CoV-Telegram-Netzwerk aktiv

Immer noch Verschwörungstheorien

(23.04.2024) Während der Pandemie ist im Messenger-Dienst Telegram ein Netzwerk von Maßnahmengegnern entstanden, in dem Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus eine Rolle spielen. Dieses Netzwerk gibt es weiterhin, zeigt ein Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen. Geteilte Inhalte richten sich häufig gegen Minderheiten, etablierte Medien und politische Institutionen. Das Gefährdungspotenzial für einzelne Gruppen steige dadurch, sagte Studienautor Philipp Pflegerl.

Die Bundesstelle hat von Jänner 2020 bis September 2023 287 öffentliche Telegram-Kanäle aus Österreich untersucht, die der Corona-Protestbewegung zugerechnet werden können. Dieses heterogene, aber stark verbundene Netzwerk sei parallel zu den Demonstrationen auf den Straßen entstanden, erklärte Studienautor Felix Lippe vor Journalisten. Gab es im März 2020 noch etwa 40 Kanäle in diesem Netzwerk, waren es im September 2023 fast 300.

In der Corona-Protestbewegung waren dabei nicht nur Kanäle aktiv, die primär Coronamaßnahmen-Gegnern zugeordnet werden, sondern auch solche aus den Bereichen Rechtsextremismus, "alternative Medien", Esoterik und Spiritualität, Parteipolitik und Verschwörungsmilieus. Oft geteilt wurden Beiträge "alternativer Medien" wie "Report24", "Info-Direkt" oder "Auf1", der mit derzeit fast 270.000 Abonnentinnen und Abonnenten der reichweitenstärkste untersuchte Kanal war. Aber auch rechtsextreme Kanäle, etwa jener des ehemaligen Identitären-Chefs Martin Sellner, oder Kanäle von "Influencern" aus der Zeit der Coronademos wie Martin Rutter hatten Einfluss. Im Netzwerk repräsentiert waren außerdem politische Player wie die Impfgegner-Partei MFG oder die maßnahmenkritische FPÖ.

Krisen würden im Netzwerk häufig mit Verschwörungstheorien erklärt, den Menschen würde Angst gemacht. So gebe es etwa die Idee, eine globale Elite wolle der Menschheit schaden, sie eventuell sogar abschaffen oder versklaven, erklärte Pflegerl. Medien und Politik würden mit ihr unter einer Decke stecken, so die Erzählung. Aufeinanderfolgende Krisen wie die Pandemie oder der Klimawandel würden von dieser Elite erzeugt, um totalitäre Maßnahmen umzusetzen. Verschwörungstheoretische und extremistische Inhalte würden nun viel mehr Menschen erreichen, sagte Bundesstellen-Geschäftsführerin Ulrike Schiesser - etwa Personen aus dem Esoterikbereich, die nur durch Corona-Maßnahmen-kritische Kanäle auf diese Milieus gestoßen sind.

Mittlerweile habe die Zahl der Aufrufe der Kanäle wieder abgenommen, erklärte Lippe. Diese erreichten im Jänner 2022 mit rund neun Millionen pro Tag ihren Höhepunkt, im April 2023 gingen sie auf vier Millionen zurück. Noch im März 2020 - zu Beginn der Pandemie - lagen sie bei 100.000. Die in den Kanälen verbreiteten Themen seien indes diverser geworden. Neben Corona wird etwa über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gepostet - in der Regel mit russlandfreundlicher Haltung. Der Klimawandel, Asyl und Migration oder LGBTIQ-Personen werden ebenso thematisiert. Überhaupt würden sich die Poster in den Kanälen oft gegen Minderheiten, aber auch Massenmedien, Politiker und politische Institutionen richten und diese delegitimieren.

Profitiert hätten vor allem "alternative Medien", sagte Lippe. Sie können ihre Reichweite weitgehend halten. Die Bewegung kämpfe indes damit, relevant zu bleiben. Gibt es einen Anlassfall, könne das Netzwerk aber jederzeit wieder verstärkt genutzt werden, erklärte Schiesser.

Unterstützt wird das Forschungsprojekt, deren erste Ergebnisse heute im Bericht veröffentlicht wurden, vom Bundeskanzleramt. Im Rahmen des Projekts soll außerdem ein Online-Monitoring-System zu Entwicklungen im Bereich Verschwörungstheorien im digitalen Raum aufgebaut werden. Ein ständiges Monitoring dieser Diskurse wäre wichtig, meinte Schiesser. Sie empfiehlt außerdem präventive Maßnahmen im Bereich Medienkompetenz. Diese dürfe aber nicht nur in Schulen stattfinden, da sich in den Telegram-Kanälen vielfach Personen ab 40 Jahren aufhalten.

Soziale Netzwerke selbst könnten mit Strategien wie "Deplatforming", dem Ausschließen bestimmter Personen aus Sozialen Netzwerken, reagieren. Schließlich seien Rechtsextreme und Corona-Maßnahmengegner vor allem deshalb auf Telegram gelandet, weil sie in anderen sozialen Medien gesperrt wurden, erklärten Lippe und Schiesser. Auf Telegram würden Inhalte nicht systematisch gelöscht, Kanäle nicht systematisch blockiert.

(apa/mc)

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