Inflation in Österreich
Doppelt so hoch wie in der EU
(07.01.2026) Bei uns ist die Inflation viel höher als im Rest der Eurozone. Dennoch ist sie zumindest leicht gesunken und schwächt sich etwas ab. Im Dezember betrug sie laut Schnellschätzung 3,8 Prozent, wie die Statistik Austria am heutigen Mittwoch mitteilt. Die Teuerung liegt damit erstmals seit Juli 2025 wieder unter vier Prozent. In der Eurozone sank die Inflation auf 2,0 Prozent und erreichte somit die Zielmarke der EZB. Ausschlaggebend für den Rückgang waren niedrigere Ölpreise.
Laut Statistik Austria wirkten Treibstoffe wie Benzin oder Diesel auch in Österreich preisdämpfend. Strom blieb hingegen weiter teuer. Im Schnitt legten die Energiepreise um 9,0 Prozent zu, nach 10,9 Prozent im November. Kräftigster Preistreiber war erneut der Dienstleistungsbereich. Hier stiegen die Preise im Dezember um 4,4 Prozent und damit fast genauso stark wie im November mit 4,5 Prozent. Bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol verstärkte sich der Preisauftrieb. Hier gab es im Dezember mit 4,1 Prozent einen überdurchschnittlichen Preiszuwachs, nach einem Plus von 3,6 Prozent im November.
Inflation in Frankreich bei nur 0,7 Prozent
Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt in ihrer Geldpolitik eine Inflation von zwei Prozent an. In den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, Deutschland und Frankreich, lag sie im Dezember darunter. In Frankreich sank sie auf 0,7 Prozent, in Deutschland auf 1,8 Prozent. Österreich liegt hier beim für europäische Vergleichszwecke berechneten harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bei 3,9 Prozent.
Regierung setzt sich Ziel von 2 Prozent
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) versicherte, dass die Bundesregierung Schritte zur Bekämpfung der hohen Inflation gesetzt habe. "Diese Maßnahmen werden bald Wirkung zeigen. Aber Inflation hat eine Vielzahl von Ursachen. Daher gibt es nicht den einen Knopf, auf den man drücken kann, um die Inflation automatisch zu senken", so Marterbauer. Ziel sei, die Inflation schrittweise in Richtung zwei Prozent zu senken, erklärte Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Die Oppositionspartei FPÖ prophezeite hingegen, dass die "Verlierer-Ampel" keine Antworten finden werde.
Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) machte darauf aufmerksam, dass für viele Haushalte die monatlichen Ausgaben, insbesondere für Lebensmittel, zu einer schweren Belastung geworden seien und forderte gegen den "Österreich-Aufschlag" ein Verbot von Lieferbeschränkungen.
In einem Monat wirkt der Basiseffekt
Die Nationalbank (OeNB) prognostiziert für 2026 eine Inflation von 2,4 Prozent. "In den Folgejahren wird sich gemäß unserer Prognose die Inflationsrate in Österreich weiter an das 2-Prozent-Ziel des Eurosystems sowie den Euroraum-Schnitt annähern", sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Schon in einem Monat, mit Veröffentlichung der Schnellschätzung für den Jänner 2026, wird aufgrund eines statistischen Effekts, dem sogenannten Basiseffekt, bei Strom eine "deutlich spürbare Dämpfung der gemessenen Inflation" erwartet.
Die Schnellschätzungen der Statistik Austria basieren auf dem zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bestehenden Preisdatenbestand. Normalerweise liegen schon etwa 80 bis 90 Prozent der für den Verbraucherpreisindex (VPI) erhobenen Preise vor. Der endgültige Wert für Dezember wird am 19. Jänner veröffentlicht und weicht in der Regel nur geringfügig von der Schnellschätzung ab.
(fd/apa)