56 ICE-Tote unter Obama?
Der Kronehit Faktencheck
(29.01.2026) In sozialen Medien und auf politischen Blogs verbreitet sich aktuell eine zugespitzte Behauptung:
Im letzten Amtsjahr von Barack Obama, 2016, soll es 56 Tote durch Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE gegeben haben. Die Zahl klingt dramatisch – und wird oft genutzt, um aktuelle Kritik an der US-Migrationspolitik zu relativieren. Doch ein genauer Blick zeigt: Die Darstellung ist irreführend.
Woher stammt die Zahl 56?
Die Zahl geht auf den Bericht
„Fatal Neglect – How ICE Ignores Deaths in Detention“
zurück, der von der American Civil Liberties Union (ACLU) gemeinsam mit dem Detention Watch Network und dem National Immigrant Justice Center veröffentlicht wurde. Darin heißt es, dass es während der Amtszeit von Barack Obama insgesamt 56 Todesfälle im ICE-Gewahrsam gab. Das folgende Posting zeigt, wie es eben nicht stimmt.
Es handelt sich um Todesfälle in Haftanstalten, nicht um tödliche Gewalt bei Einsätzen, Razzien oder Festnahmen.
Keine „Einsätze“, sondern Todesfälle in Haft
Der Bericht untersucht die Bedingungen in ICE-Haftzentren zwischen 2009 und Anfang 2016. Thematisiert werden unter anderem:
- medizinische Vernachlässigung
- unzureichende Versorgung bei Krankheiten
- Suizide
- strukturelle Mängel in der Betreuung von Inhaftierten
Tödliche Gewalt bei Einsätzen oder Abschiebungsaktionen ist nicht Gegenstand des Berichts.
Die Darstellung als „56 Tote durch ICE-Einsätze“ ist daher sachlich falsch.
Ein weiterer zentraler Punkt:
Die Zahl 56 bezieht sich nicht auf das Jahr 2016 allein, sondern auf mehrere Jahre der Obama-Präsidentschaft.
Die Behauptung vermischt:
- einen mehrjährigen Zeitraum
- mit einem einzelnen Amtsjahr
- und einer falschen Todesursache
Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Faktenlage.
Wie verlässlich sind die Daten?
Die im Bericht verwendeten Zahlen basieren auf:
- offiziellen ICE-Todesfalllisten
- Autopsieberichten
- internen Untersuchungen
- sowie Dokumenten, die über das US-Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) angefordert wurden
Es handelt sich also um verifizierte Daten, jedoch mit einem klar definierten Kontext: Haftbedingungen, nicht Einsätze.
Warum die Behauptung trotzdem gut funktioniert
Die Aussage wirkt auf den ersten Blick glaubwürdig, weil sie:
- eine echte Zahl nennt
- sich auf einen realen Bericht beruft
- emotional stark aufgeladen formuliert ist
Durch die falsche Verknüpfung von Zahl, Jahr und Ursache wird jedoch ein Vergleich erzeugt, der politisch nützt, aber sachlich nicht trägt.
Blick auf spätere Jahre zeigt: Vergleich hinkt
Öffentlich zugängliche ICE-Daten und Auswertungen internationaler Medien zeigen, dass es in späteren Jahren teilweise deutlich mehr Todesfälle pro Jahr im ICE-Gewahrsam gab – insbesondere bei stark gestiegenen Inhaftierungszahlen und überlasteten Haftstrukturen.
Ein direkter Vergleich zwischen einzelnen Regierungsjahren ist daher nur eingeschränkt möglich und erfordert eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Rahmenbedingungen.
Fazit
✔️ Die Zahl 56 Todesfälle ist korrekt dokumentiert.
❌ Die Darstellung als „56 Tote durch ICE-Einsätze im Jahr 2016“ ist jedoch inhaltlich und zeitlich falsch.
Die Behauptung vermischt unterschiedliche Sachverhalte und führt so zu einer irreführenden politischen Einordnung.
Faktenbarometer
🔴 Manipulativ
Eine reale Zahl wird aus dem Kontext gerissen und inhaltlich umgedeutet, um ein bestimmtes Narrativ zu stützen.
(fd)