Brand in größtem AKW Europas

Nach russischem Beschuss

(04.03.2022) Im größten Atomkraftwerk Europas, im ukrainischen AKW Saporischschja, ist es in der Nacht auf Freitag durch russischen Beschuss zu einem Brand gekommen. AKW-Leitung und Behörden berichteten von einem Feuer in einem Schulungsgebäude. In den Morgenstunden vermeldeten der ukrainische Katastrophenschutz und das Innenministerium, dass der Brand gelöscht sei. Die Strahlungssicherheit des Kernkraftwerks sei gewährleistet, sagte der Direktor der Anlage laut Medienberichten.

Es habe dabei keine Toten oder Verletzten gegeben, teilte das ukrainische Innenministerium am Freitagmorgen auf Twitter mit. Gebrannt habe ein Trainingskomplex. Der ukrainische Zivilschutz teilte mit, bei den Löscharbeiten seien 44 Rettungskräfte im Einsatz gewesen.

Ukraine spricht von "Nuklear-Terror"

Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) erklärte, nach Angaben der ukrainischen Nuklearaufsicht sei in der Umgebung des Kraftwerks keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Die Behörde forderte ein Ende jeglicher Kampfhandlungen rund um das Atomkraftwerk und warnte vor "ernster Gefahr", sollten Reaktoren getroffen werden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland "Nuklear-Terror" vor. Kein anderes Land der Welt habe jemals Atomanlagen beschossen, sagte Selenskyj in einer in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Videobotschaft. "Der Terroristen-Staat verlegt sich jetzt auf Nuklear-Terror." Offenbar wolle Russland die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 "wiederholen".

Putin "könnte Sicherheit ganz Europas gefährden"

Durch die Kämpfe nahe des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja gefährdet der russische Präsident Wladimir Putin nach Meinung des britischen Premierministers Boris Johnson ganz Europa. Die "rücksichtslosen Aktionen" von Putin "könnten nun die Sicherheit ganz Europas direkt gefährden", sagte Johnson am frühen Freitagmorgen bei einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selenskyj.

Klimaschutzministerium: Keine Gefahr für Österreich

Nach Angaben des Klimaschutzministeriums besteht keine Gefahr für Österreich durch den Brand im ukrainischen Atomkraftwerk. Man habe "keine Meldungen über Schäden in wesentlichen Anlageteilen" erhalten. Es gebe "keine Freisetzung radioaktiver Stoffe und damit auch keine Auswirkungen außerhalb der Anlage", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums in der Nacht auf Freitag.

Nach Beginn des Artilleriebeschusses auf das ostukrainische Kernkraftwerk gegen 1.40 Uhr Ortszeit (00.40 Uhr MEZ) seien Block 2 und Block 3 des aus sechs Blöcken bestehenden Kraftwerks vom Netz genommen worden, teilte das Ministerium mit. Block 4 laufe noch; die restlichen drei Blöcke seien aufgrund von Wartungsarbeiten derzeit nicht in Betrieb. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt demnach rund 1.300 km östlich der österreichischen Grenze.

(APA/CD)

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