Lawinenunglück in Salzburg
Ermittlungen laufen
(19.01.2026) Nachdem am Samstag eine Frau und drei Männer beim Tourengehen von einer Lawine erfasst und verschüttet wurden, laufen jetzt die Ermittlungen der Alpinpolizei weiter. Laut dem Alpenverein galten alle als erfahrene Tourenführer. Sie wollten an einer Fortbildung in Großarl teilnehmen, die von einer Salzburgerin geleitet wird.
Es besteht Aufklärungsbedarf
Jetzt müsse geklärt werden, ob bei der Fortbildungsleiterin eine Mitschuld besteht und ob ihre Aufklärungs- und Sorgfaltspflicht verletzt wurde, so Johannes Fulme, Professor für Zivilrecht an der Universität Salzburg. Bei einer geführten, entgeltlichen Bergtour könnte dies haftungsrelevant sein, da von der leitenden Bergführerin ein anderes Expertenwissen gefordert wird.
Die Skiführerin muss die Gruppe vor der Tour darüber aufgeklärt werden, welche spezifischen Gefahren und Risiken bestehen, Wetterinformationen einholen, das Equipment der und situativ die Route selbst wählen. Ob all diese Vorkehrungen eingehalten wurden, soll in den Ermittlungen geklärt werden. Eine mögliche Schadenersatzsumme von über 100.000 Euro steht im Raum. Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann es aber noch mehrere Wochen dauern, erst dann wird entschieden, ob strafrechtliche Folgen drohen.
Lawinengefahr oft schwer einzuschätzen
Bisher sind laut Alpinpolizei in dieser Wintersaison 13 Menschen bei Lawinenabgängen gestorben, acht davon am Samstag. Die meisten Unglücke ereignen sich bei Gefahrenstufe drei - erhebliche Lawinengefahr, sagt der Leiter der Alpinpolizei. In den Gebieten, in denen sich am Samstag das Unglück ereignete, herrschte nur teilweise Gefahrenstufe drei, sonst überwiegend „mäßige“ Gefahr, also Stufe zwei, unterhalb von 1.800 Metern sogar nur Stufe eins „geringe“ Gefahr.
Der Leiter des Lawinenwarndienstes in der Steiermark, Arnold Studeregger, betont aber, dass es diesen Winter ein „Altschneeproblem“ gebe, bei dem sich die Schneedecken nicht verbinden können. Besonders hinter Kämmen, Geländekanten oder in steilen Mulden und Rinnen besteht große Gefahr. Die tatsächliche Lage bei Lawinengefahren ist oft schwer einzuschätzen, grundsätzlich haben die Lawinenwarndienste aber sehr gute Prognosen.
Gute Vorbereitung ist wichtig
Besonders wichtig ist es für Skitourengeher, nicht allein unterwegs zu sein, sagt Hans Ebner, Leiter der Alpinpolizei. Sollte jemand verschüttet werden, hat die Person gute Überlebenschancen, solange sie in innerhalb von 15 bis 20 Minuten befreit wird. Skitourengeher sollten immer eine Notfallausrüstung dabeihaben, in erster Linie zählen dazu Handy, ein Lawinenverschütteten-Suchgerät und eine Schaufel. Wer in steilerem Gelände unterwegs sein möchte, sollte auch über die Anschaffung eines Lawinenrucksacks mit Airbag nachdenken.
Aber auch die beste Ausrüstung ist im Notfall nie eine Garantie und der Umgang mit den Notfallgeräten muss auch geübt sein. Angebote für solche Übungen gibt es etwa vom Alpenverein, den Naturfreunden oder auch in Skischulen.
(ts)