"Kommen ärmer aus der Krise"

Spürbarer Einkommensverlust

(24.09.2022) Wegen der steigenden Kosten, der Energiekrise und dem Verlust an Kaufkraft, bewegt sich die europäische Wirtschaft in einen Rückgang. Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research sieht für Deutschland im kommenden Jahr sogar eine Rezession der Wirtschaftsleistung in Höhe von 3,5 Prozent voraus. Andere Volkswirte sehen einer dpa-Umfrage zufolge die Auswirkungen etwas milder, die Konjunktur aber immer noch deutlich auf Talfahrt.

Vor allem die privaten Haushalte und ihre Kaufkraft müssen schwer Federn lassen. "Durch die hohe Inflation hat sich die Finanzlage der privaten Haushalte seit Jahresbeginn erheblich verschlechtert", kommentierte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank KfW. "Im zweiten Halbjahr werden die Realeinkommen voraussichtlich weiter sinken", sagte sie.

Spürbarer Einkommensverlust

"Der Verlust an Kaufkraft dämpft den Konsum und zusammen mit den gestiegenen Zinsen auch den privaten Wohnungsbau." Schattenberg sieht es ähnlich: "Ein Großteil der Haushalte wird mit spürbaren realen Einkommensverlusten zurechtkommen müssen." Katharina Utermöhl, Volkswirtin bei der Allianz-Gruppe, bringt die Lage noch deutlicher auf den Punkt: "Wir werden alle ärmer aus der Krise herauskommen."

Deutschland durchlebe die schwerste Krise der vergangenen 50 Jahre. "Das stellt die große Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise in den Schatten", sagte sie. Der Inflationsschmerz müsse nun abgefedert werden. Einerseits durch fiskalpolitische Maßnahmen des Staates, andererseits aber auch durch Sparverhalten der Privatleute.

"Sparanreiz muss bleiben"

Hier sei noch nicht genug Bewusstsein entstanden, sagte auch Christoph Siebecke von der Oldenburgischen Landesbank. "Die Politik sollte den Preis nicht zu sehr beeinflussen. Sonst werden die Haushalte nicht reagieren", sagte er zur Diskussion über die mögliche Deckelung von Energiepreisen. "Der Sparanreiz für die Verbraucher muss spürbar bleiben", meint auch Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat der deutschen Regierung, den sogenannten "Wirtschaftsweisen".

Die großen Probleme kommen erst

Deutsche-Bank-Volkswirt Schattenberg glaubt, dass die wirklich großen Probleme erst im ersten und zweiten Quartal des nächsten Jahres auf Deutschland zurollen werden. Wenn die vor dem Winter nun gut gefüllten Gasspeicher geleert seien und Gas im großen Stil zum Wiederauffüllen gekauft werden müsse, werde der Preis weiter steigen. Gleichzeitig würden die mit dem Jahreswechsel häufig neu abzuschließenden Stadtwerke-Verträge den privaten Gaskunden kräftige Löcher in die Taschen fressen.

Die Volkswirte erwarten, dass es im Zuge der Energiepreiskrise auch zu mehr Insolvenzen kommt - vor allem bei kleineren Unternehmen mit hohem Anteil an Energiekosten. Auch der Export werde leiden, weil die Handelspartner im Ausland ebenfalls Kaufkraftverluste hinnehmen müssten, sagte Köhler-Geib.

(APA/CD)

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