Kein Platz für Lehrlinge?
AK und ÖGB mit Kritik
(23.02.2026) Die Lehrstellenlücke in Österreich wächst weiter. Noch nie seien so wenige Jugendliche in eine Lehrausbildung aufgenommen worden wie 2025, erklärten ÖGB und Arbeiterkammer (AK) am Montag bei einer Pressekonferenz. Die wiederholten Klagen vieler Unternehmen über Fachkräftemangel stünden im Widerspruch zum „schwachen Interesse der Firmen an Lehrlingen“.
Historischer Tiefstand bei neuen Lehrlingen
Im Jahr 2025 starteten laut AK und ÖGB lediglich 27.546 Jugendliche ins erste Lehrjahr. Das sind rund 10.000 weniger als noch vor 20 Jahren. 2005 wurden 37.588 Lehranfänger gezählt. Damit sei ein historischer Tiefstand erreicht.
24.500 Jugendliche suchen Lehrstelle
Aktuell sind 24.506 Jugendliche auf Lehrstellensuche. Sie sind entweder beim AMS vorgemerkt oder absolvieren eine Schulung beziehungsweise eine überbetriebliche Ausbildung. Dem gegenüber stehen laut dem „Lehrlingsmonitor“, einer Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung im Auftrag von ÖGB, AK und Gewerkschaftsjugend, nur 5.963 offene Lehrstellen.
Die Arbeitnehmervertreter fordern daher mehr Engagement der Betriebe. Diskutiert wird unter anderem ein Ausbildungsfonds, in den Unternehmen einzahlen sollen, die zwar ausbilden könnten, dies aber nicht tun. Es gebe viele gute Ausbildungsbetriebe, betonten AK-Präsidentin Renate Anderl und ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, schwarze Schafe dürfe es jedoch nicht geben.
Kritik an Digitalisierung und KI in der Lehre
Auch bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sehen ÖGB und AK Nachholbedarf. Laut Umfrage haben 55 Prozent der Lehrlinge keinerlei Berührungspunkte mit KI im Ausbildungsalltag. Themen der Digitalisierung würden häufiger in der Berufsschule als im Betrieb behandelt. Gefordert werden daher verpflichtende digitale Grundkompetenzen in allen Lehrberufen.
Reform der Lehrabschlussprüfung gefordert
Zusätzlich verlangen die Arbeitnehmervertreter eine Reform der Lehrabschlussprüfung (LAP). Diese solle modernisiert, österreichweit vereinheitlicht und öffentlich abgehalten werden. Vorgeschlagen werden außerdem ein Kompetenzcheck zur Halbzeit der Lehrzeit sowie eine zweiwöchige Freistellung vor der Abschlussprüfung.
Industriellenvereinigung verweist auf hohe Kosten
Die Industriellenvereinigung (IV) hält dem entgegen, dass Betriebe erheblich investieren. Ein Industrieunternehmen gebe rund 140.000 Euro pro Lehrling aus, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Der Rückgang der Lehrbetriebe sei auch konjunkturbedingt. Neben finanzieller Absicherung brauche es bessere Berufsorientierung und stärkere Grundkompetenzen in den Schulen. Die Debatte über die Zukunft der Lehrausbildung in Österreich dürfte damit weiter an Fahrt aufnehmen.
(fd/apa)