Entspannung bei Hochwasser

Angst vor neuem Regen

(09.08.2023) Eine Verschnaufpause, die hoffentlich anhält. Die Lage in den südösterreichischen Hochwassergebieten hat sich bis heute weiter entspannt. Die Zivilschutzwarnungen in Kärnten wurden teilweise aufgehoben. Für den Abend werden neuerliche Regenschauer in Kärnten prognostiziert, punktuell seien wieder Überschwemmungen möglich, hieß es vom Land nach der Sitzung des Krisenstabs. Ein Pflegeheim im südsteirischen Kaindorf an der Sulm musste erneut evakuiert werden.

In Kärnten hat es am Mittwochnachmittag noch einen Rettungseinsatz in Zusammenhang mit dem Hochwasser gegeben. Die Freiwillige Feuerwehr führte in Maria Saal Sicherungsarbeiten an einem Hochwasserabflussgerinne durch, weil ein Damm zu brechen drohte. Direkt vor den Augen der Feuerwehrleute kam plötzlich eine 32-jährige Frau aus dem Bezirk St. Veit mit ihrem Auto wegen Sekundenschlafs von der L71 ab und stürzte in den Hochwasserabfluss, der zu diesem Zeitpunkt einen Wasserstand von zwei Metern führte. Die Feuerwehrmitglieder sprangen sofort ins Wasser und bargen die Lenkerin, die lediglich leicht verletzt wurde, teilte die Polizei mit.

Diskutiert wurde angesichts der Katastrophenschäden über eine Aufstockung der finanziellen Hilfen. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) stellte in einer Aussendung eine Höherdotierung des Katastrophenfonds in Aussicht. "Wenn wir das Ausmaß der Schäden kennen und eine Aufstockung der Finanzmittel des Bundes notwendig ist, dann werden wir das tun", so Nehammer. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) berichtete von einem Gespräch mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), in dem er für mehr Geld zur Katastrophenhilfe appelliert habe. "Dabei geht es nicht zuletzt auch darum, präventiv mehr notwendige Gerätschaften anzukaufen, um in Zukunft noch schneller Hilfe vor Ort leisten zu können und damit bessere Arbeitsbedingungen für die Einsatzkräfte zu schaffen." Vonseiten des Landes wurden zehn Millionen Euro Hilfen für Gemeinden zur Wiederherstellung der Infrastruktur angekündigt, darüber hinaus werden Gemeinden zinslose Kredite angeboten.

Das Land Kärnten gab heute bekannt, sich mit Spendenorganisationen abzustimmen, es wurde aufgerufen, nur an offizielle Organisationen zu spenden. Außerdem wird eine Soforthilfe für Unwetteropfer angeboten, sie ist gestaffelt nach Schadenshöhe und wird in Höhe von 1.000 bis maximal 10.000 Euro ausbezahlt. Gemeinde- und Städtebund haben unterdessen "massive weitere Hilfen des Landes" gefordert, um beschädigte Infrastruktur in den Gemeinden wieder aufzubauen. Wegen fehlender Einnahmen und unverschuldeter Kostensteigerungen würden vielen Gemeinden bereits jetzt die liquiden Mittel fehlen. Konkret fordert man die dem Land zufließenden Beihilfenrückzahlung von TUIfly in der Höhe von 9,3 Millionen Euro sowie eine höhere Dotierung des Katastrophenfonds durch den Bund.

Klagenfurt

In Klagenfurt werden nach wie vor Keller ausgepumpt, der Grundwasserstand war weiterhin sehr hoch. Die Wörthersee-Ostbucht mit dem Klagenfurter Strandbad war inzwischen wieder befahrbar. Die gesperrte Straße wurde am Mittwoch in der Früh wieder freigegeben, das Strandbad und das Lorettobad bleiben vorerst geschlossen. Wolfgang Germ von der Berufsfeuerwehr sagte auf APA-Anfrage, dass in Klagenfurt derzeit noch 80 Einsätze offen seien. Einige Tiefgaragen seien noch geflutet, außerdem zahlreiche Keller. Es werde noch Tage dauern, für Sonntagabend sei die vorerst letzte Sitzung des Krisenstabs geplant.

