Jede 4. Überstunde unbezahlt

Bericht der AK

(08.04.2023) Jede vierte Überstunde ist unbezahlt! Im vergangenen Jahr wurden 47 Millionen geleistete Über- und Mehrstunden nicht vom Arbeitgeber abgegolten - weder mit Geld noch mit Zeitausgleich. Das entspricht rund jeder vierten Überstunde und ist deutlich mehr als bisher. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt rund 40 Mio. Über- und Mehrstunden, schrieb die Arbeiterkammer (AK) Wien am Freitag unter Bezug auf eine für die AK erstellte Sonderauswertung der Statistik Austria. Die WKÖ wies die Vorwürfe zurück.

Ein Grund für die hohe Zahl an nicht abgegoltenen Über- und Mehrstunden ist laut AK unter anderem, dass nicht alle Überstunden gemeldet werden - aus Sorge, ansonsten Probleme mit dem Arbeitgeber zu bekommen. "Das ist ein systematischer Lohnbetrug, der die Arbeitnehmer:innen im letzten Jahr insgesamt 1,2 Milliarden Euro gekostet hat", sagte Ines Stilling, die AK-Sozialbereichsleiterin laut Aussendung. "Wenn ich aber Leistung verlange und dann nicht bezahle, darf ich mich nicht wundern, dass am Ende Arbeitskräfte fehlen", so Stilling im Ö1-Mittagsjournal im Hinblick auf den aktuellen Arbeitskräftemangel.

Die AK fordert, dass Über- und Mehrstunden in einem aufrechten Arbeitsverhältnis nicht verfallen dürfen. Zudem will die Kammer ein Verbot von All-In-Verträgen sowie Sanktionen, sollten Entgelte für Mehr- und Überstunden vom Arbeitgeber vorenthalten werden. Darüber hinaus schlägt sie einen "Überstunden-Euro" vor, den der Arbeitgeber für jede geleistete Überstunde abführen soll. Das Geld soll dann für Arbeitsmarktpolitik und Gesundheitsschutz zweckgewidmet werden.

Um für einen Streitfall vor Gericht gewappnet zu sein, rät die AK Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, regelmäßig minutengenaue Arbeitszeitaufzeichnungen zu führen. Diese müssten nicht vom Arbeitgeber abgezeichnet werden.

Sich während eines noch aufrechten Arbeitsverhältnisses gegen unbezahlte Überstunden zu wehren, sei allerdings meist schwierig, selbst wenn man Überstunden nachweisen könne, sagte Martin Gruber-Risak, Professor am Institut für Arbeits- und Sozialrecht an Uni Wien im Ö1-Mittagsjournal. 90 Prozent der Verfahren vor dem Arbeits- und Sozialgerichten seien beendete Arbeitsverhältnisse.

Arbeitnehmer können sich aber in einem aufrechten Arbeitsverhältnis bereits vorab gegen Überstunden zur Wehr setzen. "Da kommt es besonders darauf an, dass man in dem Unternehmen eine Kultur etabliert, dass es verpönt und nicht in Ordnung ist, dass man außerhalb der vereinbarten Dienstzeiten Dienste verlangt", so Gruber-Risak. In Zeiten von Homeoffice und mobiler Kommunikationskanäle sei das in der Praxis aber sehr schwierig.

(mt/apa)

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