55 Meter langer "Terrortunnel"

unter Al-Shifa-Spital?

(20.11.2023) Mehrere Tage nach Beginn ihres umstrittenen Einsatzes im größten Krankenhaus des Gazastreifens hat die israelische Armee einen weiteren Beleg für dessen terroristische Nutzung präsentiert. Auf dem Gelände des Al-Shifa-Spitals sei in zehn Meter Tiefe ein 55 Meter langer "Terrortunnel" entdeckt worden, teilte die israelische Armee am Sonntag auf X (vormals Twitter) mit. Die Terrororganisation Hamas hatte bisher immer bestritten, dass sich unter Spitälern solche Tunnel befinden.

Der Tunnel sei mit einer bombensicheren Tür gesichert, hieß es von der israelischen Armee weiter. "Diese Art von Türen werden von der Terrororganisation Hamas verwendet, um israelischen Kräften den Zutritt zu Kommandozentren und Untergrundanlagen zu verwehren, die der Hamas gehören." Das Militär veröffentlichte auch ein Video, das einen schmalen betonierten Tunnel und eine graue Tür zeigt. Keine Angaben gab es dazu, was sich hinter der grauen Tür verbirgt. Die israelischen Truppen seien zudem damit beschäftigt, "die Route des Tunnels aufzudecken", hieß es vom Militär. Der Zutrittsschacht zum Tunnel befand sich laut der Armee in einem Holzverschlag auf dem Gelände des Krankenhauses. Dort habe man auch Munition gefunden.

Die israelische Armee veröffentlichte auch Aufnahmen von Überwachungskameras, die zeigen sollen, dass die Hamas am Tag ihres Großangriffs auf Israel Geiseln in das Al-Shifa-Krankenhaus gebracht hat. Die Videos seien ein Beleg dafür, dass die Organisation das Klinikgelände "am Tag des Massakers als terroristische Infrastruktur nutzte", teilten das israelische Militär und die Geheimdienste am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Aufnahmen ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Auf den Aufnahmen sind zwei Männer zu sehen, die von bewaffneten Männern offenbar in die Al-Shifa-Klinik gebracht werden. Nach Angaben des israelischen Armeesprechers Daniel Hagari stammen die beiden Geiseln aus Nepal und Thailand. Die Armee habe sie noch nicht ausfindig machen können. "Wir wissen nicht, wo wie sind", sagte Hagari.

Israelische Soldaten sind trotz internationaler Kritik seit Tagen in und um die größte Klinik des Gazastreifens im Einsatz. Israel wirft der islamistischen Hamas vor, das Krankenhaus für "terroristische Zwecke" zu missbrauchen und unter den Gebäuden eine "Kommandozentrale" zu betreiben. Die Hamas bestreitet dies. Die Klinik wurde inzwischen weitgehend evakuiert.

Nach Angaben der Armee wurden in den vergangenen Tagen "mehr als 100 Terroristen" im Gazastreifen festgenommen. Darunter seien auch "verantwortliche Personen, die die Standorte von unterirdischen Tunneln, Lagerstätten und Waffen" preisgegeben haben sollen. Auch diese Angaben waren zunächst nicht unabhängig zu überprüfen.

Hunderte Kämpfer der Terrororganisation Hamas hatten am 7. Oktober Israel überfallen und dort Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt. In Israel wurden nach israelischen Angaben etwa 1.200 Menschen getötet, etwa 240 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In Reaktion auf den barbarischen Akt startete die israelische Armee eine Militäraktion zur Befreiung der Geiseln und der Vernichtung der Terrororganisation Hamas. Deren Angaben zufolge sind seit Beginn der Aktion 13.000 Menschen im Gazastreifen getötet worden. Israel wirft der Hamas vor, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen und sie etwa an der Flucht in den südlichen Gazastreifen zu hindern. Zugleich gibt es laufend Zweifel an den Beteuerungen der israelischen Armee, die Zivilbevölkerung bei ihren Angriffen nach Möglichkeit zu schonen. So kamen jüngst bei Angriffen auf zwei UNO-Schulen im Süden Gazas zahlreiche Menschen ums Leben, die dort nach ihrer Vertreibung Zuflucht gesucht hatten.

(mt/apa)

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