Österreicherinnen pro EU
Unbeirrt durch Zukunftsängste
(04.02.2026) Zumindest 51 % sehen die EU-Mitgliedschaft Österreichs als gut und wichtig an. EU-weit ist die Zustimmung sogar noch höher: 64 Prozent halten die EU-Mitgliedschaft ihres Landes für gut. Die Sorge vor Kriegen, Klimawandel und Massenzuwanderung ist weit verbreitet. Laut einer heute veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage im Auftrag des Europaparlaments sind das in Österreich um zehn Prozentpunkte mehr als Anfang 2024. Als weder eine gute noch eine schlechte Sache sehen 27 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher die EU-Mitgliedschaft. 21 Prozent der Befragten halten sie für schlecht (EU-weit 11 Prozent). Für die Umfrage wurden im vergangenen November 26.453 Personen in der EU persönlich befragt, davon 1003 in Österreich.
Konflikte und Kriege in der Nähe der Europäischen Union lösen bei den Befragten die größten Sorgen aus (90 Prozent in Österreich und EU-weit), gefolgt von Terrorismus (86 Prozent), Naturkatastrophen durch den Klimawandel (84 bzw. 86 Prozent), Cyberangriffen aus dem Ausland (80 bzw. 86 Prozent) und unkontrollierter Migration (86 bzw. 85 Prozent). Besorgt zeigten sich die Befragten auch vor Energieabhängigkeit (84 Prozent in Österreich und 87 Prozent EU-weit), Drohnenangriffen (77 bzw. 82 Prozent), Abhängigkeit der EU bei Verteidigung (79 bzw. 85 Prozent) sowie Wahlbeeinflussung aus dem Ausland (73 bzw. 79 Prozent).
Mehr als die Hälfte will stärkere EU
Während sich zwei Drittel der EU-Bürger eine stärkere Rolle der Europäischen Union beim Schutz der europäischen Bürgerinnen und Bürger vor globalen Krisen und Sicherheitsgefahren wünschen, wollen in Österreich nur 51 Prozent eine wichtigere Rolle der EU. 32 Prozent der Österreicher wollen keine Veränderung, 16 Prozent wollen weniger Einfluss der EU. Aber auch in Österreich ist eine deutliche Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass die EU geschlossener auftreten müsse, um globale Herausforderungen zu bewältigen (86 Prozent), die EU auf internationaler Ebene eine stärkere Stimme haben sollte (84 Prozent) und dafür auch mehr Mittel brauche (64 Prozent).
Verteidigung und Sicherheit werden dabei sowohl EU-weit (40 Prozent) als auch von den Österreichern (35 Prozent) als wichtigste geopolitische Schwerpunktaufgaben der EU genannt. Fragt man aber die Bürger nach ihrer Prioritätenliste für das Europäische Parlament, werden zuallererst der Kampf gegen die Teuerung sowie der Einsatz für Wirtschaft und Arbeitsplätze genannt, in Österreich von 48 bzw. 39 Prozent.
In ihren Zukunftserwartungen in Bezug auf die Entwicklung der Welt unterscheiden sich die Österreicherinnen und Österreicher kaum vom Rest Europas. 49 Prozent der Befragten in Österreich beurteilen die Zukunft pessimistisch und 45 Prozent optimistisch. EU-weit sind es 52 bzw. 44 Prozent.
Einstellung zur EU hängt von Alter, Geschlecht und Bildung ab
Das positivste Bild von der EU haben in Österreich junge Frauen unter 25 Jahren mit hohem Bildungsabschluss. Dem stehen Männer über 55 Jahren mit niedrigem Bildungsabschluss gegenüber, die das negativste Bild haben.
EU-Abgeordnete betonen Wichtigkeit eines starken Europa
"Die Ergebnisse sind ermutigend, wieder mehr die Chancen des gemeinsamen Europas zu betonen", sagte Reinhold Lopatka, ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, laut Aussendung. Gerade in wirtschaftlich und sicherheitspolitisch herausfordernden Zeiten sei ein starkes gemeinsames Europa entscheidend. Österreich habe bisher überdurchschnittlich profitiert. "Als exportorientiertes Land, in dem sechs von zehn Euro aus der Exportwirtschaft kommen, liegen unsere Zukunftschancen in einem weiter vertieften Binnenmarkt, neuen und weiteren EU-Handelsabkommen nach Mercosur und Indien und der Erweiterung am Westbalkan", betonte Lopatka.
Auch SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder zeigt sich erfreut über die Ergebnisse: "Die geopolitischen Herausforderungen der vergangenen Monate, darunter insbesondere die wiederholten Attacken Donald Trumps auf die EU, haben Europa enger zusammenrücken lassen. Dadurch wurde deutlich, dass sich nur ein geeintes und geschlossen auftretendes Europa in der zunehmend rauen Weltpolitik behaupten kann", sagte Schieder laut Aussendung. "Wenn wir uns sicherheitspolitisch besser aufstellen wollen, müssen wir die Menschen mitnehmen. Das gelingt nur, wenn sie Vertrauen in die europäische Gemeinschaft haben."
"Gerade in unsicheren Zeiten erkennen immer mehr Menschen auch in Österreich, dass nur ein starkes Europa Sicherheit und Wohlstand für unsere europäische Heimat garantiert", kommentierte NEOS-Delegationsleiter Helmut Brandstätter die Umfrageergebnisse. "Europa schützt, Europa sichert dem Exportland Österreich viele Arbeitsplätze und bietet jungen Menschen Studienplätze in anderen Ländern. Wir profitieren auch von gemeinsamer Forschung und seit der Umsetzung des Europäischen Asyl- und Migrationspakts sorgen wir auch für eine starke Außengrenze."
(fd/apa)