Killer im Darknet gesucht

"Ex-Partnerin muss weg"

(21.11.2023) Unglaublicher Prozess gestartet. Weil er im Darknet einen Auftragsmörder für seine Ex-Partnerin gesucht und dafür Geld bereitgestellt haben soll, ist einem 53-Jährigen am heutigen Dienstag in Wiener Neustadt der Prozess gemacht worden. Dem Mann wurde versuchter Mord als Bestimmungstäter angelastet. Der IT-Experte bekannte sich nicht schuldig und sprach von "blöden Fantasien" sowie "blöder Spielerei". Sein Mandant sei davon ausgegangen, dass die Webseite ein "Fake" ist, sagte Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger.

Auftragsmörder gesucht

Der Angeklagte aus dem Bezirk Baden, dessen Unternehmen für die Polizei in Deutschland tätig ist, soll heuer Ende Februar unter dem Pseudonym "Sunnyboy" auf einer Darknet-Seite ein Inserat geschalten haben, in dem ein Auftragsmörder für seine ehemalige Lebensgefährtin gesucht wurde. Die Frau sollte so von einem Auto überfahren werden, dass es wie ein Unfall aussieht. In dem Inserat wurden auch persönliche Daten und eine Beschreibung der Frau, deren Gewohnheiten, deren Lebensgefährten sowie deren Wohnadresse angegeben und Fotos übermittelt.

9.000 US-Dollar für einen Mord

Der Niederösterreicher soll über das Entgelt verhandelt und Bitcoins im Gegenwert von 9.000 US-Dollar (rund 8.220 Euro) auf ein Treuhand-Wallet bereitgestellt haben. Zur Tatausführung soll er konkrete Zeiträume vorgegeben haben, in denen sein Sohn bei ihm war. Entsprechende Chats, darunter der finale Auftrag, konnten laut dem Staatsanwalt gesichert werden. "Sie quält Kinder. Der Job ist also ziemlich dringend", hieß es zur "Zielperson" laut Übersetzung in einer englischsprachigen Nachricht. Als ein Interessent mehr Geld forderte, fand sich ein anderer Nutzer, der zusagte, den Auftrag um 10.000 US-Dollar (rund 9.133 Euro) innerhalb von fünf Tagen auszuführen.

Interpol deckt auf

Der Hinweis an die österreichischen Behörden war Anfang März von Interpol Manchester gekommen. Die Frau wurde mit dem Mordplan konfrontiert und nannte ihren früheren Partner als möglichen Auftraggeber, sie wurde unter Polizeischutz gestellt. In Folge hatte sie "Todesangst" und "leidet bis heute an den psychischen Folgen", sagte der Privatbeteiligtenvertreter. Die Schadenersatz-Forderung von mindestens rund 29.000 Euro wurde von der Verteidigung nicht anerkannt.

Streit seit 2018

Zwischen dem 53-Jährigen und seiner Ex-Lebensgefährtin tobt laut dem Vertreter der Anklagebehörde seit der Trennung im Jahr 2018 ein Obsorge- und Kontaktrechtsstreit um den gemeinsamen Sohn vor Gericht. Diese Auseinandersetzung wollte der Niederösterreicher dem Staatsanwalt zufolge dadurch beenden, dass er seine frühere Partnerin umbringen lässt.

"Einfach blöd herumgetippt."

Der Angeklagte gab zu, die sichergestellten Nachrichten geschrieben zu haben, meinte aber: "Ich habe da einfach blöd herumgetippt." Er habe eine Fantasie ausgelebt, um Ballast loszuwerden und Frust abzubauen, "das hat nichts mit der Realität zu tun". Es sei ein "Riesenschwachsinn, aber ich hab's gemacht". Vor der Polizei soll er die Chats als "Affekthandlung, um ausschließlich mein Kind zu schützen", bezeichnet haben. Nach seiner Festnahme verfasste er im Zuge der Einvernahme durch die Exekutive eine Nachricht an den Auftragnehmer, um den Mord zu stoppen.

Darknet zum Abreagieren

Sein Mandant sei im Darknet unterwegs gewesen, "um sich abzureagieren, damit er seinem Sohn eine bessere Stütze sein kann", sagte Arbacher-Stöger im Eröffnungsvortrag. Der Angeklagte habe es "als Spiel gesehen". Der 53-Jährige habe "lauter Schwachsinnigkeiten geschrieben" und "wollte alles so lebensnah wie möglich machen", erklärte der Rechtsanwalt, der den Angeklagten gemeinsam mit Rudolf Mayer verteidigt. Der Beschuldigte "wollte nie, dass es Tote oder Verletzte gibt".

Ex: "Es war ihm ernst."

"Ich bin der Meinung, dass es ihm definitiv ernst war", meinte hingegen die Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten. Die Beziehung sei anfangs "traumhaft" gewesen, aber "kurz vor der Entbindung hat sich das Gesicht gewandelt", erzählte die 45-Jährige, die in Abwesenheit des Beschuldigten befragt wurde. Ihr damaliger Partner sei "sehr besitzergreifend und kontrollierend" geworden, berichtete sie von "Psychoterror" mit "Erniedrigungen und Schikanen" sowie Überwachung. Die Niederösterreicherin hatte sich u.a. auch an Gewaltberatungsstellen gewendet. Zweimal seien Nägel in ihren Reifen gesteckt, weitere Male wurden Ventile aufgedreht.

Lebenslang möglich

"Wie in einem schlechten Film" fühlte sich die 45-Jährige, als sie von dem Mordauftrag erfuhr. In jenen Wochen, in denen gegen den Angeklagten ermittelt wurde und die Frau unter Polizeischutz stand, litt sie laut ihrer Aussage u.a. unter Schlaflosigkeit und lebte in ständiger Angst. Die psychiatrische Sachverständige Sigrun Roßmanith beschrieb den Angeklagten als "hochbegabt". Ihrem Gutachten zufolge ist er zurechnungsfähig. Der Mann wurde Ende April festgenommen, er sitzt in Untersuchungshaft. Im Fall einer Verurteilung in der Geschworenenverhandlung droht dem 53-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zehn bis zu 20 Jahren oder lebenslang.

Du brauchst Hilfe?

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u.a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie/Gewaltschutzzentrum Wien: www.interventionsstelle-wien.at und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217; Polizei-Notruf: 133

(fd/apa)

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