Atom-Abrüstungsvertrag endet
Neue Bedrohung?
(05.02.2026) Mit dem Auslaufen des letzten großen Abrüstungsvertrags „New Start“ endet am Mittwoch nach mehr als 50 Jahren die Ära vertraglich geregelter Rüstungskontrollen zwischen den USA und Russland. Moskau wirft Washington vor, einen Vorschlag von Präsident Wladimir Putin zur vorläufigen Fortführung der Rüstungsobergrenzen ignoriert zu haben, zeigt sich jedoch weiterhin gesprächsbereit.
Russland kritisiert USA scharf
„Im Grunde werden unsere Ideen bewusst ignoriert“, erklärte das russische Außenministerium. Die US-Regierung habe nicht offiziell auf den Vorschlag reagiert, den Vertrag für ein weiteres Jahr einzuhalten. Auch öffentliche Äußerungen aus Washington ließen laut Moskau nicht erkennen, dass die USA zu einer Verlängerung bereit gewesen wären. Russland gehe daher davon aus, dass beide Seiten künftig nicht mehr an die vertraglichen Verpflichtungen gebunden seien und frei über ihr weiteres Vorgehen entscheiden könnten.
Das „New Start“-Abkommen begrenzte die Zahl der stationierten strategischen Atomsprengköpfe auf jeweils 1.550. Unterzeichnet wurde der Vertrag 2010 von den damaligen Präsidenten Barack Obama und Dmitri Medwedew. Präsident Putin hatte die Umsetzung durch Russland jedoch bereits 2023 ausgesetzt – als Reaktion auf die militärische Unterstützung der USA für die Ukraine.
Moskau kündigt „verantwortungsvolles“ Handeln an
Trotz des Vertragsendes wolle Russland „verantwortungsvoll und umsichtig“ handeln, erklärte das Außenministerium. Grundlage dafür sei eine umfassende Analyse der US-Militärpolitik und des strategischen Umfelds. Gleichzeitig warnte Moskau, man sei bereit, „entschlossene militärtechnische Gegenmaßnahmen“ zu ergreifen, sollten neue Bedrohungen für die nationale Sicherheit entstehen. Diplomatische Lösungen zur Stabilisierung der Lage blieben jedoch möglich.
Aus Washington lag zunächst keine offizielle Stellungnahme vor. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt gefordert, China in künftige Rüstungskontrollabkommen einzubeziehen. Peking lehnt dies ab, auch Moskau hält eine Beteiligung Chinas für unnötig. Das Weiße Haus erklärte lediglich, Trump werde zu einem selbst gewählten Zeitpunkt über das weitere Vorgehen entscheiden.
Experten warnen vor neuem Rüstungswettlauf
Internationale Experten befürchten, dass das Ende von „New Start“ einen neuen nuklearen Rüstungswettlauf auslösen könnte – auch vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung Chinas. Matt Korda von der Federation of American Scientists erklärte, beide Seiten könnten ihre einsatzbereiten Atomwaffenarsenale theoretisch verdoppeln, auch wenn dies mit hohen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden wäre.
Angesichts der wachsenden Unsicherheit appellierte Papst Leo XIV. an beide Atommächte. Es sei „dringender denn je“, die Logik der Angst und des Misstrauens durch eine gemeinsame Ethik zu ersetzen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei seiner wöchentlichen Audienz am Mittwoch.
(fd/apa)