Asbest im Burgenland
Auch in der Steiermark?
(16.02.2026) Heute hat sich der burgenländische Landtag in einer von der ÖVP beantragten Sondersitzung mit den Asbestfunden der Umweltschutzorganisation Greenpeace an mehreren Standorten im Mittel- und Südburgenland auseinandergesetzt. ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl unterstellte dabei der Landesregierung den "Versuch, die Situation kleinzureden". Die Regierungsparteien SPÖ und Grüne wiesen die Vorwürfe zurück.
Strobl sah vor allem die Grünen in der Pflicht. Dass etwa in der letzten Landtagssitzung Grünen-Klubobmann Wolfgang Spitzmüller Greenpeace "Übertreibung unterstellt" habe, sei bemerkenswert, meinte er. Für ihn haben die Grünen ihre "politische Existenzberechtigung verloren". Die vom Land eingesetzte Taskforce wiederum ersetzt seiner Ansicht nach "kein funktionierendes Krisenmanagement und keine politische Verantwortung". Strobl verwies außerdem darauf, dass es bereits vor einem halben Jahr Hinweise auf eine mögliche Asbestproblematik im Südburgenland gegeben habe: "Es stellt sich die Frage, warum die Landesregierung nicht schon damals gehandelt hat." Die ÖVP forderte unter anderem flächendeckende Kontrollen, die Offenlegung aller Prüfergebnisse, eine offene Kommunikation und Maßnahmen, dort wo nötig.
SPÖ und Grüne weisen Vorwürfe zurück
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) sprach sich für eine "ruhige, sachliche Vorgangsweise ohne Panikmache" aus. Die Landesregierung nehme ihre Verantwortung ernst, indem sie die Taskforce eingesetzt habe. Sie selbst habe im Juli 2025 von Luftmessungen bei einem Steinbruch gehört, in weiterer Folge wurde auch behördlich geprüft. Den zeitlichen Ablauf erklärte sie damit, dass Steinbruchbetreiber ihre Parteienstellung geltend machen können. Haider-Wallner bekräftigte außerdem ihre Forderung, auf Bundesebene Gesetzeslücken zu schließen. Scheinbar hat Greenpeace jetzt auch Asbest in der Steiermark gefunden. Dazu gibt es vorerst noch keine weiteren Stellungnahmen.
Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) betonte ebenfalls, dass die Landesregierung mit der Gründung der Taskforce "sehr rasch reagiert hat". Wie Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bereits versichert habe, nehme man alle Handlungsempfehlungen dieser an, sobald sie vorliegen. Er appellierte ebenso: "Hören wir auf, das Thema zu skandalisieren."
FPÖ warnt vor Unternehmensschließungen
Grünen-Klubobmann Spitzmüller wies den Vorwurf, er hätte Greenpeace Übertreibung vorgeworfen, zurück. Greenpeace leiste gute Arbeit, sei in diesem Fall aber wohl einen Schritt zu weit gegangen. Nicht das Material selbst sei problematisch, da es sich um gebundenes handle: "Loses Material ist ganz was anderes." Die FPÖ ortet dringenden Erklärungsbedarf. So seien zum einen vier Steinbrüche per Mandatsbescheid geschlossen worden, die Landesregierung betone aber, es bestehe keine akute Gefahr, so Mandatar Markus Wiesler. Das Asbestvorkommen sei bereits früher aktenkundig gewesen, es stelle sich daher die Frage, ob Behördenversagen vorliegt. Der Freiheitliche warnte weiters vor etwaigen Unternehmensschließungen, wodurch Arbeitsplätze verloren gehen würden. Sollte sich herausstellen, dass Greenpeace "völlig überzogene Panikmache" betrieben habe, müsse man die Organisation zur Verantwortung ziehen, forderte Wiesler.
Taskforce: Fundierte Erkenntnisse
Die eingesetzte Taskforce bestehe aus Experten aus den Bereichen Umweltmedizin, Geologie, Ziviltechnik und Recht und arbeite seit drei Wochen auf Hochtouren an der Planung und Durchführung umfangreicher Messungen im Zusammenhang mit einer möglichen Asbestbelastung, hieß es in einer Aussendung des Landes. Sie setze auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, aus denen ein Maßnahmenplan abgeleitet werden soll, und nicht auf "wirkungslose Schnellschüsse". Die Bezirksverwaltungsbehörden seien mit der vorübergehenden Schließung der Steinbrüche ihrer Verpflichtung nachgekommen, bei einer möglichen Gefährdung Sofortmaßnahmen zu setzen und umgehend ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. "Die Schließung dieser vier Betriebe erfolgte keinesfalls leichtfertig, sondern ausschließlich im Sinne des Vorsorgeprinzips und des Gesundheitsschutzes", wurde festgehalten.
(fd/apa)