Autobiografie auf Knopfdruck?
Super-Gedächtnis eines 13-jährigen
(03.07.2026) Auf der italienischen Insel Sizilien ist ein 13-jähriger Junge entdeckt worden, der bis jetzt als der jüngste dokumentierte Fall mit Hyperthymesie, sprich einem autobiografischen Super-Gedächtnis, vermerkt worden ist. Damit verschiebt sich die bis jetzt angedachte Grenze, ab welchem Alter dieses Phänomen auftreten kann in der Wissenschaft.
Hypterhytmesie, im Englischen auch bekannt als HSAM (Highly Superior Autobiographical Memory), bezeichnet die Fähigkeit einer Person nahezu jeden Tag ihres Lebens exakt abrufen zu können. Der Fakt, dass diese “Superpower” bist jetzt nur bei Erwachsenen aufgetreten ist, macht den Fall des mittlerweile 15-jährigen Italieners zu einem Besonderem. Die Verbreitung dieser Fähigkeit in der Bevölkerung ist nur schwer nachweisbar, da bisher nur wenige Fälle ausreichend dokumentiert worden sind.
Mutter wurde darauf aufmerksam
Bemerkt hat die Mutter die ungewöhnliche Fähigkeit ihres Sohns, denn ihr ist aufgefallen, wie detailreich er sich an vergangene Ereignisse erinnern kann. Daraufhin hat sie ihn für genauere Tests zur Wissenschaft gebracht im Alter von 13 Jahren.
Eine Gruppe um Valerio Santangelo von der Sapienza-Universität Perugia und Patrizia Campolongo von der Sapienza-Universität Rom nahm sich 2024 dem Fall an und hat anschließend im Fachjournal Cortex darüber berichtet.
Hyperthymesie nicht gleich fotografisches Gedächtnis
HSAM darf aber nicht mit einem fotografischen Gedächtnis verwechselt werden: Die Fähigkeit beschränkt sich dabei ausschließlich auf die eigene Biografie und kann nicht auf andere Gedächtnisleistungen übertragen werden. So schneiden Personen mit dieser Fähigkeit bei klassischen Gedächtnistests genauso ab wie der Durchschnittsmensch.
Während viele Menschen sich mithilfe von Fotoalben an wichtige Ereignisse und Erlebnisse aus ihrem Leben erinnern können, bleiben die Eindrücke bei Menschen mit Hyperthymesie ohne jegliche Hilfe exakt im Kopf. Dabei geht es insbesondere um die chronologische Genauigkeit, die Geschwindigkeit des Abrufs und der Detailreichtum innerhalb einzelner Episoden.
Allerdings sind diese Erinnerungen nicht auf Knopfdruck abrufbar und können Betroffene durchaus im Alltag belasten, wenn sie beispielsweise eine unkontrollierbare Assoziationsflut erleiden.
(DerStandard/ve)