Drogentod in Wien
Frau (22) ist erstickt!
(07.01.2026) Nach dem Tod einer 22-jährigen Frau infolge einer Drogenüberdosis hat am Mittwoch am Wiener Landesgericht der Prozess gegen einen 29-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord durch Unterlassen der gebotenen Hilfeleistung vor. Er soll den lebensbedrohlichen Zustand der jungen Frau erkannt, jedoch keine Hilfe geleistet haben.
„Er ließ sie hilflos und sterbend in der Wohnung zurück“, hielt die Staatsanwältin dem mehrfach vorbestraften Angeklagten vor.
22-Jährige stirbt nach Drogenparty in Wien-Favoriten
Die junge Frau starb in der Nacht auf den 23. Oktober 2024 in Wien-Favoriten an den Folgen einer Überdosis. Sie hatte sich gemeinsam mit ihrem damaligen Freund (18) und dem 29-Jährigen in der Wohnung ihrer im Ausland befindlichen Tante getroffen. Im Laufe des Abends wurden Suchtmittel konsumiert.
Laut Anklage soll der 29-Jährige Morphiumtabletten aufgelöst und der 22-Jährigen das Suchtgift in die Armbeuge injiziert haben.
Angeklagter bestreitet Schuld: „Ich dachte nicht, dass sie sterben könnte“
Der Angeklagte wies die Vorwürfe vor Gericht zurück.
„Ich dachte nicht, dass sie sterben könnte. Gott ist mein Zeuge“, sagte der Mann. Er behauptete, die junge Frau habe sich das Morphium selbst injiziert.
„Jeder müsse selbst wissen, in welcher Geschwindigkeit er den Flash will“, erklärte er.
„Meines Erachtens hat sie normal geatmet“
Kurz nach dem Konsum habe die 22-Jährige plötzlich nicht mehr reagiert. Man habe sie auf den Boden gelegt und ihre Vitalwerte überprüft.
„Meines Erachtens hat sie normal geatmet. Stabil“, so der 29-Jährige.
Er habe den 18-Jährigen angewiesen, aus einer Telefonzelle die Rettung zu rufen und in einer Nachtapotheke Naloxon, ein Gegenmittel bei Opioid-Überdosierungen, zu besorgen.
Angeklagter verließ Wohnung – Frau starb zurückgelassen
Statt selbst Hilfe zu leisten, verließ der 29-Jährige jedoch die Wohnung und fuhr zu seiner Freundin.
„Ich war panisch. Ich bin davon ausgegangen, dass die Rettung bald da ist“, erklärte er. Er habe sich auf den 18-Jährigen verlassen.
Die Staatsanwältin sieht das anders:
Der Mann sei erfahren im Umgang mit Drogen gewesen und habe gewusst, wie lebensgefährlich der Zustand der Frau war.
„Ihr Tod hätte mit Sicherheit verhindert werden können“, so die Anklage.
Todesursache: Atemlähmung durch Morphinvergiftung
Ein gerichtsmedizinisches Gutachten ergab, dass die 22-Jährige an einer Atemlähmung infolge einer Morphinvergiftung starb.
Die Staatsanwältin ist überzeugt:
„Er hat ihren Tod bewusst in Kauf genommen.“
Auch Freund der Verstorbenen angeklagt
Mitangeklagt ist der inzwischen 19-jährige Freund der Toten. Ihm wird jedoch nicht Mord, sondern Unterlassung der Hilfeleistung (§ 95 StGB) vorgeworfen. Der bislang unbescholtene Mann bekannte sich schuldig.
Er habe zwar versucht zu helfen, aber nicht gewusst, wie Erste Hilfe funktioniert. Statt die Rettung direkt zu alarmieren, sei er mit einem Roller auf der Suche nach einer Nachtapotheke gewesen.
Leiche am nächsten Tag gefunden
Als der junge Mann später zur Wohnung zurückkehrte, öffnete niemand mehr. Erst am Abend des 23. Oktober kontaktierte er die Mutter der 22-Jährigen. Polizei und Feuerwehr öffneten daraufhin die Wohnung – die junge Frau lag tot vor der Couch. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.
(fd/apa)