Janine Flock: Gold im Skeleton
Acht Jahre nach Olympia-Drama
(15.02.2026) Acht Jahre nach ihrer bittersten Enttäuschung hat Janine Flock ihre Karriere gekrönt. Die 36-jährige Tirolerin ist im Eiskanal Eugenio Monti in Cortina d'Ampezzo zu ihrem schon einmal knapp verpassten und lange ersehnten Olympia-Gold im Skeleton gerast. "Es fühlt sich total verdient an. Ich bin extrem stolz und dankbar, dass wir sie haben", sagte die neue Olympiasiegerin.
Vor acht Jahren hatte Flock schon die Hand an der Medaille. Mit 0,02 Sekunden Rückstand war sie in Pyeongchang in den zweiten Tag gegangen, übernahm im dritten Lauf die Führung, verpatzte aber den vierten und fiel noch um 0,02 Sekunden aus den Medaillenrängen auf Platz vier. Diesmal hielten nach der Halbzeitführung die Nerven.
Nervosität vor drittem Lauf
"Ich war sehr angespannt und nervös, vor allem vor dem dritten Lauf. Da sind meine Nerven ein bisschen flach gelegen, weil ich gewusst habe, der ist für mich entscheidend. Dann ist der Druck ein bisschen weg gewesen", erzählte sie. Aus 0,04 Sek. Vorsprung waren 0,21 geworden. Auch die Gedanken an Pyeongchang vor dem letzten Lauf konnten sie nicht vom Erfolgsweg abbringen.
Ein Erfolgsfaktor ist Trainer Michael Grünberger, der im Juli 2024 zurückgekommen ist. "Wir haben mit Pyeongchang 2018 noch eine Rechnung offen gehabt mit Olympia. Wir haben das anders getitelt: Wir haben gesagt, wir haben noch eine Geschichte zum Fertigschreiben. Das hat sie heute mit einem Happy End getan, schöner kann es gar nicht sein", sagte Grünberger.
Verletzungen konnten sie nicht stoppen
Flock hatte vor zwei Jahren einen Bandscheibenvorfall, trotzte ihren Rückenproblemen, dosierte daher ihr Training und gab ihrem Körper auch nach einer im Jänner erlittenen Gehirnerschütterung Zeit zur Regeneration. Das kompensiert sie mit fahrerischem Können, eisernem Willen und viel Routine, meint Samuel Maier, seit vier Jahren ihr Trainingspartner. "Sie hat eine super Position, ist momentan die Beste. Sie hat Routine, ist oft eiskalt, da gibt es nichts, da kann dazwischen stehen, was will, da steigt sie durch", erklärte Maier.
Eine Niederlage wie in Pyeongchang "gehört zum Sport dazu", meinte Skeletoni Florian Auer, der die mentale Stärke von Flock hervorhob. "Sie weiß genau, was sie machen muss, sie hat ihren Plan, den zieht sie voll durch. Der schwarze Tag vor acht Jahren hat sie stärker gemacht. Sie ist eine Kämpferin, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen", sagte Auer. "Sie hat es sich einfach verdient."
Die Olympia-Medaille rundet ihre Karriere nun ab, davor hatte die Tirolerin bereits fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie ist vierfache Europameisterin, hat drei WM-Medaillen und dreimal den Gesamtweltcup gewonnen. Zwölf Jahre nach ihrer Olympia-Premiere hat sie ihre Erfolgssammlung nun komplettiert und dem Österreichischen Bob- und Skeletonverband die zweite Olympia-Medaille nach Silber von Martin Rettl 2002 in Salt Lake City beschert.
(APA/CD)