Medikamente-Engpass

Jetzt sollen sie teuer werden

(24.01.2023) Ob der Medikamentenknappheit mit Teuerungs-Maßnahmen beizukommen ist? Wir wagen das zu Bezweifeln. In der Diskussion um den anhaltenden Engpass bei Arzneimitteln fordert die Pharmaindustrie höhere Preise für Medikamente. Peter Lehner, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, kann dem nichts abgewinnen: "Wenn ein Produkt nicht verfügbar ist, dann wird es nicht verfügbar, wenn es teurer wird", sagte er im Ö1-Morgenjournal. "Das heißt, ein höherer Preis führt nur dazu, dass die Gewinne der Pharmawirtschaft größer werden."

Die Produktion sei auch nicht aus Europa nach Asien abgewandert, "weil es hier nicht möglich wäre, sondern es geht darum, die Gewinne zu maximieren. Das ist in der Wirtschaft normal. Daher hilft ein höherer Preis nicht, und jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, einen höheren Preis bei der Sozialversicherung auch zu beantragen." Mehr als 90 Prozent dieser Anträge seien zum Beispiel 2020 genehmigt worden.

Knappheit seit Jahren

Neu sei die Knappheit bei bestimmten Medikamenten nicht, man kenne das seit Jahren. "Heuer und nach der Pandemie ist es etwas intensiver ausgeprägt", sagte Lehner. "Es gibt Planungsfehler und natürlich kämpfen die Pharmaunternehmen mit den gleichen Problemen, mit denen alle anderen Branchen auch kämpfen. Wir sprechen hier von Rohstoffknappheit, von Lieferengpässen, aber natürlich die großen Themen sind auch in diesem Bereich die Fachkräftesituation in der Pharmaunternehmung."

Situation falsch eingeschätzt

"Die aktuelle Situation, was Verkühlungen, was Erkrankungen betrifft", sei zudem für Europa falsch eingeschätzt worden. "Wir hatten am 12. Dezember den stärksten Tag im niedergelassenen Bereich in der Sozialversicherung. 725.000 E-Card-Steckungen an einem Tag", so Lehner. "Die Welle der Grippe und der Verkühlungen, Erkrankungen, RSV zieht über Österreich drüber" und die Pharmawirtschaft habe sich verschätzt.

Problem: Wirkstoffverschreibung

Vorschläge wie die Wirkstoffverschreibung - Ärztinnen und Ärzte verschreiben nicht mehr bestimmte Präparate, sondern Wirkstoffe - hätten ebenfalls Tücken, so indes Dachverbands-Chef Lehner. Es bestünde die Gefahr, "dass sich die Anzahl der Lieferanten noch einmal reduziert" und noch mehr Abhängigkeiten entstehen. Zudem gebe es "mit den Ärzten Vereinbarungen zur ökonomischen Verschreibung von Medikamenten, mit den Apotheken existiert diese Vereinbarung nicht. Das heißt, die Gefahr ist, dass wir nicht Geld einsparen." Die positivste Berechnung gehe von 130 Millionen aus. "Es kann genauso sein, dass wir dann 55 Millionen mehr zahlen."

Liste der fehlenden Medikamente

Mehr als 600 Medikamente waren am Dienstagvormittag vom BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) als eingeschränkt verfügbar bzw. nicht lieferbar gelistet.

(fd/apa)

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