Medienrummel bei Ott-Prozess
Russland-Spion?
(22.01.2026) Am Donnerstag hat am Wiener Landesgericht mit der Verhandlung gegen Egisto Ott der größte Spionage-Prozess begonnen, der in den vergangenen Jahrzehnten in Österreich verhandelt worden ist. Der Anklagevortrag verzögerte sich allerdings um einige Minuten, da es PC-Probleme gab. Dem früheren Chefinspektor im mittlerweile aufgelösten Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung wird Amtsmissbrauch und nachrichtendienstliche Tätigkeit zugunsten Russlands vorgeworfen.
Der Verhandlungssaal 401 war gut, aber nicht bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Prozess dürfte auch weit über die Grenzen Österreichs verfolgt werden - wird Ott doch unter anderem vorgeworfen, im Auftrag des per internationalen Haftbefehls gesuchten ehemaligen Wirecard-Spitzenmanagers Jan Marsalek ohne dienstlichen Auftrag Personendaten im Interesse des russischen Geheimdiensts abgefragt und an diesen weitergegeben zu haben. Auch Diensthandys eines ehemaligen Kabinettschefs im Innenministerium und ein SINA-Laptop mit brisanten geheimdienstlichen Informationen eines EU-Staates sollen von Ott über Marsalek ihren Weg zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB gefunden haben.
"Kein Kommentar" von Ott vor Verhandlungsbeginn
Ott dürfte spätestens ab Mittag zu Wort kommen, nachdem die Staatsanwälte ihre Anklage vorgetragen haben. Ott und seine Rechtsvertreterin Anna Mair erschienen überpünktlich und wurden vor dem Saal von zahlreichen Fotografen und Kameraleuten umringt. "Kein Kommentar", meinte Ott auf die Frage, wie er sich verantworten werde. Für die Beschuldigteneinvernahmen ist auch der Freitag vorgesehen.
Ausgeschrieben ist die Verhandlung gegen Ott und einen mitangeklagten Polizisten vorerst bis Anfang März, wobei insgesamt zehn Verhandlungstage anberaumt sind. Zeuginnen und Zeugen sind erst für die Termine im Februar geladen.
(apa/mc)