktionsräume einzelner Tiere sein können.
Die gewonnenen Daten sollen künftig helfen, das Zusammenleben von Mensch, Landwirtschaft und Wolf im Alpenraum besser zu organisieren. Gleichzeitig macht Mircos Geschichte deutlich, dass die Rückkehr des Wolfs längst kein lokales Phänomen mehr ist, sondern eine Herausforderung für den gesamten Alpenraum darstellt.
(fd/apa)