Zivilschutz-Warnungen

Zivilschutz-Warnungen gab es in Kärnten weiterhin für Teile der Gemeinden Eisenkappel-Vellach, Globasnitz und Neuhaus (Bezirk Völkermarkt). Jene für Keutschach (Klagenfurt-Land) sowie Lavamünd (Wolfsberg) wurden am Nachmittag aufgehoben, berichtete der ORF. Die Gefahr von Hangrutschungen bestand nach wie vor, es wurden auch immer wieder neue Schadstellen gemeldet. Neue Regenfälle könnten die Situation verschärfen. Zur Unterstützung der fünf Kärntner Landesgeologen wurden acht Geologen aus der Privatwirtschaft engagiert, um das Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Am Wörthersee wurde das Motorboot-Verbot aufgehoben, allerdings gilt nun eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Kilometer pro Stunde. Ausgenommen sind Einsatzboote und die Linienschifffahrt. Es gehe darum, Wellenschlag zu vermeiden, der im Uferbereich gefährliche Sogwirkungen entfalten könne, hieß es seitens des Landes.

Assistenzeinsatz des Bundesheers

Der Assistenzeinsatz des Bundesheers in Kärnten lief mit 130 Soldatinnen und Soldaten sowie zwei Hubschraubern weiter. Erkundungs- und Transportaufgaben wurden abgearbeitet, sagte ein Sprecher. Eine Behelfsbrücke in Neuhaus werde voraussichtlich am Mittwoch fertiggestellt, Ortschaften am Motschulaberg seien dann wieder über den Landweg erreichbar. Die Arbeiten an einer 50-Tonnen-Fähre über die Drau, um schweres Gerät in die abgeschnittene Ortschaft Unterguntschach zu bringen, werde voraussichtlich bis Ende der Woche dauern. Unterbergen bei Völkermarkt wird seit Dienstag mit schwerem Pioniergerät von Muren und Geröll freigeräumt.

Südsteiermark

In der Südsteiermark laufen die Aufräumarbeiten ebenfalls weiter, doch in mehreren Ortschaften gibt es wegen verschmutzter Brunnen derzeit kein frisches Trinkwasser. In Lichendorf, Oberschwarza, Unterschwarza und Weitersfeld an der Mur wurde das Grundwasser durch die Überschwemmungen über weite Teile verunreinigt. Mit 65 Haushalten ist Lichendorf am stärksten betroffen. Trinkwasser kann dort weiterhin nur aus angeliefertem Frischwasser bezogen werden. Coca-Cola Österreich hat nun 2.000 Liter Mineralwasser zur Unterstützung der kurzfristigen Versorgung gespendet. Das Rote Kreuz organisierte Transport und Anlieferung. Das in 1,5-Liter-Flaschen abgefüllte Mineralwasser wurde vom Rotem Kreuz Mittwochvormittag am Vorplatz der Freiwilligen Feuerwehr Lichendorf an Reinhold Höflechner, Bürgermeister der Gemeinde Straß, übergeben. Eine Trinkwasserausgabestelle für die Bevölkerung wurde eingerichtet

EU-Kommissionschefin

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen berichtete auf Twitter, sie habe sich bei Bundeskanzler Nehammer über die Lage in den Kärntner und Steirer Katastrophengebieten informiert. "Respekt vor den betroffenen Menschen und den nimmermüden Rettungskräften. Und ein großer Dank an Österreich für Hilfsangebote an seine ebenfalls betroffenen Nachbarn. Das ist europäische Solidarität." Seit Mittwoch operieren von Klagenfurt aus zwei Hubschrauber des Bundesheeres in Slowenien. Sie führen in Abstimmung mit der Krisenkoordination der slowenischen Streitkräfte Erkundungsflüge in der besonders stark vom Unwetter betroffenen Region Dravograd-Mežica-Črna na Koroškem durch. Außerdem sollen dringend benötigte Güter wie Lebensmittel, Medikamente und Trinkwasser in abgeschnittene Ortschaften geflogen werden.

(fd/apa)

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