Knapper, teurer, unsicherer

Ukraine-Krieg & Ölversorgung

(07.03.2022) Die Rohölpreise steigen und steigen - und mit ihnen absehbar auch die Kosten für Benzin, Diesel, Heizöl, Schweröl, Kerosin und viele verarbeitete Chemieprodukte. Bei den beiden wichtigen Ölsorten Brent und WTI erklommen die Notierungen im weltweiten Großhandel am Montag Höhen wie seit rund 14 Jahren nicht mehr. Dabei war die durch Energie getriebene Inflation zuletzt schon erheblich. Fragen und Antworten zu den zentralen Faktoren am Ölmarkt:

Wie entstehen die Ölpreise, und wie kommen sie beim Verbraucher an?

Das OPEC-Kartell und die OPEC-Plus-Länder einschließlich Russlands haben durch ihre Entscheidungen zu Fördermengen großen Einfluss, auch wenn ihr Marktanteil in den vergangenen Jahren sank und die USA ein weiterer dominanter Akteur sind. Holen die Ölstaaten mehr "schwarzes Gold" aus dem Boden, vergrößert dies das Angebot. In der Regel gehen die Preise bei der damit abnehmenden Knappheit zurück.

Jedoch spielt die Nachfrage ebenfalls eine Rolle - der Ölhunger hat durch die vorsichtige wirtschaftliche Erholung nach der Coronakrise nochmals zugenommen. Und Marktteilnehmer decken sich mit Rohöl ein, weil sie eine Verschärfung des Krieges befürchten. Oft ist ein "Überwälzen" von Preissteigerungen zuerst auf die Wirtschaft und am Ende auf die Verbraucher nicht vermeidbar. Diesel ist in Deutschland nun sogar teurer als Benzin, für Erdgas erreichte der Großhandelspreis laut Marktexperten ein Allzeithoch.

Welche Rolle spielt Russland auf dem internationalen Ölmarkt?

Die Russische Föderation ist ein Gigant im Ölgeschäft. Wie bei Gas, Kohle und Metallen leitet sich daraus eine enorme Marktmacht ab. Die Abkehr von fossilen Ressourcen, die der Klimawandel nötig macht, braucht Zeit. Bis auf weiteres hat Moskau mit seinem vor allem aus Sibirien stammenden Öl also einen geopolitischen Trumpf in der Hand.

Bei den weltweiten Erdölressourcen lag das Riesenland nach Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Jahr 2020 mit knapp 85 Milliarden Tonnen auf Rang zwei hinter den USA (118 Mrd. t). In der Förderung 2015 bis 2020 hatten die USA mit 17,9 Prozent den größten Anteil, auch hier kam danach Russland mit 12,3 Prozent - vor dem Schwergewicht Saudi-Arabien (12,0 Prozent).

Was hat Erdöl mit der Debatte um weitere Russland-Sanktionen zu tun?

Schon vor der Invasion in die Ukraine war es mit den Ölpreisen aufwärts gegangen, seither noch stärker. US-Außenminister Antony Blinken berät nun mit Europa über einen Importstopp: "Wir sprechen jetzt mit unseren europäischen Partnern und Verbündeten, um auf koordinierte Weise die Aussicht auf ein Verbot der Einfuhr von russischem Öl zu prüfen." Die deutsche Regierung zeigte sich am Montag noch zurückhaltend zu Forderungen nach einem Energie-Embargo. Entsprechende Spekulationen und Knappheitssorgen sind aber längst Treiber der Rohölpreise. Montagfrüh legte die Nordseesorte Brent um bis zu 18 Prozent zu und stand bei 139,13 Dollar (127,30 Euro) je Barrel, im Sommer 2008 war der Preis zuletzt darüber gelegen. Bei der US-Sorte WTI (130,50 Dollar) war es ähnlich.

Was könnten die Folgen für die Versorgung Deutschlands sein?

Sollte es zu einem Einfuhrverbot kommen, könnte Öl abermals teurer werden. Der deutsche Verband Fuels und Energie mit Sitz in Berlin erklärte, die Branche habe schon begonnen, Importe aus Russland zu reduzieren. Die Versorgung sei derzeit stabil. Aber angesichts der hohen Gesamtmengen sei kurzfristiger Ersatz "extrem anspruchsvoll und nicht vollständig realisierbar". Bei dem per Tanker - etwa über Rotterdam - kommenden Öl sei eine Umstellung auf andere Lieferländer noch vergleichsweise gut möglich, ein Großteil komme jedoch aus Russland via Druschba-Pipeline (Brotherhood bzw. Freundschaft) über die Ukraine. "Lieferunterbrechungen wegen beschädigter Infrastruktur bis zu russischen Gegensanktionen könnten Konsequenzen für Europas Energiebranche haben", hieß es vom Analysehaus Scope Ratings.

Was könnte die Preissteigerungen dämpfen?

Am effektivsten wäre es, wenn der OPEC-Plus-Verbund die Fördermenge stark ausdehnen würde. Zuletzt gab es dafür aber keine Hinweise. In der vorigen Woche bestätigte die Gruppe die Politik einer zögerlichen Ausweitung. Zudem sind viele Länder nicht einmal in der Lage, ihre bisherigen Förderquoten zu erfüllen. Auch aus den USA ist kurzfristig kaum Abhilfe zu erwarten. Dazu müssten Investitionen in das Fracking von Rohöl hochgefahren werden. Auch dies braucht Zeit - und ist umweltpolitisch heftig umstritten. Anstrengungen der Verbrauchsländer zur Energieeinsparung und Umstellung auf erneuerbare Energien könnten helfen. Aber auch das ist heute eher eine Frage der mittleren Frist.

Tanken und Heizen - aber wofür braucht man noch Erdöl?

Rohöl ist nicht nur die Basis klassischer Treib- und Heizstoffe. Es steckt in zahllosen Konsumgütern. Die in Erdölgemischen enthaltenen Kohlenwasserstoffe spielen bei Kunststoffverbindungen eine zentrale Rolle, aber auch bei vielen weiteren Chemieerzeugnissen sowie als Ausgangsstoffe für Medikamente. Daneben fließt Öl in die Produktion von Baustoffen, Schaum- und Isolierstoffen, Waschmitteln, Spielwaren, Maschinenteilen oder Textilfasern ein. Zunehmend werden alternative Verfahren entwickelt. Das gilt etwa für synthetische Kraftstoffe, bei denen Wasserstoff und CO2 aus der Luft zu Kohlenwasserstoffen reagieren, die ähnliche Strukturen haben wie aus Erdöl gewonnene.

(apa/makl)

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