Demo vor Volksschule

Voitsberg: Test im Freien

(18.01.2022) Aufregung um Demo: Rund 50 bis 70 Personen haben Heute früh vor jener Voitsberger Volksschule demonstriert, in der ein Neunjähriger in der Vorwoche einen Test im Freien vor dem Klassenfenster geschrieben hatte. Sein Maskenbefreiungsattest war von der Schulleitung infrage gestellt worden. Heute verkündeten nun die Demo-Organisatoren: Man melde sich gegen Ausgrenzung zu Wort und setze "ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Grundrechte".

Kritik an Test im Freien

In den Sozialen Medien im Internet war in der Vorwoche ein Foto eines Kindes, das in einem Schulinnenhof vor dem offenen Fenster einer ebenerdigen Schulklasse schreibt, tausendfach weitergeschickt worden. Der maskenbefreite Schüler sei "wie ein Aussätziger" behandelt worden, kritisierte ein Politiker der FPÖ in einer Aussendung am vergangenen Donnerstag. Am Dienstag haben nun etliche Demonstranten unter dem Motto "Voitsberg - die rote Linie ist überschritten" ihren Ärger zum Ausdruck gebracht.

Die Polizei wies die Versammlungsteilnehmer via Lautsprecherdurchsagen mehrfach auf die Einhaltung der Covid-Schutzmaßnahmen (FFP2-Schutzmaskenpflicht) hin, auch diesbezügliche Kontrollen wurden durchgeführt. Zu groben Ausschreitungen sei es nicht gekommen, dennoch werde es Anzeigen geben, hieß es in einer ersten Zusammenschau vonseiten der Landespolizeidirektion Steiermark.

Demo Schule Leibnitz

Gegen 7.00 Uhr hatten sich laut erster Schätzung der Polizei 50 bis 70 Menschen vor der Schule versammelt. Vom eigentlichen Schulgelände wurden die coronamaßnahmenkritischen Demonstrierenden über ein Scherengitter ferngehalten, das von der Exekutive gesichert wurde. Man demonstriere "gegen diktatorisches Umsetzen der Vorgaben des Bundes an dieser Schule", wie Organisator Gottfried Hermann bereits im Vorfeld gegenüber der APA sagte. "Wir wollen nicht noch mehr Unruhe in die Sache bringen und schon gar nicht Kinder instrumentalisieren oder erschrecken, aber es geht darum, Missstände aufzuzeigen. Nichtgeimpfte werden in die Impfung gedrängt. Schützen wir die Kinder vor den Maßnahmen, die ihnen zugemutet werden", so der weststeirische Organisator.

Kinder waren verstört

Dienstagfrüh waren dann die Lautsprecher direkt auf die Schule gerichtet. "Es waren schreiende Stimmen hörbar, die Kinder waren verstört", berichtete Hermann Zoller, Leiter des Bereichs Pädagogischer Dienst der Bildungsdirektion Steiermark, der vor Ort war. Die Schule werde die gesamte Woche hinweg unterstützt, so Zoller: Die Kinder erhalten psychosoziale Betreuung und behutsame pädagogische Begleitung, wurde betont.

Schule mit "Shitstorm" konfrontiert

Der Schulkomplex war Dienstagfrüh bereits früher als sonst für Kinder und Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, zugänglich. "Es liegen keine Gründe vor, die Versammlung zu untersagen", so Bezirkshauptmann Hannes Peißl im Vorfeld gegenüber der APA - auch wenn in den vergangenen Tagen in den Sozialen Medien ein "Shitstorm" über die Schulleitung hereingebrochen sei: "Da waren gefährliche Drohungen darunter, Teile des Lehrpersonals fühlen sich bedroht", erklärte der Bezirkshauptmann. Den Schülern und dem Lehrpersonal wurde eine Ausweichmöglichkeit geschaffen. Gegen 9.00 Uhr löste sich die Versammlung wieder auf.

Schulen durch Pandemie gefordert

Hermann Zoller räumte als Vertreter der Bildungsdirektion Steiermark am Dienstag abermals ein, dass die Vorgangsweise der Volksschule bei der Durchführung des Test "pädagogisch sehr unglücklich" gewesen sei. "Schulen sind durch die Pandemie sehr gefordert: Das Lehrpersonal hatte auf der einen Seite die Sicherheit und Gesundheit der Kinder im Fokus, auf der anderen Seite wollten sie auf das heftige Drängen des Vaters und den Wunsch des Schülers eingehen und Rücksicht nehmen. In so einer Situation hätte man dem Drängen nicht nachgeben dürfen und man hätte den Lernbeweis einfach ablehnen müssen", räumte Zoller ein. Ein Wiener Kinderschutzverein lässt nunmehr über eine Anwaltskanzlei den Vorfall hinsichtlich Verletzung der Aufsichtspflicht prüfen.

Thema im steirischen Landtag

Am späteren Vormittag thematisierte FPÖ-Klubobmann Mario Kunasek im steirischen Landtag die Causa in einer Befragung von Bildungslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) mit dem Titel "Skandalöses Vorgehen an steirischer Volksschule: Kind mit Maskenbefreiung muss Schularbeit im Freien schreiben". Sie wundere sich, sagte die Landesrätin u.a., dass die Anfrage nicht zurückgezogen wurde, da der Sachverhalt ja inzwischen aufgeklärt wurde. "Würden Sie Fotos von Ihrem Kind in soziale Netzwerke stellen? Das Kind hat bis Weihnachten Maske getragen. Die Eltern haben den Schulwechsel eingeleitet", so die Landesrätin mit einer Gegenfrage.

Am Ende sind alle Verlierer

Der Bub habe an der Schule Freundschaften geschlossen und habe Solidarität erfahren, weil er nun die Schule wechseln müsse, habe er Geschenke von seinen Mitschülern bekommen, dabei sei er in Tränen ausgebrochen, schilderte sie. "Die Vorgangsweise ist aus pädagogischer Sicht sicher unglücklich gewesen, am Ende bleiben nur Verlierer. Die Direktorin wird überflutet mit Hassmails, die Lehrer haben nur versucht alles richtig zu machen", sagte Bogner-Strauß.

Kind instrumentalisiert

Das betroffene neunjährige Kind sei laut Kinder- und Jugendanwaltschaft instrumentalisiert worden. Bei der Demo sei trotz gegenteiliger Vereinbarung in Richtung Schule mit dem Megafon skandiert worden, Kinder hätten von Angst gesprochen, die Schule zu betreten, bei so viel Lärm. "Alle Betroffenen werden unter Nennung ihrer Namen durch die Manege der asozialen Netzwerke getrieben, die Gesichter erkennbar. Ein neunjähriges Kind als Spielball von Erwachsenen", wurde Bogner-Strauß eindringlich.

Bub war vom Präsenzunterricht freigestellt

Kunasek sprach u.a. von einer "vertanen Chance", zu erfahren, wie so etwas in Zukunft zu verhindern sei. "Was wollen wir vermeiden?", fragte Bogner-Strauß zurück. "Dass es zu so etwas kommt, um aufgebauscht zu werden und seit einer Woche zehn Schulpsychologen dort sein müssen, um den Kindern zu helfen?" Das Kind sei vom Präsenzunterricht freigestellt gewesen, die Eltern seien trotzdem mit dem Neunjährigen zur Schule gekommen. "Dieser Vorfall hat viel mehr ausgelöst, als er hätte auslösen müssen", sagte die Landesrätin.

(fd/apa)

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