Graz: Paket war Sprengsatz

südlich von Graz

(30.03.2024) Bei den Zeugen Jehovas in Kalsdorf südlich von Graz ist Freitagabend rund um einen Gottesdienst mit etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein funktionstüchtiger Sprengsatz abgelegt worden. Die Polizei rückte mit schwerem Gerät an, um ihn zu bergen. Am Karsamstag entpuppte sich die Lage als "sehr ernst": Das Paket hätte "potenziell großen Schaden anrichten können", so Polizei-Sprecher Markus Lamb.

Der zunächst nur verdächtige Gegenstand war gegen 20.30 Uhr von Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft im Eingangsbereich eines Königreichssaals der Zeugen Jehovas gefunden worden. Sie riefen bei der Polizei an, die umgehend das Areal großräumig absperrte und die Sprengstoffexperten (SKO) anforderten. Auch Sprengstoff-Spürhunde sowie die Bereitschaftseinheit (BE) rückten zum Einsatz aus.

Bei einer ersten Begutachtung konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es sich wirklich um einen Sprengsatz handelt. Daher wurde auch der Entschärfungsdienst (ESD) der Direktion für Spezialeinheiten (DSE) hinzugezogen. Die rund 50 Personen, die sich im Gebäude aufgehalten hatten, mussten vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Sie wurden zur Feuerwehr gefahren und vom Roten Kreuz sowie dem Kriseninterventionsteam erstversorgt und betreut. Verletzt wurde niemand.

Anschließend näherten sich die Spezialisten mit Hilfe von Röntgengeräten und einem Roboter dem Paket. Auch dabei konnte keine Entwarnung gegeben werden. Entschärfungsspezialisten stellten das Paket sicher und brachten es an einen abgelegenen Ort. Dabei wurde zum Abtransport ein rund vier Tonnen schweres Spezialgerät mit Sprengstoffunterdrückungssystem verwendet, das seit der Karwoche des Vorjahres im Einsatz der Exekutive steht. Die Bergung dauerte beinahe die ganze Nacht.

"Das Paket wurde offenbar bewusst dort abgelegt", sagte Lamb schon Samstagfrüh zur APA. Bis zum Nachmittag hatte sich der Verdacht dann erhärtet: "Es handelt sich um einen unkonventionellen, selbst gebauten, aber grundsätzlich funktionstüchtigen Sprengsatz." Kriminaltechniker werden nun weitere chemische Analysen durchführen sowie Spuren am Sprengsatz sichern. Details zur Bauweise, dem verwendeten Sprengmittel oder zur Menge des Sprengmittels wolle man weiterhin bewusst aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekannt geben.

Ein Zusammenhang mit den beiden Sprengsätzen bei den Zeugen Jehovas in Leibnitz vom Vorjahr könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden, so Lamb. Eine mögliche Verbindung werde noch geprüft. Im Fall der Leibnitzer Sprengsätze gebe es indessen keine neuen Erkenntnisse. Die Ermittlungen würden weitergeführt. Ein Anfangsverdacht bei einer damals verdächtigen Person hatte sich nicht erhärtet. Seither liegen keine neuen Hinweise vor, sagte Lamb.

Bürgermeister Manfred Komericky, selbst früher bei der Cobra, sagte am Karsamstag im APA-Gespräch, dass die Einsatzkräfte die Lage sehr gut bewältigt hätten: "Es waren ausreichend Kräfte da. Polizei, Feuerwehr und Rettung waren sehr professionell", betonte er. Heikel war der Einsatz auch, weil sich der Königreichssaal der Kalsdorfer Zeugen Jehovas in einem Siedlungsgebiet befindet. Schon einige Jahrzehnte sei die Glaubensgemeinsamschaft in der Marktgemeinde verankert und "es hat noch nie Schwierigkeiten gegeben", so der Bürgermeister. Er sprach von einem "kooperativem Miteinander".

Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Steiermark ermittelt nun die Hintergründe. Befragungen werden durchgeführt und vor allem der Sprengsatz wird genau auf Spuren untersucht, die der oder die Täter möglicherweise beim Bau hinterlassen haben. Zur ohnehin bereits verstärkten Präsenz über die Osterfeiertage wurden auch zusätzliche Schutzmaßnahmen für sämtliche Objekte der Zeugen Jehovas veranlasst. Die Polizei bittet auch die Bevölkerung um vermehrte Aufmerksamkeit: Verdächtige Wahrnehmungen oder Gegenstände sollten sofort via Notruf 133 gemeldet werden.

Seitens der Zeugen Jehovas hieß es, dass man froh sei, dass niemand zu Schaden gekommen ist und die Polizei die Sache von Anfang an sehr ernst genommen habe. Die Glaubensgemeinschaft betreue nun ihre Mitglieder, weil "das macht mit jedem etwas", sagte ein Sprecher zur APA. Einige seien schockiert und es sei natürlich "beunruhigend". Bei der Veranstaltung habe es sich übrigens um einen regulären Gottesdienst gehandelt, wie er zwei Mal wöchentlich von den Zeugen Jehovas abgehalten wird. Die Feierlichkeiten rund um den höchsten Feiertag der Glaubensgemeinschaft, dem Todestag Jesu Christi, gerechnet nach dem altjüdischen Kalender, waren bereits in der Vorwoche am 24. März.

(mt/apa)

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