Öffis ab 2027 wieder teurer?

Einzelfahrt schon jetzt 3,20 €

(11.10.2026) Kaum haben sich die Wiener an die deutlich höheren Öffi-Preise 2026 gewöhnt, droht bereits die nächste Verteuerung. Ab 1. Jänner 2027 wollen die Wiener Linien ihre Tarife künftig jedes Jahr an die Inflation anpassen. Bei einer Erhöhung um rund 3,5 Prozent könnte die Jahreskarte statt derzeit 467 Euro künftig etwa 483 Euro kosten. Auch Einzelfahrscheine und Monatskarten sollen teurer werden. Die endgültigen Preise stehen allerdings noch nicht fest.

Besonders bitter für viele Fahrgäste: Erst mit Jahresbeginn 2026 wurde die berühmte 365-Euro-Jahreskarte abgeschafft. Statt einem Euro pro Tag kostet die klassische Jahreskarte inzwischen 467 Euro – ein Sprung von mehr als 100 Euro innerhalb eines Jahres. Nun folgt wenige Monate später die Ankündigung der nächsten Preiserhöhung.

So viel kosten die Wiener Öffis derzeit – und so teuer könnte es werden

Die Wiener Linien haben die endgültigen Tarife für 2027 noch nicht veröffentlicht. Geht man von einer Anpassung um rund 3,5 Prozent aus, ergeben sich laut aktuellen Berechnungen ungefähr folgende Preise:

  • Jahreskarte: derzeit 467 Euro – 2027 möglicherweise rund 483 Euro
  • Einzelfahrschein: derzeit 3,20 Euro – möglicherweise 3,30 Euro
  • 31-Tage-Karte: derzeit 75 Euro – möglicherweise rund 77,60 Euro

Digital sind Tickets derzeit günstiger: Die digitale Jahreskarte kostet 461 Euro, eine digitale Einzelfahrt 3 Euro und die digitale 31-Tage-Karte 65,20 Euro. Wie hoch diese digitalen Preise 2027 genau ausfallen, haben die Wiener Linien noch nicht bekannt gegeben.

Warum steigen die Preise schon wieder?

Die erneute Erhöhung kommt nicht überraschend. Bereits im September 2025 beschlossen Stadt Wien und Wiener Linien, die Tarife ab 2027 jährlich zu valorisieren. Künftig sollen sich die Preise am Verbraucherpreisindex – also an der Inflation – orientieren. Damit folgen die Wiener Linien einem ähnlichen Modell wie ÖBB, VOR und KlimaTicket.

Die Wiener Linien argumentieren außerdem mit gestiegenen Energie-, Personal- und Betriebskosten. Bei der großen Tariferhöhung 2026 verwies die Stadt darauf, dass der Preis der Jahreskarte zuvor rund 13 Jahre lang praktisch unverändert geblieben war. Eine vollständige Anpassung an die Inflation seit 2012 hätte laut Stadt sogar einen Preis von mehr als 500 Euro bedeutet.

Die Erhöhung auf 467 Euro sei deshalb nur eine teilweise Aufholung der Teuerung gewesen. Jetzt folgt allerdings ein Systemwechsel: Statt jahrelanger Preisstabilität und gelegentlicher großer Sprünge soll es künftig regelmäßig kleinere Erhöhungen geben.

Aus 365 könnten innerhalb eines Jahres 483 Euro werden

Genau darin liegt der politische Zündstoff. Die 365-Euro-Jahreskarte galt seit 2012 als eines der bekanntesten Wiener Verkehrsprojekte. Noch 2025 zahlten Stammkunden tatsächlich einen Euro pro Tag.

Seit Jänner 2026 sind es 467 Euro. Sollte die nächste Erhöhung wie erwartet ausfallen, wären es ein Jahr später bereits rund 483 Euro. Damit hätte sich der Preis innerhalb von nur zwei Jahren um deutlich mehr als 100 Euro erhöht.

Die Wiener Linien betonen allerdings, dass die Nachfrage durch die Preiserhöhung 2026 bisher nicht eingebrochen sei. Im Jänner gab es sogar mehr Jahreskartenkundinnen und -kunden als noch im November 2025. Pro Tag nutzen im Durchschnitt rund 2,47 Millionen Menschen die Wiener Öffis.

Nicht nur die Öffis werden 2027 teurer

Für Wiener Haushalte kommt die nächste Öffi-Erhöhung zudem nicht allein. Mit Jänner 2027 steigen auch die Gebühren für Wasser, Kanal und Müll um bis zu 4,6 Prozent. Die Stadt begründet auch diese Anpassungen mit der Inflation.

WIFO-Inflationsexperte Josef Baumgartner warnt vor der Gesamtbelastung: Wenn Löhne und Pensionen nicht im selben Ausmaß wie die Preise steigen, sinkt das verfügbare Einkommen der Haushalte. Österreich kämpfe zudem weiterhin mit einer vergleichsweise hartnäckigen Inflation.

Kritik von Grünen, ÖVP, FPÖ und VCÖ

Entsprechend scharf fällt die politische Kritik aus. Die Wiener Grünen fordern eine Öffi-Preisbremse und warnen vor einer zunehmenden „Mobilitätsarmut“. Die ÖVP verlangt, die automatische jährliche Erhöhung wieder abzuschaffen und stattdessen bei den Ausgaben der Stadt zu sparen. Auch die FPÖ kritisiert die erneute Verteuerung.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht ebenfalls ein Problem darin, ausgerechnet jene Menschen stärker zu belasten, die regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Rund 1,1 Millionen Wienerinnen und Wiener ab 16 Jahren fahren laut VCÖ täglich oder mehrmals pro Woche öffentlich. Der Verkehrsclub fordert deshalb unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Öffi-Tickets.

Wiener Linien rechnen noch an den endgültigen Preisen

Wie teuer U-Bahn, Straßenbahn und Bus in Wien ab 2027 tatsächlich werden, steht derzeit noch nicht endgültig fest. Die Wiener Linien erklären, sie befänden sich in der „finalen Ausarbeitung“. Details sollen noch im Herbst folgen.

Fest steht aber bereits: Die nächste Preiserhöhung kommt. Und anders als früher könnte sie künftig zur jährlichen Routine werden. Nach dem Sprung von 365 auf 467 Euro im Jahr 2026 dürfte deshalb vor allem eine Frage viele Wiener beschäftigen: Wie teuer wird die Jahreskarte erst in einigen Jahren, wenn die automatische Inflationsanpassung jedes Jahr greift?

(fd)

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