Klimaaktivisten besetzen Hörsäle

Innsbruck, Salzburg und Wien

(17.11.2022) Natürlich ist es ärgerlich im Stau zu stehen, wenn sich Aktivisten auf die Straße kleben oder die Vorlesung zu verpassen, wenn Hörsäle besetzt werden oder wenn Gemälde mit Öl beschüttet werden. Dennoch sollten wir uns nicht alle fragen, warum das passiert? Die Wissenschaft zeigt deutlich auf, dass die Erde in 100 Jahren unbewohnbar sein wird, wenn die Mächtigen der Welt jetzt nicht endlich handeln. Es wird unbequem, aber was wollen wir? Unsere Enkelkinder retten oder weiter bequem leben, ohne an das Morgen zu denken? Daher haben Aktivistinnen und Aktivisten unter dem Titel "Erde brennt" Hörsäle an den Unis Wien, Innsbruck und Salzburg in Beschlag genommen. Die Studierenden verstehen sich als Teil der internationalen Bewegung "End Fossil: Occupy", die über Besetzungen den Ausstieg aus fossilen Energien vorantreiben will. Außerdem fordert "Erde brennt" soziale und Bildungsgerechtigkeit und höhere Uni-Budgets. Geht es nach den Aktivisten, bleiben die Hörsäle länger okkupiert.

In Wien ist seit Mittwochmittag mit dem C1 im Alten AKH der aktuell größte Hörsaal der Uni Wien besetzt (das noch größere Audimax im Haus am Ring kann derzeit wegen der U-Bahn-Bauarbeiten nicht für den Lehrbetrieb genutzt werden, Anm.). Rund 50 Personen waren gestern nach einer abendlichen Podiumsdiskussion mit Wissenschaftern und einer Vollversammlung geblieben und haben die Nacht vor Ort verbracht. Dabei gab es - anders als bei den wochenlangen Hörsaal-Besetzungen der "unibrennt"-Bewegung 2009 - keine Party.

C1 sei ein drogen- und alkoholfreier Raum, immerhin wolle man mit den Forderungen ernst genommen werden, so Amina Guggenbichler von "Erde brennt Wien" gegenüber der APA. Außerdem habe man aus manchen Fehlern von 2009 gelernt, als Alkoholkonsum im Audimax teilweise für Probleme sorgte. Überhaupt zeigen die Besetzer sich verantwortungsbewusst und fordern etwa zu regelmäßigen PCR-Tests bzw. Maskentragen auf. Im Aufruf zur Besetzung wurde sogar an das Mitnehmen von Zahnbürste und Wechselgewand erinnert. Gegenstände, die als Vermummung oder Waffe dienen könnten (Sturmhaube, Wasserflasche), sollen daheimbleiben.

Programm am Donnerstag

Für den heutigen Donnerstag sind neben Arbeitsgruppen-Treffen auch eine Vorlesung zum Klimawandel und ein Vortrag der Linkswende geplant. Man sei allerdings eine parteiunabhängige Bewegung, betonte Guggenbichler. "Erde brennt Wien" gehe von Studierenden aus, die teils auch schon in anderen Klima-Bewegungen wie Fridays For Future aktiv waren. Auch ehemalige unibrennt-Aktivisten seien dabei. Das Veranstaltungsprogramm in Wien reicht bereits bis kommenden Donnerstag. So lange wolle man den Hörsaal auch auf jeden Fall halten, betonte Guggenbichler.

Auch an der Universität Innsbruck war der Klimaprotest am späten Donnerstagvormittag noch im Gange. Rund 40 Personen der Initiative "Erde brennt Innsbruck" halten dort seit Mittwoch gegen 17.00 Uhr einen Hörsaal besetzt. Wie der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Universität, Uwe Steger, auf APA-Nachfrage erklärte, seien noch immer rund 40 Personen vor Ort. Die Lage sei aber weiterhin "sehr entspannt". Im Laufe des Donnerstags sei ein Gespräch mit dem Rektorat geplant, um die Absichten der Protestierenden abzuklopfen und zu erfahren "auf wie lange die Aktion ausgelegt" sei. "Es gibt noch keine klaren Ansagen", hielt Steger fest. Die Lehrveranstaltungen, die heute im Hörsaal stattfinden hätten sollen, wurden teilweise in andere Räumlichkeiten verlegt. "Thematisch passende Lehrveranstaltungen" hätten im besetzten Raum stattgefunden.

Besetzung auch in Salzburg

In Salzburg war die Besetzung Donnerstagmittag ebenfalls noch im Gange. Dort hatten gestern Abend gegen 19 Uhr rund 55 Personen drei Hörsäle im Unipark Nonntal in Beschlag genommen, die Hälfte davon hat auch dort übernachtet. Derzeit gibt es laut Uni noch gutes Einvernehmen mit dem Rektorat, das heute Abend auch die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zugesagt hat. Die Besetzung ist vorerst auf unbestimmte Zeit angesetzt.

Ziel der Besetzungen

Mit den Hörsaalbesetzungen wollen die Studierenden sich für soziale- und Klimagerechtigkeit einsetzen und die Unis wieder zu einem "Raum für Utopien und echte Solidarität" machen. Die konkreten Forderungen unterscheiden sich dabei je nach Standort etwas. Man agiere sehr autonom, "aber End Fossil vereint uns", so Guggenbichler.

(fd/apa)

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