60 Grad in Restaurantküchen

Alarm um Arbeitsbedingungen in Italien

(19.08.2026) Diskussionen gibt es jetzt um die Arbeitsbedingungen in italienischen Lokalen: In Restaurantküchen herrschen während der sommerlichen Hitzewelle teilweise extreme Temperaturen. Beschäftigte berichten von Messwerten von mehr als 60 Grad. Einen gesetzlich festgelegten Temperaturgrenzwert, ab dem die Arbeit in einer Küche unterbrochen werden muss, gibt es in Italien allerdings nicht.

Auf das Problem macht u.a. Restworld aufmerksam, eine auf den Arbeitsmarkt der Gastronomie spezialisierte Plattform. Seit Anfang August seien dort hunderte Meldungen aus Küchen von Lokalen im ganzen Land eingegangen. Die dokumentierten Temperaturen reichen demnach von 30 bis 51,4 Grad. In weiteren Fällen hätten Beschäftigte sogar Werte von mehr als 60 Grad gemeldet.

Tod eines Koches in der Toskana sorgt für Aufsehen

Die extreme Hitze rückt auch vor dem Hintergrund des Todes des Kochs Marco Barsi in der toskanischen Badeortschaft Forte dei Marmi in den Fokus. Barsi war dort nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch in der heißen Küche seines Restaurants gestorben.

Nach Angaben von Restworld könnten in den Sommermonaten bis zu 162.000 gastronomische Betriebe Arbeitsplätze mit besonders hoher Hitzebelastung aufweisen. Der italienische Arbeitsschutz sieht zwar allgemein angemessene Arbeitsbedingungen vor, legt jedoch keine konkrete Höchsttemperatur für Küchen fest. Auch der Beruf des Kochs gilt bisher nicht als besonders belastende Tätigkeit im Sinne der Regelungen für sogenannte Schwerarbeit beziehungsweise belastende Arbeiten.

Restworld fordert Eingreifen der Regierung

Restworld fordert deshalb die Regierung zum Handeln auf. Die Organisation schlägt unter anderem einen Fonds vor, mit dem gastronomische Betriebe ihre Arbeitsplätze besser gegen extreme Hitze absichern können. "Das Management des Risikos für die Beschäftigte bleibt den individuellen Bewertungen der Unternehmen überlassen", kritisierte Restworld-Gründer Luca Lotterio. Auch eine Anerkennung der Arbeit in Restaurantküchen als besonders belastende Tätigkeit müsse Italien nach seiner Ansicht diskutieren.

Die Stadt Mailand hat kürzlich eine Verordnung zum Schutz von Essenslieferanten vor extremer Hitze erlassen. Demnach soll die Zuweisung von Lieferaufträgen während der heißesten Tageszeit zwischen 12.30 Uhr und 16.00 Uhr reduziert oder ausgesetzt werden. Die Regelung gilt bis zum 23. September. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen, die Lieferdienste über digitale Plattformen mit Fahrradkurieren organisieren, verwalten, vermitteln oder in Auftrag geben, ihre Beschäftigten rechtzeitig über das tägliche Hitzerisiko zu informieren. Zudem müssen sie die Vergabe von Lieferaufträgen zwischen 12.30 Uhr und 16.00 Uhr durch einen automatischen Stopp oder eine Verlangsamung des Zuweisungsalgorithmus einschränken oder aussetzen.

(mt/apa)

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